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Internetbörse Anyvan Das kleinste Gebot gewinnt

Die Internetbörse Anyvan versteigert Laderaum für Transportfahrten. Privatleute können sich so ihre Fracht günstig liefern lassen. Spediteure befürchten allerdings einen Preissturz für ihre Ladung.

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Der Preiskampf unter den Logistikern tobt. Quelle: dpa

Düsseldorf „Schaufensterbüsten, in Torso und Ständer zerlegt, 4 Stück“, lautet der Transportauftrag vom bayerischen Ebermannstadt ins 429 Kilometer entfernte Düsseldorf. 138 Kilometer Fahrt beansprucht der Frachtjob von Hamburg nach Ganderkesee bei Bremen, wo „Autoreifen, 4 Stück, auf Felge“ abgegeben werden sollen.

Spediteuren, die im Internet auf die neu eröffnete Auktions-Plattform Anyvan klicken, bietet sich schon jetzt eine ganze Flut an möglichen Aufträgen. Ein Küchenblock will von Verden nach Jena gebracht werden, eine Doppelliege von Eslohe nach Dreieich, ein Sofa von Köln nach Hooksiel.

„Wir geben Spediteuren die Möglichkeit, bereits geplante Fahrten mit zusätzlicher Beiladung noch besser auszulasten“, sagt der britische Gründer Ben Goor. Gleichzeitig mache dies den Transport für Kunden um bis zu 75 Prozent günstiger.

„cust3003“, wie sich der Klein-Verlader mit den Schaufensterpuppen im Internet nennt, dürfte dies demnächst bestätigen. Schon wenige Stunden, nachdem er seinen Auftrag ins Web gestellt hat, unterbieten sich drei Spediteure gegenseitig, um den Job zu ergattern.

„DeltaPeg“ verlangt für die Tour 129 Euro, „Braeuer“ 120 und „light007“ schließlich nur noch 99. Für den Absender könnte es am Ende sogar noch billiger werden. Die Abgabefrist für noch günstigere Offerten, so hat er bestimmt, endet erst in vier Wochen.

Ähnlich sieht die Lage bei den Autoreifen aus. Nach nur einem Auktionstag sind die Preise für den Transport von 95 auf nun nur noch 69 Euro gefallen. Und selbst für den Transport einer Beton-Rüttelmaschine quer durch Süddeutschland finden sich binnen fünf Tagen elf Konkurrenzbieter, die den Preis nach unten treiben.

Was den Dienst für Versender zusätzlich attraktiv macht: Die Auktion kostet sie keinen Cent.


„Einer der wichtigsten Treiber ist Ebay“

Nach dem Erfolg von MyHammer, einer Auktionsbörse für Handwerkerdienste im Internet, wächst seit kurzem deutschlandweit die Zahl der Internet-Marktplätze, die sich mit der Vermittlung von Transporten versuchen. „Einer der wichtigsten Treiber ist Ebay“, berichtet Anyvan-Gründer Goor. Denn häufig müssten die ersteigerten Küchentische und Wandteppiche quer durch die Republik befördert werden. „Die Nachfrage nach günstigen Transportlösungen wächst.“

So ist seine Firma, die vor drei Jahren in Großbritannien startete und seit wenigen Wochen auch in Deutschland aktiv ist, längst nicht der einzige Vermittler, bei dem Privatkunden ihre Jobs einstellen können. Mitte 2007 startete der Berliner Anbieter Shipbids in Deutschland bereits ein ähnliches Auktionssystem, vor rund zwei Jahren kam der US-Anbieter Uship hinzu.

Traditionelle Frachtbörsen wie Box24 oder Frachtportal.net, die zum Teil schon seit mehr als 20 Jahren zwischen gewerblichen Verladern und Speditionen Aufträge makeln, haben dagegen das Geschäft mit Privatversendern verpasst. Weil ihre Internet-Marktplätze für Gelegenheitskunden viel zu kompliziert und aufwendig sind, brauchen Anyvan & Co. die Konkurrenz der Business-to-Business-Börsen nicht zu fürchten.

Für die Londoner Internetfirma, die von den registrierten Speditionen rund zehn Prozent des Transportumsatzes verlangt, hat sich das Investment in Großbritannien nach eigenen Worten bereits ausgezahlt. Dort stellten inzwischen 300.000 Nutzer ihre Beförderungsaufträge ins Netz. „Wir wachsen Monat für Monat mit zweistelligen Prozentraten“, sagt der Gründer.

Für Deutschland, wo es seit dem Start erst 7000 Vermittlungen gab, ist Ben Goor deshalb optimistisch: „Den Break-even werden wir voraussichtlich im Juni 2013 erreichen.“

In der Speditionsbranche selbst sieht man solche Aktivitäten mit gemischten Gefühlen. „Einerseits bieten Auktionsplattformen wie Anyvan Zusatzeinkünfte für die Transportfirmen“, sagt Ingo Hodea vom Speditionsverband DSLV. „Andererseits besteht das Risiko, dass Laderaum weit unter Preis verhökert wird.“

Die Sorge ist nicht unbegründet. Die Preise der Lkw-Transporteure sind so weit im Keller, dass viele Unternehmen schon jetzt nicht mehr kostendeckend fahren. Vor wenigen Tagen erst rutschte mit der Nord-Süd-Spedition ein weiteres Großunternehmen in die Pleite.

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