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Insolvente Drogeriekette Auf dem Arbeitsmarkt haben Schlecker-Mitarbeiter gute Chancen

Ein hartes Sanierungsprogramm soll Schlecker vor der endgültigen Pleite bewahren. 12.000 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Ihre Perspektiven aber sind nicht schlecht. Konkurrent Rossmann bringt sich schon in Stellung.

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Kampf um ihren Arbeitsplatz: Schlecker-Mitarbeiter in Stuttgart. Quelle: dpa

Ehingen/Berlin Bei den Schlecker-Mitarbeitern geht die Angst um. Fast jeder zweite von ihnen soll den Job verlieren. Die insolvente Drogeriekette will rund 12.000 Beschäftigten kündigen und 2400 ihrer 5400 Filialen in Deutschland schließen. Die Chancen der Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt stehen allerdings nicht schlecht. So hat bereits Konkurrent Rossmann seine Fühler ausgestreckt und einigen Beschäftigten Jobs angeboten. „Wir eröffnen im Jahr rund 100 neue Märkte und stellen dabei etwa 1.000 neue Mitarbeiter ein. Da werden sicher auch Schlecker-Mitarbeiter dabei sein“, sagte Unternehmens-Gründer Dirk Rossmann dem „Tagesspiegel“. Auch bei anderen Firmen hätten die Schlecker-Beschäftigten gute Chancen, neue Jobs zu finden. „In ganz Deutschland ist die Nachfrage nach Arbeitskräften im Einzelhandel hoch“, erklärte Rossmann.

Auch die Unternehmensberatung KPMG sieht gute Perspektiven für die Schlecker-Beschäftigten. „Die Branche ist immer auf der Suche nach qualifiziertem Personal für die Läden. Da sehe ich auch Chancen für gute Schlecker-Mitarbeiter abseits der reinen Drogeriemarktsparte, etwa bei Supermärkten und bei Lebensmitteldiscountern“, sagte Mark Sievers, Partner und Sektor-Koordinator für den  Handel, der „Welt am Sonntag“. „Wer bei Schlecker etwa eine Filiale geführt hat, verfügt in der Regel über viele Kenntnisse und Erfahrung etwa bei der Warenannahme, in der Organisation und im Personalhandling, die auch bei anderen Arbeitgebern gefragt sind.“

Der  Arbeitsmarkt floriert, „alleine für Einzelhandelskaufleute gibt es derzeit 20 000 offene Stellen“, sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen der „Welt am Sonntag“. Von Mitte 2010 bis Juni 2011 entstanden nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) 60.000 sozialversichtungspflichtige Stellen. Allein auf die konkurrierenden Drogeriemärkte Rossmann (1000 neue Stellen) und dm (2000) entfiel ein Großteil der neuen Arbeitsplätze im vergangenen Jahr, beim Lebensmittelriesen Rewe waren es gar 28.000 seit 2007. Discounter wie KiK oder „Ernsting's Family“ drängen mit immer neuen Läden auf den Markt.

Handelsexperten schätzen an den Schlecker-Mitarbeitern neben den fachlichen Stärken vor allem deren Krisenerprobtheit und Stressresistenz, wie die Umfrage der „WamS“ ergab. Wer sich im sehr autoritär und willkürlich geführten Laden-Imperium von Firmengründer Anton Schlecker behauptet hat, dem sollte der Umstieg in eine andere Firma nicht allzu schwerfallen.

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    Etliche hoffnungsvolle Signale kommen auch aus der Politik: Ursula von der Leyen hatte bereits am Freitag angekündigt, sich für die Einrichtung einer Transfergesellschaft stark zu machen. Dadurch könnten die Betroffenen bis zu zwölf Monate lang Transfer-Kurzarbeitergeld erhalten. Das Insolvenzverfahren bei Schlecker soll Ende März eröffnet werden.

    Der Finanz- und Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Nils Schmid (SPD), will die betroffenen Schlecker-Mitarbeiter möglichst schnell in neue Jobs vermitteln. "Die 12.000 Beschäftigten - in diesem Fall hauptsächlich Frauen mit geringem Einkommen - müssen den Kopf für jahrelange unternehmerische Fehler hinhalten. Der Staat ist gefordert, die Folgen abzumildern", sagte Schmid dem Handelsblatt.

    Dabei gehe es auch darum, "neue Wege zu gehen". Eventuell müsse das Insolvenzgeld etwas verlängert werden, bis ein tragfähiges Konzept steht. Vielleicht sei es auch möglich, EU-Gelder einzusetzen. Baden-Württemberg ist besonders betroffen, weil die Firmenzentrale in Ehingen nahe Ulm liegt. Die Filialen aber sind bundesweit verstreut. Schmid fordert deshalb eine länderübergreifende Initiative, um möglichst schnell eine Transfergesellschaft auf die Beine zu stellen.

    Beim Wechsel in eine solche Transfergesellschaft werden die Mitarbeiter für maximal ein Jahr weiterbeschäftigt. Sie erhalten dann das sogenannte Transferkurzarbeitergeld, für Mitarbeiter mit Kindern sind das 67 Prozent und für andere 60 Prozent des letzten Nettogehalts. Es wird aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung gezahlt.

    Der Finanz- und Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Nils Schmid (SPD), will die von der Insolvenz der Drogeriemarktkette Schlecker betroffenen Mitarbeiter möglichst schnell in neue Jobs vermitteln.

    "Die 12.000 Beschäftigten - in diesem Fall hauptsächlich Frauen mit geringem Einkommen - müssen den Kopf für jahrelange unternehmerische Fehler hinhalten. Der Staat ist gefordert, die Folgen abzumildern", sagte Schmid dem Handelsblatt. Dabei gehe es auch darum, "neue Wege zu gehen". Eventuell müsse das Insolvenzgeld etwas verlängert werden, bis ein tragfähiges Konzept steht. Vielleicht sei es auch möglich, EU-Gelder einzusetzen.

    Baden-Württemberg ist besonders betroffen, weil die Firmenzentrale in Ehingen nahe Ulm liegt. Die Filialen aber sind bundesweit verstreut. Schmid fordert deshalb eine länderübergreifende Initiative, um möglichst schnell eine Transfergesellschaft auf die Beine zu stellen.

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