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Insolvenzverfahren Aufmarsch der Praktiker-Verwalter

Gleich drei Insolvenzkanzleien kümmern sich um das Schicksal der havarierten Baumarktkette samt Tochter Max Bahr. Wie es zur Sanierungs-Troika kam.

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Einzelhandel mutiert zur Krisenbranche
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger. Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Quelle: dpa
KarstadtKarstadt-Investor Nicolas Berggruen möchte sich endgültig von den Warenhäusern trennen - das berichtet die Bild-Zeitung. Er verhandele mit der österreichischen Investorengruppe Signa des Unternehmers René Benko. Benko hatte im vergangenen Herbst bereits die drei Premium-Häusern und 28 Sportwarenhäusern der Kette gekauft. Die Berggruen-Holdings ist bisher noch mit einem Anteil von 24,9 Prozent an beiden Geschäftsbereichen beteiligt, außerdem gehören ihr noch die 83 Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Diese könnten nun - so die Bild - für nur einen Euro den Besitzer wechseln. Auch Berggruen hatte seiner Zeit nur einen symbolischen Euro für die marode Warenhaus-Gruppe gezahlt. Erst vor wenigen Tage hatte Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt nach nur wenigen Monaten im Konzern hingeschmissen. Quelle: ddp
KarstadtDer Warenhauskonzern Karstadt will bis Ende 2014 insgesamt 2000 Stellen abbauen. Die Branche leidet unter massiven Überkapazitäten außerdem wandern immer mehr Kunden ins Internet ab. Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden und primär über Frühpensionierungen, Nichtverlängerung von befristeten Verträgen sowie freiwilligen Austritt erfolgen. Die Gewerkschaften werfen Karstadt-Investor Nicolas Berggruen vor, nicht genug zu investieren. Im ersten Halbjahr 2013 hat sich die Lage bei Karstadt abermals verschärft, das Umsatzziel für das Geschäftsjahr wurde bereits um 230 Millionen Euro auf 3,1 Milliarden Euro herunterkorrigiert. Quelle: dpa
Strauss InnovationDie angeschlagene Warenhauskette hat am 22. April mit dem Räumungsverkauf begonnen. Ende März hatte das Unternehmen bekanntgegeben, mehr als jede fünfte der insgesamt 96 Filialen schließen und 200 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Strauss-Läden gibt es in 59 deutschen Städten. Durch ein zügiges Insolvenzverfahren will man die restlichen 1200 Arbeitsplätze erhalten. Der größte Teil der Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, soll die Möglichkeit bekommen, für sechs Monate in eine Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Die Warenhauskette Strauss Innovation hat am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Traditionsversandhändler Neckermann gehörte. Quelle: Screenshot
StrenesseDas Modeunternehmen geht auf Investorensuche. Die Nördlinger Designer hatten am 16. April einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Dabei bleibt der bisherige Vorstand im Amt, der externe Sachwalter wird der Geschäftsführung jedoch zur Seite gestellt. Zusätzlich wurde der Sanierungsexperte Michael Pluta in den Vorstand berufen. Vorstandschef Luca Strehle sagte, der Geschäftsbetrieb gehe uneingeschränkt weiter. „Ich bin immer noch überzeugt, dass wir auf dem absolut richtigen Weg sind. Der jetzige Schritt ist eine Zäsur, um die Sanierung voranzutreiben, ohne den Mühlstein der Altlasten mitschleppen zu müssen.“ Durch die Insolvenz gewinne man enorm an Liquidität. Strenesse gehört seit rund 65 Jahren der Familie Strehle. In den vergangenen Jahren hatte man jedoch mit sinkenden Umsätzen und tiefroten Zahlen zu kämpfen. Erst im Februar stand Strenesse vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Inhaber einer Schuldverschreibung über zwölf Millionen Euro entschieden, dass Strenesse drei Jahre Luft bekommt und das Geld erst 2017 zurückzahlen muss. Strenesse beschäftigt rund 350 Mitarbeiter und unterhält 15 eigene Geschäfte sowie Showrooms in München, Düsseldorf, Mailand, New York und Tokio. Im Geschäftsjahr 2011/2012 betrug der Umsatz des Konzerns 66,5 Millionen Euro. Quelle: Screenshot
Abercrombie & Fitch Der US-Modekette Abercrombie & Fitch bricht das Geschäft immer weiter weg. Der Umsatz fiel im abgelaufenen Quartal um zwölf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar, der Gewinn stürzte sogar um 58 Prozent auf 66,1 Millionen Dollar ab. Abercrombie & Fitch - auf Jugendliche spezialisiert und für seine leicht bekleideten Modelle bekannt - verliert seit längerem Kunden an Konkurrenten wie Zara, Forever 21 oder H&M. Sie wechseln ihre Kollektionen öfter und sind zudem günstiger.  Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Trade und Retail und Leiter des eWeb Research Centers an der Hochschule Niederrhein prognostizierte auf WirtschaftsWoche Online bereits Ende vergangenen Jahres: „Ich glaube nicht, dass es Abercrombie & Fitch noch lange in Deutschland geben wird. Ihr Geschäftsmodell ist zu angreifbar und kippt gerade in den USA, so dass es höchstwahrscheinlich bald zum Rückzug aus Übersee kommt.“ Quelle: REUTERS
Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit ehemals bundesweit 132 Standorten wird zerschlagen. Die Übernahmegespräche mit der Hellweg-Gruppe über die verbliebenen 73 Märkte waren Mitte November gescheitert; Ende November scheiterte dann auch eine Übernahme durch Globus. Am 28. November wurde dann bekannt, dass die Mannheimer Baumarktkette Bauhaus 24 Standorte des insolventen Konkurrenten übernimmt. Damit sollen rund 1300 der noch verbliebenen 3600 Arbeitsplätze abgesichert sein. Max Bahr hatte am 26. Juli 2013 die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragen müssen. Mutterkonzern Praktiker hatte am 11. Juli den Gang zum Insolvenzrichter absolviert. Quelle: dpa

