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Jobverlust und Familiensorgen So setzen Edeka und Tengelmann Gabriel unter Druck

Edeka und Kaiser’s Tengelmann kämpfen verbissen darum, doch noch fusionieren zu dürfen. In ihrem Schreiben an Wirtschaftsminister Gabriel wechseln sich persönliche Betroffenheit und scharfe Drohungen ab. Die zentralen Punkte und welche Botschaften dahinter stecken.

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Diese Händler dominieren den Lebensmittelhandel
Platz 5: MetroMit weitem Abstand auf die vier Großen folgt die Metro-Gruppe, zu der die Real-Märkte gehören. Auch wenn die Gruppe laut Kartellamt den Anschluss an die Spitzengruppe verliert, liegt sie in ihrer Bedeutung weit vor den regionale Ketten wie Kaisers Tengelmann oder Tegut, Coop oder Globus, die jeweils weniger als drei Prozent Anteil am Markt haben. Umsatz: unter 10 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 5-10 Prozent Verkaufsfläche: 2-3 Millionen Quadratmeter Standorte: 300-400 Quelle: dpa
Platz 4: AldiDie Aldi Gruppe ist mit mehr als 4.000 betriebenen Standorten die führende Discounter-Größe in Deutschland. Bei Handelsmarken nimmt das Unternehmen eine herausragende Stellung ein. Hersteller dieser Produkte sind auf das Unternehmen angewiesen. Umsatz: 15-20 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 3-4 Millionen Quadratmeter Standorte: 4.000-5.000 Quelle: dpa
Platz 3: Rewe/Rewe DortmundZur Gruppe gehört neben den Rewe-Märkten auch der Discounter Penny. Insbesondere bei den Herstellermarken hat Rewe eine starke Position inne. Umsatz: 20-25 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 4-5 Millionen Quadratmeter Standorte: 6.000-7.000 Quelle: dpa
Platz 2: Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland)Die Schwarz Gruppe besteht aus den beiden Stiftungen Kaufland und Lidl, deren Kapital bei der Dachgesellschaft Schwarz Beteiligung GmbH liegt. Zusammen kommen die beiden Ketten auf ganz erhebliche Marktanteile. Umsatz: 25-30 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 20-25 Prozent Verkaufsfläche: 5-6 Millionen Quadratmeter Standorte: 3.500-4.650 Quelle: dpa
Platz 1: Edeka GruppeObwohl die Umsätze von Edeka vorwiegend von den selbständigen Einzelhändlern erzielt werden und zur Gruppe auch der Filialist Netto Marken-Discount gehört, betrachtet das Kartellamt die Gruppe als Ganzes. Besonders Markenhersteller sind auf Edeka aber auch Rewe und die Schwarz-Gruppe angewiesen. Diese Drei werden vom Kartellamt als „Nadelöhr für die deutschlandweite Verbreitung“ von Marken-Produkten bezeichnet und haben besonders viel Macht. Umsatz: Edeka 30-35 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 25-30 Prozent Verkaufsfläche: 9-10 Millionen Quadratmeter Standorte: 11.000–12.000 Quelle: Bundeskartellamt // Bezugsjahr: 2010 Quelle: dpa

Die große Schlappe liegt sieben Wochen zurück: Da fegte das Kartellamt die Fusionspläne von Edeka und Tengelmann vorerst vom Tisch. Mit einem Antrag auf Ministererlaubnis an Sigmar Gabriel wollen die Händler das Ruder noch herumreißen. Der Bundeswirtschaftsminister hat die Macht, das Veto des Kartellamts aushebeln.

Jetzt ist das Bittschreiben der Lebensmittelhändler an die Öffentlichkeit gelangt. Es zeigt sich: Rhetorisch fahren die Unterzeichner Markus Mosa (Edeka) und Karl-Erivan Haub (Kaiser's Tengelmann) die ganz schweren Geschütze auf.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Tausende Stellen in Gefahr

Wie der "Tagesspiegel" berichtet, haben die Unternehmen Edeka und Kaiser’s-Tengelmann mit dem „völligen Verschwinden“ von tausenden Arbeitsplätzen gedroht, sollte die Fusion nicht genehmigt werden.

