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Jochen Zeitz "Was gut ist für den Planeten, ist auch besser fürs Geschäft"

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"Alles andere wäre bloße Rederei"

Wie grün sind die Dax-Konzerne?
WeGreen Ranking Quelle: dpa
InfineonDen letzten Platz im Nachhaltigkeits-Vergleich der DAX-Konzerne belegt der Halbleiterhersteller Infineon. Grund dafür ist vor allem, dass das Unternehmen auf die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts verzichtet. Unter anderem wegen der mangelnden Transparenz gibt es deshalb nur die Note 4,7. "Schlecht" heißt damit das Ergebnis. Der Tipp der Studienleiter: Eine verbesserte Nachhaltigkeitskommunikation wäre ratsam, um so offen und transparent mit den eigenen Herausforderungen und Problemen umzugehen. Quelle: dpa
ThyssenKrupp Quelle: dapd
Deutsche Bank Quelle: dapd
Fresenius Medical Care und Fresenius SE & Co. KgaA Quelle: dpa
RWE Quelle: dpa
Commerzbank Quelle: dpa

Wie sollen die Anreize aussehen?

Dazu gehört zum Beispiel die Frage, wie Manager entlohnt werden. Orientiert sich die Bezahlung nur an kurzfristigen Finanzzielen oder auch am Erreichen von Nachhaltigkeitszielen wie der Müllvermeidung oder der Senkung des Energieverbrauchs im Rahmen einer Umweltbilanz? Es geht uns aber aber auch darum, Regierungen davon zu überzeugen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu setzen...

...als gäbe es nicht schon genug staatliche Eingriffe in die Wirtschaft.

Die Frage ist, welche. Es ergibt zum Beispiel keinen Sinn mehr, die Einfuhr bestimmter Materialien nach antiquierten Kriterien zu besteuern. Es wäre sehr viel klüger, umweltfreundliche und weniger umweltfreundliche Materialien unterschiedlich hoch zu besteuern, damit sich deren Einsatz für Unternehmen direkt in Gewinn und Verlust ausdrückt.

Aber wie nachhaltig sind denn Ihre B-Team-Partner - Richard Branson bläst mit seiner Fluggesellschaft Virgin Sun Airlines viel Schmutz und CO2 in die Luft?

Keines der Unternehmen und keiner der Köpfe, die im B-Team aktiv sind, hat einen positiven ökologischen Fußabdruck. Keiner von uns ist perfekt. Wir wollen aber an den Problemen arbeiten. Richard widmet sich sehr ernsthaft dem Thema Nachhaltigkeit. Ich nehme es ihm ab, wenn er sagt, er wolle mit seiner Fluggesellschaft erst dann wieder Gewinne erzielen, wenn sie nachhaltigen Bio-Sprit einsetzen kann und nachhaltigere Antriebssysteme gefunden sind. Es geht beim B-Team nicht darum, nur Leute mit reinweißer Öko-Weste zu finden, die wird es kaum geben, sondern solche, die nachweisbar positive Anstöße in ihren Unternehmen geliefert haben. Virgin ist einer der wenigen Vorreiter.

WiWo Green 2/2013

Wie wollen Sie verhindern, dass umweltschädlich produzierende Unternehmen sich durch Ökotricks grün waschen?

Indem wir künftig anders, viel umfassender bei Gewinn und Verlust eines Unternehmens neben klassischen Finanzzahlen auch langfristige ökologische und soziale Aspekte berechnen und ausweisen. Wir müssen Nachhaltigkeit quantifizieren und damit vergleichbar machen. Unternehmen wie Puma messen ja bereits ihren Fußabdruck und die gesamte Kering-Gruppe will 2016 ihre Ökobilanz vorstellen und Transparenz schaffen.

Wird Kering nicht in erster Linie abwägen, was schwerer wiegt: die Sorge vor einer Negativ-Reaktion, wenn die Belastung öffentlich wird, oder der Imagegewinn durch die Offenheit?

Wenn man Nachhaltigkeit nur unter Opportunitäts- und Marketinggesichtspunkten begreift, werden wir nie weiterkommen. Nein, es geht um grundsätzliche Entscheidungen. Verbraucher wissen, dass Unternehmen einen negativen Fußabdruck haben. Gerade deswegen wollen wir ja Transparenz schaffen, um daran zu arbeiten. Alles andere wäre ja bloße Rederei.

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