Ein Dreigestirn für Praktiker? "Das sind mindestens zwei zu viel“, kommentiert ein altgedienter Insolvenzverwalter den Großeinsatz seiner Kollegen bei der Pleite der blau-gelben Heimwerkertruppe. Nachdem das Amtsgericht Hamburg am vergangenen Freitag für die Praktiker-Tochter Max Bahr einen weiteren Verwalter ernannt, stützen nunmehr drei Insolvenzspezialisten samt zugehöriger Kanzlei-Teams den taumelnden Baumarktkonzern.

Praktiker-Insolvenzverwalter Christopher Seagon Foto: Wellensiek Rechtsanwälte/dpa Quelle: dpa

Christopher Seagon, Partner bei Wellensiek, steuert Praktiker Deutschland sowie das internationale Geschäft und jene 54 Praktiker-Märkte, die während der Sanierungsphase auf Max Bahr umgestellt wurden. Der Saarbrücker Verwalter Udo Gröner von Heimes & Müller wurde bei der Konzernholding eingesetzt. Neu an Bord – zumindest offiziell - ist Rechtsanwalt Jens-Sören Schröder, Partner bei Johlke, Niethammer & Partner, der nun die Gesellschaften der alten Max-Bahr-Gruppe dirigiert. Sicher, jedes Mitglied der Troika hat reichlich Insolvenzerfahrung. Trotzdem fragt sich die Sanierer-Zunft: Ist ein Verwalter-Aufmarsch in dieser Größenordnung für einen Konzern in dieser Liga wirklich zweckmäßig? Tatsächlich dürften auch andere Intentionen eine Rolle gespielt haben.  

Die Problemlage bringt ein Brancheninsider auf eine einfache Formel: "Angst vor Frind“. Je nach Perspektive gilt Frank Frind vielen als prinzipienfester Hamburger Insolvenzrichter, der auf  Unabhängigkeit pocht, Verwaltern aber auf die Finger schaut. Andere sehen Find indes schlicht als Querulanten auf Ego-Trip, bei dem Verwalter und Gläubiger wenig zu sagen haben und der bei der Verfahrensgestaltung tunlichst vermieden werden sollte.