Gut die Hälfte der 16.000 Arbeitsplätze würden "sicher verloren gehen (...) Das würde das Aus für gut 8000 Arbeitsplätze bedeuten, darunter neben den zu schließenden Filialen insbesondere auch die Arbeitsplätze in den Lagerhäusern, den Fleischwerken und dem Ladenbaubetrieb", heißt es in dem 100-seitigen Schreiben.

Als besonderen Service für den Bundeswirtschaftsminister rechnen Händler aus, was der Stellenabbau den Staat kosten würde: "mindestens 85 Millionen Euro" allein im ersten Jahr – wenn man Arbeitslosengeld und den zu erwartenden Rückgang an Lohnsteuern und Sozialversicherungsbeiträgen addiere.

Die Botschaft: Wer sich einer Fusion von Edeka und Tengelmann verweigert, schadet dem Steuerzahler.

Eigenes Versagen

Daran, dass er kein Interesse hat, Tengelmann weiter auf seine Kosten am Leben zu erhalten, hatte Unternehmens-Chef Haub schon im Vorfeld keinen Zweifel gelassen. Seit dem Jahr 2000, so sagt der Unternehmer, mache Kaiser's Tengelmann ununterbrochen Verlust. In dieser Zeit sei ein Minus von mittlerweile 532 Millionen Euro aufgelaufen.

Schuld daran gibt sich Haub offenbar auch selbst. "Eigene Fehlentscheidungen", so schreibt er laut "Manager Magazin" an Sigmar Gabriel, hätten zu der Misere geführt. Anders als Rewe und Edeka habe Kaiser’s Tengelmann nicht auf die Fähigkeiten der Händler vor Ort vertraut, sondern alle Entscheidungen zentral gesteuert. Als kleiner Lebensmittehändler habe es Tengelmann zudem versäumt, mit einem starken Einkaufsverbund zu kooperieren, um bei den Lebensmittelproduzenten ähnlich gute Nachlässe rauszuschlagen wie die großen Konkurrenten. Eine Kooperation mit Edeka habe das Kartellamt später untersagt.

Die Botschaft: Edeka hatte das bessere Näschen für das Lebensmittelgeschäft. Der genossenschaftliche Verbund kann deshalb die Kaiser’s-Tengelmann-Filialen in eine bessere Zukunft führen – und retten.

Was den Deutschen beim Einkauf wirklich wichtig ist

Die Schuld des Kartellamts

An den Wettbewerbshütern lassen Mosa und Haub in ihrem Schreiben an Gabriel ohnehin kein gutes Haar. Das Bundeskartellamt habe nicht gewissenhaft geprüft und auch falsche Schlüsse gezogen.

Die Befürchtung, die Übernahme würde dem Wettbewerb schaden, sei nicht stimmig, die zu erwartenden Auswirkungen allenfalls marginal. "Die erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs ist vom Bundeskartellamt falsch und fehlerhaft diagnostiziert, weil die wettbewerbliche Wirklichkeit durch eine modelltheoretische Annahme ersetzt worden ist (...)."

Botschaft: Die Einschätzung der Bürokraten und Theoretiker im Kartellamt ist so falsch sie nur sein kann - und muss unbedingt rückgängig gemacht werden.

Die Strategie des Antrags

Keine Alternativen

Immer wieder war diskutiert und auch vom Kartellamt angeregt worden, dass Edeka weniger als die Hälfte der Filialen übernehmen könne. Die restlichen Ladengeschäfte müssten dann an andere Interessenten gehen.

