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Insolvenz in Eigenverwaltung Die Rettungschancen für Mister Minit steigen

Mister Minit meldete im April Insolvenz an. Quelle: imago images

Mit harten Einschnitten wollen Sanierungsexperten das deutsche Geschäft des Reparatur- und Servicedienstleisters Mister Minit auf Kurs bringen: Rund 30 der 148 Shops werden geschlossen.

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„Manchmal brauchen Sie einfach einen Fachmann“, wirbt der Servicedienstleister Mister Minit auf seiner Homepage. „Jemand, der Ihr Smartphone repariert, nachdem Sie es fallen ließen. Jemand, der Ihre Schuhe repariert, damit Sie diese wieder tragen können.“ In jedem Fall sei Mister Minit die richtige Adresse für Reparaturen aller Art – und wird es trotz eines Insolvenzverfahrens für die deutschen Filialen wohl auch in Zukunft bleiben. Mehrere Interessenten hätten Angebote zum Erwerb des Betriebs abgegeben, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens: „Die Konzepte sehen vor, den Betrieb im Wesentlichen vollumfänglich nach einer Restrukturierung weiterzuführen.“

Ende April hatte die Minit Service GmbH, in der das deutsche Filialgeschäft des belgischen Unternehmens gebündelt ist, Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Am 1. August hat das Amtsgericht Düsseldorf nun das Verfahren eröffnet und damit die nächste Sanierungsphase eingeleitet. Da der Geschäftsbetrieb in seiner derzeitigen Struktur nicht kostendeckend aufrechterhalten werden kann, wurde zudem Masseunzulänglichkeit angezeigt, teilte das Unternehmen mit. Vor diesem Hintergrund soll es auch zur kurzfristigen Schließung von rund 30 der 148 Filialen kommen. „Diese Maßnahme ist für den Erhalt des Unternehmens unumgänglich“, sagte der für die Eigenverwaltung in das Management berufene Sanierungsexperte Christoph Enkler von der Kanzlei Brinkmann & Partner.

Ende des Monats soll feststehen, wie es mit den verbleibenden Filialen von Mister Minit in Deutschland weitergeht. „Wir gehen davon aus, dass bis Ende August die Prüfung sowie Verhandlung der endgültigen Konzepte und Angebote abgeschlossen werden kann, um sie den Gläubigergremien und weiteren Beteiligten zur Entscheidung vorlegen zu können“, so der Generalbevollmächtigte Till Buschmann von der Wirtschaftskanzlei Bryan Cave Leighton Paisner. Auch der gerichtlich bestellte Sachwalter Gregor Bräuer von der Kanzlei hww zeigte sich optimistisch, dass eine Rettung gelingt: „Nach den bislang erzielten Ergebnissen bin ich zuversichtlich, dass Mister Minit die Coronazeit überstehen wird“, so Bräuer.

Mister Minit wurde 1957 in Belgien gegründet. Zwischenzeitlich stieg die Gruppe zum europaweiten Marktführer im Bereich der Expressdienste auf und betrieb nach früheren Angaben mehr als 900 Filialen in 14 Ländern.

In Deutschland hatte das Unternehmen in den vergangenen Monaten mit den coronavirusbedingten Schließungen zahlreicher Geschäfte zu kämpfen. Allerdings litt der Dienstleister auch schon vorher unter erheblichen Problemen und wies 2018/19 einen Jahresfehlbetrag von 4,2 Millionen Euro aus. „Vor allem der Bereich der Schuh-Reparatur entwickelt sich im Gesamt-Markt weiterhin rückläufig“, heißt es in der Bilanz.

So sei weiter ein Trend zu sehr günstigen Schuhen und vor allem zu Sneakern festzustellen. „Damit werden Schuhreparaturen im Verhältnis zum Neukauf von Kunden als eher ‚teuer‘ eingeschätzt.“ Andere Bereiche wie Uhrenservice sowie Schlüssel und Sicherheitstechnik hatten sich dagegen positiv entwickelt.



Für zusätzlichen Gegenwind sorgten in den vergangenen Wochen die Probleme der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, in deren Filialen etliche Mister-Minit-Shops untergebracht sind. „Aufgrund der derzeitigen Situation in der Einzelhandelslandschaft findet die Sanierung – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der Schließungen bei Karstadt Kaufhof – in einem herausfordernden Marktumfeld statt“, konstatiert Sanierungsexperte Enkler.

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