Baumarktkette Max Bahr wird zerschlagen
Max BahrDie zahlungsunfähige Pratiker-Tochter Max Bahr wird zerschlagen. Die Übernahme von 73 Märkten durch die Dortmunder Hellweg-Gruppe ist am 15. November offiziell gescheitert. Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder sagte, es sei nicht gelungen, sich mit der ebenfalls insolventen Hauptvermieterin Moor Park MB über die Mietverhältnisse zu einigen. Moor Park vermietet 66 der 73 Standorte, die das Konsortium um Hellweg übernehmen wollte. Damit bleibt von dem ehemaligen Praktiker-Konzern nichts übrig. Die Kette umfasste einmal 315 Märkte und beschäftigte rund 15.000 Mitarbeiter. Die meisten Standorte sind bereits geräumt oder im Ausverkauf und sollen einzeln verwertet werden. Auch die Max-Bahr-Märkte werden nun ausverkauft. Quelle: dpa
PraktikerDie Baumarktkette hat am 11. Juli beim Amtsgericht Hamburg offiziell Gläubigerschutz beantragt. Gespräche über die weitere Finanzierung des Sanierungspakets sind am 10. Juli 2013 gescheitert. Damit ist Praktiker nicht nur überschuldet, sondern auch zahlungsunfähig. Praktiker hätte nach eigenen Angaben frisches Geld gebraucht - rund 30 bis 35 Millionen Euro - nachdem der fest eingeplante Verkauf der drei luxemburgischen Batiself-Baumärkte nach einem Rückzieher des Käufers gescheitert war. Fortwährende Rabattaktionen ("20 Prozent auf alles") brachten den Konzern 2011 an den Rande des Ruins. Es folgt die Sanierung, die vorsah, Praktiker-Märkte auf die Schwestermarke Max Bahr umzustellen. 2012 setzte Praktiker mit seinen 430 Märkten rund drei Milliarden Euro um, das reichte jedoch nicht, um die entstandenen Schulden zu tilgen. 18.000 Mitarbeiter bangen nun um ihre Zukunft. Quelle: dpa
Neckermann Es ist der dritte Pflegefall aus dem Arcandor-Nachlass. 2010 kaufte der amerikanische Finanzinvestor Sun Capital den Versandhändler und strukturiert kräftig um. Das Geschäft mit gedruckten Katalogen wurde eingestampft. 1.400 der 2.500 Stellen in Deutschland fallen dem zum Opfer. Die Mitarbeiter fordern Abfindungen; die Konzernspitze beklagt, dazu fehle das Geld. Nun hat sich Verdi und das Management über den weiteren Abbau von 1380 Arbeitsplätze nicht einigen können. Sun Capital werde keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen, teilte das Unternehmen mit. Damit ist das Unternehmen pleite. Quelle: dpa
Schlecker Ende Februar 2012 meldete der Branchenprimus der Drogeriemärkte Insolvenz an. Bereits im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz von Schlecker um 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Auch 2011 wurden sinkende Erlöse erwartet, Zahlen zum Gewinn oder Verlust nannte Schlecker traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei über 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland. Da sich bis Anfang Juni 2012 kein Investor für Schlecker gefunden hatte, musste Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz das endgültige Aus der Drogeriemarkkette verkünden. Die Pleite der Drogeriekette hat nun ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Es geht um den Verdacht der Untreue, Insolvenzverschleppung und des Bankrotts. Quelle: dapd
KarstadtDer Handels- und Touristikkonzern Arcandor - Hauptaktionäre waren die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz - rutscht 2009 in die Pleite. Der Geschäftsbereich Warenhaus mit den Karstadt-Häusern geht für fünf Millionen Euro im Juni 2010 an die Holding des deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen und ist damit vorerst gerettet. Bis 2016 - so Pläne von Dezember 2011, die der WirtschaftsWoche vorliegen - soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bis 2016 rund 272 Millionen Euro betragen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 lag der Umsatz bei 3,228 Milliarden Euro. Karstadt schrieb einen ansehnlichen operativen Gewinn (Ebitda) von 103 Millionen Euro. Am 16. Juli gab Karstadt bekannt, 2000 Stellen streichen zu müssen. Quelle: REUTERS
QuelleDas zweite Opfer der Arcandor-Pleite: Von den 50ern bis in die 1990er Jahre stand Quelle als Synonym für den deutschen Versandhandel. Im Juni 2009 kam das Aus. Kein Investor wollte das Versandhaus, das bereits seit 1999 zum Karstadt-Konzern gehörte. Seit August 2011 können Quelle-Fans unter www.quelle.de bei einer Tochter des Otto-Versands bestellen. Die Marke Quelle lebt nur noch im Internet weiter. Quelle: AP
Ein Mann betritt einen IhrPlatz Drogeriemarkt Quelle: dpa

Wohl nicht ohne Kalkül reichte der Praktiker-Vorstand, beraten von Görg-Partner Helmut Balthasar, daher zuerst die Insolvenzanträge für acht Tochtergesellschaften nicht aber für die Konzernholding ein. Alle Töchter beginnen mit dem Buchstaben B wie Baumarkt, für den nicht Frind sondern sein Kollege Andreas Schmidt zuständig ist. Mit im Gepäck hatten die Schuldner-Vertreter ein paar Namen von Verwalter-Kandidaten, darunter auch Wunschkandidat Seagon.

