Investor Benko angeblich vor Karstadt-Kauf

Laut Medienberichten steht der österreichische Investor Rene Benko kurz vor der Übernahme von Karstadt. Der aktuelle Eigner Nicolas Berggruen soll ihn "zu Hilfe gerufen" haben.

Einzelhandel mutiert zur Krisenbranche
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger. Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Quelle: dpa
KarstadtKarstadt-Investor Nicolas Berggruen möchte sich endgültig von den Warenhäusern trennen - das berichtet die Bild-Zeitung. Er verhandele mit der österreichischen Investorengruppe Signa des Unternehmers René Benko. Benko hatte im vergangenen Herbst bereits die drei Premium-Häusern und 28 Sportwarenhäusern der Kette gekauft. Die Berggruen-Holdings ist bisher noch mit einem Anteil von 24,9 Prozent an beiden Geschäftsbereichen beteiligt, außerdem gehören ihr noch die 83 Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Diese könnten nun - so die Bild - für nur einen Euro den Besitzer wechseln. Auch Berggruen hatte seiner Zeit nur einen symbolischen Euro für die marode Warenhaus-Gruppe gezahlt. Erst vor wenigen Tage hatte Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt nach nur wenigen Monaten im Konzern hingeschmissen. Quelle: ddp
KarstadtDer Warenhauskonzern Karstadt will bis Ende 2014 insgesamt 2000 Stellen abbauen. Die Branche leidet unter massiven Überkapazitäten außerdem wandern immer mehr Kunden ins Internet ab. Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden und primär über Frühpensionierungen, Nichtverlängerung von befristeten Verträgen sowie freiwilligen Austritt erfolgen. Die Gewerkschaften werfen Karstadt-Investor Nicolas Berggruen vor, nicht genug zu investieren. Im ersten Halbjahr 2013 hat sich die Lage bei Karstadt abermals verschärft, das Umsatzziel für das Geschäftsjahr wurde bereits um 230 Millionen Euro auf 3,1 Milliarden Euro herunterkorrigiert. Quelle: dpa
Strauss InnovationDie angeschlagene Warenhauskette hat am 22. April mit dem Räumungsverkauf begonnen. Ende März hatte das Unternehmen bekanntgegeben, mehr als jede fünfte der insgesamt 96 Filialen schließen und 200 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Strauss-Läden gibt es in 59 deutschen Städten. Durch ein zügiges Insolvenzverfahren will man die restlichen 1200 Arbeitsplätze erhalten. Der größte Teil der Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, soll die Möglichkeit bekommen, für sechs Monate in eine Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Die Warenhauskette Strauss Innovation hat am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Traditionsversandhändler Neckermann gehörte. Quelle: Screenshot
StrenesseDas Modeunternehmen geht auf Investorensuche. Die Nördlinger Designer hatten am 16. April einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Dabei bleibt der bisherige Vorstand im Amt, der externe Sachwalter wird der Geschäftsführung jedoch zur Seite gestellt. Zusätzlich wurde der Sanierungsexperte Michael Pluta in den Vorstand berufen. Vorstandschef Luca Strehle sagte, der Geschäftsbetrieb gehe uneingeschränkt weiter. „Ich bin immer noch überzeugt, dass wir auf dem absolut richtigen Weg sind. Der jetzige Schritt ist eine Zäsur, um die Sanierung voranzutreiben, ohne den Mühlstein der Altlasten mitschleppen zu müssen.“ Durch die Insolvenz gewinne man enorm an Liquidität. Strenesse gehört seit rund 65 Jahren der Familie Strehle. In den vergangenen Jahren hatte man jedoch mit sinkenden Umsätzen und tiefroten Zahlen zu kämpfen. Erst im Februar stand Strenesse vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Inhaber einer Schuldverschreibung über zwölf Millionen Euro entschieden, dass Strenesse drei Jahre Luft bekommt und das Geld erst 2017 zurückzahlen muss. Strenesse beschäftigt rund 350 Mitarbeiter und unterhält 15 eigene Geschäfte sowie Showrooms in München, Düsseldorf, Mailand, New York und Tokio. Im Geschäftsjahr 2011/2012 betrug der Umsatz des Konzerns 66,5 Millionen Euro. Quelle: Screenshot
Abercrombie & Fitch Der US-Modekette Abercrombie & Fitch bricht das Geschäft immer weiter weg. Der Umsatz fiel im abgelaufenen Quartal um zwölf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar, der Gewinn stürzte sogar um 58 Prozent auf 66,1 Millionen Dollar ab. Abercrombie & Fitch - auf Jugendliche spezialisiert und für seine leicht bekleideten Modelle bekannt - verliert seit längerem Kunden an Konkurrenten wie Zara, Forever 21 oder H&M. Sie wechseln ihre Kollektionen öfter und sind zudem günstiger.  Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Trade und Retail und Leiter des eWeb Research Centers an der Hochschule Niederrhein prognostizierte auf WirtschaftsWoche Online bereits Ende vergangenen Jahres: „Ich glaube nicht, dass es Abercrombie & Fitch noch lange in Deutschland geben wird. Ihr Geschäftsmodell ist zu angreifbar und kippt gerade in den USA, so dass es höchstwahrscheinlich bald zum Rückzug aus Übersee kommt.“ Quelle: REUTERS
Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit ehemals bundesweit 132 Standorten wird zerschlagen. Die Übernahmegespräche mit der Hellweg-Gruppe über die verbliebenen 73 Märkte waren Mitte November gescheitert; Ende November scheiterte dann auch eine Übernahme durch Globus. Am 28. November wurde dann bekannt, dass die Mannheimer Baumarktkette Bauhaus 24 Standorte des insolventen Konkurrenten übernimmt. Damit sollen rund 1300 der noch verbliebenen 3600 Arbeitsplätze abgesichert sein. Max Bahr hatte am 26. Juli 2013 die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragen müssen. Mutterkonzern Praktiker hatte am 11. Juli den Gang zum Insolvenzrichter absolviert. Quelle: dpa

