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Interview Puma bringt kompostierbare Trikots

Exklusiv

Der kriselnde Sportartikelhersteller hält trotz des jüngsten Gewinneinbruchs an seinem Ökokurs fest. Im Interview erklärt Vorstandschef Franz Koch, wie er Puma wieder fit machen will und dass er 2013 Ökotrikots auf den Markt bringen will.

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Puma-Chef Franz Koch Quelle: Chris Gloag für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Koch, Adidas und Nike klotzen bei den Olympischen Spielen – reicht es, wenn Puma nur mit dem jamaikanischen Weltrekord-Sprinter Usain Bolt wirbt?

Koch: Was wollen Sie denn mehr als den schnellsten Mann der Welt? Usain ist in London unser wichtigstes Pfund, wir haben ihn vor zehn Jahren entdeckt, als er 15 Jahre alt war, und ihn seitdem als Partner und Ausrüster begleitet. Usain ist mit Puma Superstar der Leichtathletik geworden und steht deshalb auch im Mittelpunkt unserer neuen Produktreihe EvoSpeed – besonders leichte Schuhe und Textilien.

Bolt dürfte der bestverdienende Athlet der Spiele sein, allein Puma zahlt ihm angeblich 2,5 Millionen Euro im Jahr. Was passiert, wenn er patzt?

Wir äußern uns nicht zu Details von Ausrüsterverträgen, aber Sie können sicher sein, dass Usain nicht plötzlich das Siegen verlernt hat und sehr gut vorbereitet antreten wird. Natürlich ist im Sport alles möglich. Aber das Team Jamaika, das wir ausrüsten, wird mit seinen vielen talentierten Athleten bei Olympia für viel Furore sorgen, da bin ich mir sicher.

Was bringt das an Umsatz?

Wenn man bedenkt, wie viele Jamaikaner allein in und um London herum leben, rechne ich mit deutlich höheren Verkaufszahlen für olympische Produkte als noch vor vier Jahren in Peking.

Das wäre auch nötig, denn offenbar kommt Puma in Europa nicht mehr so gut an – Ihr Gewinn schrumpft, und Sie gehen auf Sparkurs.

Aufgrund des schwierigen Marktumfelds in Europa haben wir beschlossen, unser geplantes Transformationsprogramm zu beschleunigen und deutlich auszuweiten. Das Programm zielt darauf ab, komplexe Strukturen zu vereinfachen und ein effizienteres Geschäftsmodell zu etablieren, das zu deutlichen Kosteneinsparungen führt. Es geht uns außerdem darum, das Produktportfolio zu optimieren, indem die Gesamtzahl der Artikel reduziert wird.

Ist damit auch das Ziel, bis 2015 vier Milliarden Euro Umsatz zu erzielen, passé?

Nein, wir verfolgen weiterhin das Ziel, den Umsatz im Rahmen unseres langfristigen Wachstumsplans bis 2015 auf vier Milliarden Euro zu steigern. Das ist ambitioniert, aber machbar.

Nachhaltigkeit und Motorsport

Mehr Gewinn im EM-Fieber
Produkte zum Fußballfieber Quelle: Fotolia
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Hüte und Hawaiiketten Quelle: dapd

Puma behauptet, besonders auf Nachhaltigkeit zu achten – kann Usain Bolt sein Shirt nach den Spielen in London im Garten verbuddeln?

Nein, das ist noch etwas zu früh, aber 2013 werden wir die ersten Produkte anbieten, die komplett biologisch abbaubar sind. Damit betreten wir natürlich absolutes Neuland in der Branche.

Wie weit sind Sie mit Ihrem Vorhaben, konventionelle Puma-Schuhkartons durch Ökostoffbeutel zu ersetzen?

Bis Jahresende wollen wir weltweit 80 Prozent unserer Schuhe in sogenannten Clever Little Bags verkaufen.

2013 stehen keine Sport-Großereignisse an. Steigen Sie in neue Sportarten ein?

Nein, wir wollen mit den bestehenden Sportarten wachsen. In unseren jungen Kategorien, wie zum Beispiel Golf, sehe ich noch großes Potenzial. Insgesamt ist es für uns als Marke wichtig, gerade unter jüngeren Käufern die Relevanz und Begehrlichkeit zu steigern. Ein Beispiel dafür, wie wir das schaffen wollen, ist die Ausweitung unserer Motorsport-Aktivitäten in den Bereich Global Rallye Cross, einer neuen Motorsportart, die gerade in den USA für Furore sorgt und bei der wir seit Kurzem eine Partnerschaft mit dem Autohersteller Subaru vereinbart haben.

Was, bitte, ist an Motorsport nachhaltig?

Ich gebe zu, es klingt zunächst wenig nachhaltig, aber wir arbeiten mit unseren Partnern daran, diesen Sport deutlich nachhaltiger zu machen, von der Formel 1 ausgehend in alle Motorsport-Kategorien, in denen wir vertreten sind. So befinden wir uns zum Beispiel auch mit dem Formel-1-Rennstall Ferrari in Gesprächen im Hinblick auf die Einführung unserer ökologischen Gewinn-und-Verlust-Rechnung.

Sie scherzen?

Keinesfalls, der feste Wille von Ferrari gegenzusteuern, ist da, auch Rennställe agieren nicht im luftleeren Raum. In der Autoindustrie ist das Thema Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda. Marken, die darauf nicht reagieren, werden früher oder später vom Markt verschwinden.

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