Nachdem Richter Schmidt erst einmal die Verfahren eröffnet hat, so die mögliche Überlegung, würde er aus organisatorischen Gründen auch gleich das Verfahren der Praktiker AG mit übernehmen. Schmidt wiederum soll für das AG-Verfahren ursprünglich den lokalen Insolvenzprofi Jens-Sören Schröder ins Spiel gebracht haben. Doch dazu kam es nicht.

Nachdem Seagon für die Baumarkt-Gesellschaften bestellt worden war, kam Richter Frind ins Spiel. Frind selbst betont, dass er sich „zu keinem Zeitpunkt in irgendein laufendes Verfahren der „Praktiker-Gruppe“ irgendwie eingeschaltet“ habe. Trotzdem schrillten beim Sanierungsmanagement des Konzerns die Alarmglocken. Zumindest berichten Insider, dass dies der Grund dafür ist, warum das Management der Konzernholding nicht beim Amtsgericht Hamburg vorstellig wurde, sondern sich spontan an die Zweigstelle im saarländischen Kirkel erinnerte und in Saarbrücken anmeldete.

Hat also die Angst, einen aus Sanierer-Sicht falschen Richter zu bekommen, tatsächlich für den Antrag in Saarbrücken gesorgt? Forum-Shopping mal anders? Frind selbst will das nicht ausschließen. Bei ihm sei kein Antrag gestellt worden, was ihn nach Anrufen von Großgläubigern im Vorfeld der Pleite schon überrascht habe, so Frind.

Chance sich mit Max Bahr zu profilieren


Die größten Baumärkte in Deutschland
Platz 10: EMV-ProfiEMV-Profi ist ein Einkaufs- und Marketingverbund. Die unter dem Dach der Marke laufenden Baumärkte sind selbstständig; 2007 waren es 274. Gegründet wurde der Verband im Jahr 1997. Die Gesamtverkaufsfläche beträgt 540.000 Quadratmeter. Umsatz 2011 in Deutschland: 0,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr hat EMV-Profi um 5,3 Prozent zugelegt (Umsatz 2010:0,76 Milliarden Euro). Quelle: Presse
Platz 9: EurobaustoffUmsatz 2011: 0,92 Milliarden Euro Die Kette erwirtschaftet ihren gesamten Umsatz in Deutschland. Gegenüber 2010 ist Eurobaustoff kräftig gewachsen. Der Umsatz stieg um 13,6 Prozent gegenüber Vorjahr (2010: 0,81 Milliarden Euro) Quelle: Presse
Platz 8: Hellweg/Baywa*Umsatz 2011: 0,93 Milliarden Eruo - ein Plus von 4,5 Prozent gegenüber 2010. *Proforma-Zahlen (Hellweg hat 2012 einen Teil des Baywa-Geschäftes übernommen) Quelle: dpa/dpaweb
Platz 7: Globus Holding Umsatz 2011: 1,38 Milliarden Euro Globus erwirtschaftet fast seinen gesamten Umsatz in Deutschland und konnte gegenüber Vorjahr leicht wachsen (2010: 1,36 Milliarden Euro) Quelle: Screenshot
Platz 6: ToomUmsatz 2011: 2,41 Milliarden Euro Toom gehört zum Rewe-Konzern. Die Kette konnte ihren Umsatz in den vergangenen beiden Jahren solide steigern (2010: + 3,9 Prozent; 2011: +2,1 Prozent) Filialen im In- und Ausland: 370 Mitarbeiterzahl: 14.500 Werbeslogan: "Der Baumarkt" Quelle: Presse
Platz 5: ZeusUmsatz 2011: 2,63 Milliarden Euro - ein Plus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2010: 2,36 Milliarden Euro) Quelle: Presse
Platz 4: HornbachUmsatz 2011: 3,50 Milliarden Euro Zwei Drittel des Umsatzes macht Hornbach in Deutschland (2,05 Milliarden), im Vergleich zum Vorjahr ist Hornbach um 5,4 Prozent gewachsen (Umsatz 2010: 3,2 Milliarden) Eigentümer: Kingfisher, Familie Hornbach, Streubesitz Werbeslogans: "Es gibt immer was zu tun" - "Mach es fertig, bevor es Dich fertig macht" - "Wie viel Wahnsinn steckt in Dir?" Quelle: dpa

Das Ausweichmanöver an die Saar hatte indes die Konsequenz, dass bei der Verwalterauswahl für die Konzerngesellschaft die Karten völlig neu gemischt wurden. Das Saarbrücker Gericht setzte auf Lokalkompetenz und ernannte Udo Gröner zum Verwalter. Gröner hat in Fällen wie der Pleite von Saargummi zwar neben Kompetenz bereits Teamfähigkeit beweisen müssen. Doch für ein Verfahren in dieser Größenordnung und entsprechender Öffentlichkeitswirkung hatten ihn zuvor wohl nur wenige auf dem Schirm.

