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Jobverlust und Familiensorgen So setzen Edeka und Tengelmann Gabriel unter Druck

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Die Strategie des Antrags

Keine Alternativen

Immer wieder war diskutiert und auch vom Kartellamt angeregt worden, dass Edeka weniger als die Hälfte der Filialen übernehmen könne. Die restlichen Ladengeschäfte müssten dann an andere Interessenten gehen.

Die sind allerdings rar: Bemühungen, die Kaiser’s-Tengelmann-Filialen an andere Unternehmen abzugeben, zeigten "wegen des scharfen Wettbewerbs in Deutschland kein positives Ergebnis", heißt es in dem Antrag auf Ministererlaubnis. Offenbar hagelte es Absagen, bei dem Versuch Kaiser’s Tengelmann als Ganzes oder zumindest in großen Teilen zu verkaufen. Nur für die "guten" - sprich: wirtschaftlich erfolgreichen - Märkte gibt es demnach Abnehmer.

Botschaft: Alle anderen wollen nur die Rosinen, einzig Edeka ist bereit, den ganzen Kuchen zu kaufen.

Was von dem Schreiben zu halten ist

Dass Edeka-Chef Mosa und Kaiser’s-Tengelmann-Oberer Haub in dem Schreiben an Wirtschaftsminister Gabriel alle Register ziehen, wird ihnen niemand verdenken könne. Eine Ministererlaubnis, so unwahrscheinlich sie sein mag, ist der einzige Weg noch schnell und billig zum Fusionsziel zu gelangen. Als letzte Alternative bleibt der Zug vor das Düsseldorfer Landgericht. Den Weg halten sich die beiden Händler mit Verweis auf „eine Reihe von Rechtsfragen“ weiter offen. Ein Prozess würde jedoch teuer und sehr langwierig.

Wie groß die Auswirkungen eines Zusammenschlusses auf den Lebensmittelmarkt sind, ist sicher umstritten und nicht ganz klar abzuschätzen. Einerseits ist Kaiser’s Tengelmann mit 0,6 Prozent Marktanteil im Vergleich zu Rewe und Edeka wirklich ein Fliegengewicht, das zumindest bundesweit nur unmerklich ins Gewicht fällt. Anderseits dürfte die Verschiebung im Verhältnis der Händler zu den Produzenten deutlicher ausfallen. Durch den Machtzuwachs wächst die Möglichkeit, Preise zu drücken.

Edeka beherrscht dieses Spiel durchaus. Das bewies die Handelskette bereits bei der Plus-Übernahme: Nach dem Kauf forderte Edeka massiv sogenannte "Hochzeitsrabatte" von rund 500 Lieferanten aus unterschiedlichen Warenbereichen ein. Auf einen Schlag sollten nur noch die jeweils günstigsten Einkaufspreise gelten.

Die Aufteilung der Tengelmann-Filialen unter verschiedenen Unternehmen dürfte tatsächlich schwierig werden. Zwar hatte auch Edeka-Konkurrent und Rewe-Chef Alain Caparros verkündet, Läden übernehmen zu wollen. Allerdings ist Rewe nach Edeka die Nummer zwei im deutschen Lebensmittelhandel. Ein Umstand, der wiederrum das Kartellamt auf den Plan rufen dürfte.

Andere diskutierte Kandidaten, wie die Schweizer Migros-Gruppe, haben sich öffentlich in der Tat bedeckt gehalten – an den Geschäften, die das größte Minus machen dürften sie ohnehin nicht interessiert sein.

In Arbeit
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Viel Optimismus versprühen Tengelmann und Edeka beim Thema Stellenabbau: Dass nach einer Übernahme der 451 Tengelmann-Filialen durch Edeka alle 16.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben, ist mehr als fraglich. Tengelmann muss saniert werden. Ohne Schließungen oder zumindest einem deutlichen Stellenabbau wird das kaum zu bewältigen sein.

Und auch wenn Betriebsräte und Gewerkschafter große Angst davor haben, dass Tengelmann-Filialen geschlossen werden, wenn sich nicht bald ein geeigneter Partner findet: Mit Edeka sind sie auch nicht unbedingt glücklich. Sie befürchten, dass der Wechsel große Nachteile für die Angestellten mit sich bringen würde. „Edeka steht für Filial-Privatisierungen, was mit Tarifflucht und Aushebelung der Mitbestimmung einhergeht“, wetterte etwa die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Kaiser’s-Tengelmann, Janetta Jöckertitz.

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