Die sind allerdings rar: Bemühungen, die Kaiser’s-Tengelmann-Filialen an andere Unternehmen abzugeben, zeigten "wegen des scharfen Wettbewerbs in Deutschland kein positives Ergebnis", heißt es in dem Antrag auf Ministererlaubnis. Offenbar hagelte es Absagen, bei dem Versuch Kaiser’s Tengelmann als Ganzes oder zumindest in großen Teilen zu verkaufen. Nur für die "guten" - sprich: wirtschaftlich erfolgreichen - Märkte gibt es demnach Abnehmer.

Botschaft: Alle anderen wollen nur die Rosinen, einzig Edeka ist bereit, den ganzen Kuchen zu kaufen.

Was von dem Schreiben zu halten ist

Dass Edeka-Chef Mosa und Kaiser’s-Tengelmann-Oberer Haub in dem Schreiben an Wirtschaftsminister Gabriel alle Register ziehen, wird ihnen niemand verdenken könne. Eine Ministererlaubnis, so unwahrscheinlich sie sein mag, ist der einzige Weg noch schnell und billig zum Fusionsziel zu gelangen. Als letzte Alternative bleibt der Zug vor das Düsseldorfer Landgericht. Den Weg halten sich die beiden Händler mit Verweis auf „eine Reihe von Rechtsfragen“ weiter offen. Ein Prozess würde jedoch teuer und sehr langwierig.

Wie groß die Auswirkungen eines Zusammenschlusses auf den Lebensmittelmarkt sind, ist sicher umstritten und nicht ganz klar abzuschätzen. Einerseits ist Kaiser’s Tengelmann mit 0,6 Prozent Marktanteil im Vergleich zu Rewe und Edeka wirklich ein Fliegengewicht, das zumindest bundesweit nur unmerklich ins Gewicht fällt. Anderseits dürfte die Verschiebung im Verhältnis der Händler zu den Produzenten deutlicher ausfallen. Durch den Machtzuwachs wächst die Möglichkeit, Preise zu drücken.

Edeka beherrscht dieses Spiel durchaus. Das bewies die Handelskette bereits bei der Plus-Übernahme: Nach dem Kauf forderte Edeka massiv sogenannte "Hochzeitsrabatte" von rund 500 Lieferanten aus unterschiedlichen Warenbereichen ein. Auf einen Schlag sollten nur noch die jeweils günstigsten Einkaufspreise gelten.

Die Aufteilung der Tengelmann-Filialen unter verschiedenen Unternehmen dürfte tatsächlich schwierig werden. Zwar hatte auch Edeka-Konkurrent und Rewe-Chef Alain Caparros verkündet, Läden übernehmen zu wollen. Allerdings ist Rewe nach Edeka die Nummer zwei im deutschen Lebensmittelhandel. Ein Umstand, der wiederrum das Kartellamt auf den Plan rufen dürfte.

Andere diskutierte Kandidaten, wie die Schweizer Migros-Gruppe, haben sich öffentlich in der Tat bedeckt gehalten – an den Geschäften, die das größte Minus machen dürften sie ohnehin nicht interessiert sein.

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Viel Optimismus versprühen Tengelmann und Edeka beim Thema Stellenabbau: Dass nach einer Übernahme der 451 Tengelmann-Filialen durch Edeka alle 16.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben, ist mehr als fraglich. Tengelmann muss saniert werden. Ohne Schließungen oder zumindest einem deutlichen Stellenabbau wird das kaum zu bewältigen sein.

Und auch wenn Betriebsräte und Gewerkschafter große Angst davor haben, dass Tengelmann-Filialen geschlossen werden, wenn sich nicht bald ein geeigneter Partner findet: Mit Edeka sind sie auch nicht unbedingt glücklich. Sie befürchten, dass der Wechsel große Nachteile für die Angestellten mit sich bringen würde. „Edeka steht für Filial-Privatisierungen, was mit Tarifflucht und Aushebelung der Mitbestimmung einhergeht“, wetterte etwa die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Kaiser’s-Tengelmann, Janetta Jöckertitz.

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