Dass die Gläubiger bei der Entscheidung, wie vom Gesetzgeber via Esug beabsichtigt, viel mitzureden hatten, darf bezweifelt werden. "Wir wurden informiert, nicht gefragt“, sagt ein Beteiligter. Im vorläufigen Gläubigerausschuss der Praktiker AG hätte sich die Verständigung auf einen gemeinsam Kandidaten wohl ohnehin als ähnlich diffizil erwiesen, wie Mosaikarbeiten im heimischen Garten. Denn mit nunmehr elf Vertretern – zwei kamen dem Vernehmen nach noch beim Wechsel ins Saarland hinzu – dürfte das Gremium über mehr Mitglieder verfügen als manch Praktiker-Markt über Kunden.

Am Freitag als Max Bahr Praktiker in die Insolvenz folgte, wurde die Chance vertan, das Verfahren bei einem der amtierenden Verwalter anzudocken. Jetzt kam Schröder zum Zug. Zwar nicht wie ursprünglich diskutiert für die AG. Aber womöglich ist Max Bahr ohnehin der interessantere Verfahrensteil: Die Rettungsaussichten stehen nicht schlecht, das Medienecho ist groß. Für Johlke, Niethammer & Partner bietet sich die Chance, sich bundesweit zu profilieren.

Um es klar zu sagen: Die bestellten Verwalter sind passiv in die Troika-Lösung geschlittert, dürften mal mehr mal weniger glücklich mit der Verfahrensaufteilung sein und müssen sich nun arrangieren. Derzeit scheint das sogar zu gelingen. Auch rein formal ist am Verwalteraufmarsch wenig auszusetzen. Im deutschen Insolvenzrecht muss für jede zahlungsunfähige Gesellschaft  ein eigener Verwalter bestellt werden, um die Vermögensmassen auseinander zu halten und für die jeweiligen Gläubiger das meiste rauszuholen.

Da bei Konzernpleiten die Töchter aber auf das engste miteinander verzahnt sind - Einkauf, Buchhaltung oder IT oft zentral organisiert werden – tendierten Gerichte in der Praxis dazu, einen einzigen Verwalter für sämtliche Konzerntöchter zu bestellen, oder die unterschiedlichen Posten zumindest mit Verwaltern aus der gleichen Kanzlei zu besetzen. Aus gutem Grund: Reibungsverluste gerade in der zeitlich extrem angespannten Zeit werden vermieden, Absprachen sind einfacher, Verkaufsprozesse lassen sich besser steuern. Sollte sich ein Investor im Zuge des Verfahrens etwa für Max-Bahr und zusätzlich für einzelne Praktiker-Standorte erwärmen, dürfte das für erheblichen Gesprächsbedarf unter den einzelnen Verwaltern sorgen.

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Doch bei den Praktiker-Verwalterküren spielten derlei Überlegungen offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Immerhin könnte die Baumarktpleite zur Argumentationshilfe für Kritiker des geplanten Konzerninsolvenzrechts werden. Denn an der Handhabung des Praktiker-Falls hätte das neue Gesetz nicht viel geändert.

Anders als von vielen Verwaltern erhofft, sieht der Gesetzesentwurf nur schwammige Regelungen zum Gerichtsstand vor, auch die klare Festlegung auf einen Verwalter als Konzernabwickler fehlt. Stattdessen regt das Bundesjustizministerium die Schaffung diverser zusätzlicher Ausschüsse und Koordinierungsgremien an. "Nun sollen sich unterschiedliche Gerichte, Insolvenzverwalter und Gläubigerausschüsse noch zusätzlich koordinieren – es ist eine Wunschvorstellung, dass das in der Praxis funktioniert“, kritisierte der Düsseldorfer Verwalter Dirk Andres bereits Anfang des Jahres. Und eine "Koordinierung dürfte schon an den starken Persönlichkeiten vieler Verwalter scheitern".

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