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Insolvenz in Eigenverwaltung Wie einer mittelständischen Schuhkette die Rettung gelang

Bereit zum Neustart: Fascies scheint die Rettung gelungen zu sein.

Im Januar meldete die Kette Schuhpark Fascies Insolvenz in Eigenverwaltung an. Jetzt wurde ein neuer Eigentümer für das Unternehmen gefunden. Ein Großteil der Arbeitsplätze bleibt erhalten. Was sich daraus lernen lässt.

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Nach Gründen für den finanziellen Niedergang des Schuhfilialisten Schuhparks Fascies muss man nicht lange suchen. „Das Unternehmen stand vor Problemen, wie wir sie derzeit in der gesamten Handelsbranche sehen“, sagt Georg Bernsau, Insolvenzexperte und Namenspartner der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff. Die Kundendrift in Richtung Onlinehandel, das Überangebot an Ware, der ruinöse Preiskampf und schließlich der heiße Sommer 2018, der Schuhfans vom Einkauf abhielt, machten dem Unternehmen zu schaffen.

Doch anders als viele seiner Branchenkollegen zog Firmengründer Bernhard Fascies rechtzeitig die Reißleine.

Er hatte 1975 sein erstes Schuhgeschäft in einer alten Weberei in Warendorf eröffnet und das Unternehmen sukzessive auf- und ausgebaut. 89 Filialen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein gehörten zu seiner Schuhpark-Kette. 900 Mitarbeiter arbeiteten für das Unternehmen – bis sich die Finanzsituation im vergangenen Jahr verschärfte.

Im Januar meldete die Handelskette Schuhpark Fascies Insolvenz in Eigenverwaltung an. Jetzt wurde ein neuer Eigentümer für das Unternehmen gefunden. Quelle: Presse

Im Januar stellte der Unternehmer Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. Fascies blieb als Geschäftsführer an Bord. Bernsau und sein Kanzleipartner Andres Pantlen stiegen in die Geschäftsführung ein und steuerten fortan den operativen Sanierungsprozess. Beaufsichtigt wurde die Rettungsmission von dem gerichtlich bestellten Sachwalter, dem Münsteraner Rechtsanwalt und Sanierungsexperten Stephan Michels.

Die Insolvenzexperten senkten die Kosten, verhandelten mit Vermietern über die Höhe der Mieten und mit Lieferanten um bessere Preise. Sie ließen das Online-Geschäft neu justieren, nutzten das Insolvenzgeld und setzten einen Verkaufsprozess auf.
Am Ende gab es zwar auch Einschnitte: 18 Filialen werden spätestens Mitte 2019 geschlossen, 150 Mitarbeiter müssen gehen. Aber insgesamt „hat das Unternehmen dadurch jetzt wieder eine Perspektive“, sagt Bernsau.

Denn trotz der heiklen Branchensituation gelang es, einen neuen Gesellschafter zu finden: Stimmen die Gläubiger zu, wird die Kienast Unternehmensgruppe Schuhpark Fascies übernehmen.

Mit Marken wie ABC Schuh-Center, K+K Schuh-Center, Shoe4You und street shoes gehört Kienast nach eigenen Angaben zu den fünf führenden Schuhfilialisten Deutschlands. Insgesamt betreibt die Unternehmensgruppe rund 400 Filialgeschäften und beschäftigt 2.200 Mitarbeiter. „Schuhpark ist ein starkes Konzept mit einem hervorragenden Ruf, das gut am Markt positioniert ist und perfekt in die Kienast-Gruppe passt“, sagt Geschäftsführer Peter-Phillip Kienast, der das Familienunternehmen seit über zwölf Jahren Auch Schuhpark-Chef und -Gründer Fascies soll als Berater an Bord bleiben.

Läuft alles nach Plan, könnte das Gericht, das Insolvenzverfahren Ende Juni 2019 wieder aufheben. Nur ein halbes Jahr nach Antragstellung hätte das Unternehmen die Insolvenz dann hinter sich gelassen. Für Bernsau ist das vor allem der Entscheidungskraft des Unternehmenschefs zu verdanken. „Der Inhaber versuchte nicht, die Krise auszusitzen, sondern handelte“, sagt der Jurist.

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