Der umstrittene österreichische Immobilien-Investor Rene Benko steht Branchenkreisen zufolge vor der Entscheidung zur Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt. Benko habe von Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen eine Kaufoption erhalten, über die er bis Ende des Monats entscheiden könne, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Mittwoch. Benko selbst sagte dem österreichischen Wirtschaftsmagazin "Format", er sei vom Karstadt-Eigner "zu Hilfe gerufen worden, um Berggruen als Gesellschafter abzulösen". Es gebe aber "noch keine endgültige Entscheidung". Die "Bild"-Zeitung berichtete am Mittwoch vorab, diese stehe unmittelbar bevor. Die beteiligten Parteien gaben sich gewohnt zugeknöpft - Stellungnahmen Berggruens und Benkos waren nicht zu erhalten.

Mit einer Übernahme Karstadts durch Benko könnten Spekulationen um eine Warenhausunion mit dem Konkurrenten Kaufhof wieder aufleben. Der Österreicher hatte sich bereits in der Vergangenheit erfolglos auch um die Metro-Tochter bemüht. Wenn Benko nach Karstadt samt den verbliebenen rund 20.000 Arbeitsplätze greift, könnte das Thema wieder auf den Tisch kommen.

Der Investor Benko ist im deutschen Einzelhandel bereits seit Jahren kein Unbekannter mehr - besitzt seine Signa Holding doch bereits die Mehrheit an den Filetstücken des Traditionskonzerns sowie zahlreiche Karstadt-Immobilien. Erst im vergangenen September hatte Benko sich die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sports und an den Luxuswarenhäusern gesichert - wie dem Berliner KaDeWe, dem Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München. Berggruen kontrolliert seitdem nur noch die Mehrheit am operativen Stammgeschäft um die verbliebenen über 80 Warenhäuser. Benko hat Branchenkreisen zufolge aber über eine Option auch Zugriff auf diesen Karstadt-Teil.

Bewährungsstrafe wegen Korruption

Der Investor gilt als gut verdrahtet in Wirtschaft und Politik, prominente Namen finden sich im Beirat seiner Firma Signa - darunter Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der frühere österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Benkos weit verzweigtes Netz konnte ihn jedoch nicht vor einer Haftstrafe auf Bewährung schützen, die er in einem Korruptionsprozess aufgebrummt bekam. Der Oberste Gerichtshof in Wien hatte das Urteil gegen Benko jüngst bestätigt.

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Der Kaufhof -Konkurrent Karstadt kämpft seit Jahren mit Verlusten und sinkenden Umsätzen. Der Milliardär Berggruen hatte Karstadt 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen. Damals war er auch von den Arbeitnehmern als Retter gefeiert worden - das hat sich aber geändert, denn auch Berggruen schaffte es nicht, Karstadt auf Kurs zu bringen. Die Gewerkschaft Verdi hatte von den Eignern immer wieder Investitionen und ein tragfähiges Konzept für die Zukunft gefordert.

Die Belegschaft habe Einsparungen mitgetragen, Berggruen habe dagegen "so gut wie nichts" investiert, hatte ihm Stefanie Nutzenberger, im Verdi-Bundesvorstand zuständig für den Handel, vorgeworfen. Die Verunsicherung im Unternehmen sei groß, hatte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt zuletzt beklagt. Informationen seitens der Eigentümer gebe es nicht.

Zu einer Übernahme durch Benko wollte sich eine Verdi-Sprecherin am Mittwoch nicht äußern. Berggruen selbst hatte mehrfach eingeräumt, er habe die Probleme bei Karstadt unterschätzt.

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