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Kaffee Warum fair so schwer ist

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Echte Veränderung träfe die deutschen Röstereien

Das zu ändern ist extrem schwer, berichten Kaffeehersteller. Am offensten über ihre Bemühungen reden die Kaffee-Töchter der deutschen Milliardärs-Dynastie Reimann, zu deren Marken unter anderem Jacobs und Senseo zählen. Deren Europatochter JDE will die Zahl ihrer Lieferanten mit umweltfreundlichem Anbau und fairer Bezahlung der Beschäftigten gerne drastisch hochfahren. „Das ist gerade der Familie eine Herzensangelegenheit“, sagt Peter Harf, oberster Vermögensverwalter des 18 Milliarden Euro schweren Clans. Ansporn ist Harf und den Eigentümern dabei der US-Schokokonzern Mars, der aus ihrer Sicht mit seinem Drängen auf fairen Kakao die ganze Schoko-Branche verändert hat.

Wie schwer das nachzumachen ist, erlebt JDE-Nachhaltigkeits-Chef Daniel Martz bei seinen vielen Reisen Richtung Vietnam oder Lateinamerika. „Gerade für die kleineren Bauern, die ein Fair-Siegel am meisten brauchen, ist es meist zu teuer, sich zertifizieren zu lassen“, sagt Martz. Zumal sich die einzelnen Siegel oder die Anforderungen der großen Hersteller wie Nespresso oft noch in entscheidenden Details unterscheiden, so dass ein Bauer mehrere Zertifikate braucht.

Zweite Hürde sind die nötigen Kontrollen. Um sicher zu stellen, dass die Farmen sich auch dann an die Regeln halten, wenn die Kontrolleure der Zertifikatsgeber wieder abgereist sind, braucht es eine grundlegend andere Überwachung „Wir arbeiten daran, auf unsere Kosten statt einzelner Farmen ganze Regionen verifizieren zu lassen, mithilfe von Satellitenüberwachung und Kontrollen vor Ort", so Harf. Das neue Reimann-System soll über die ganze Wertschöpfungskette dafür sorgen, dass sich alle Beteiligten an die Regeln halten und so alle Menschen der Kette eine Perspektive bieten. Doch das dauert. Als erster Teil der Reimann-Gruppe wird die US-Tochter Peet's spätestens im Jahr 2020 alle Lieferanten erfasst haben. Später soll der Rest des Reimann-Reichs folgen.

Ob das auch der ganzen Branche gelingt, ist noch nicht sicher. Denn angesichts des beinharten Geizes vor allem deutscher Kaffeefreunde, der den Preis für das Kilo seit Jahren selten auf mehr als sechs Euro steigen lässt, sind Aufpreise für Genuss mit gutem Gewissen schwer vorstellbar. Doch ohne höhere Preise lassen sich in den Herstellerländern kaum Einkommen gewährleisten, mit denen die Familien unter Zinn- statt Strohdächern leben und ihre Kinder zur Schule statt auf die Felder schicken können, wie ein führender Manager eines Kaffeekonzerns mal das Ziel „fair“ umschrieb.

Darum setzen Leute wie Felix Ahlers, Vorstandsvorsitzender und Mitinhaber der nach eigenen Angaben größten deutschen Tiefkühlfirma Frosta aus Bremerhaven, auf einen weiteren Schritt: Mehr Wertschöpfung beim Kaffee in die Herstellerländer zu verlagern. Denn alle Rohstoffe - auch die Bohnen - werden durch die Verarbeitung deutlich wertvoller. Kostet ein Kilo unverarbeitet keine drei Dollar, sind sie nach der Röstung bereits deutlich mehr als sechs Dollar wert. Der Betrag könnte innerhalb der Wertschöpfungskette im Land verteilt werden.

Wieviel Wert sich die Anbauländer sichern können, zeigt Ahlers gerade in Äthiopien. Hier produziert der 51-Jährige seit zehn Jahren unter der Marke Solino Kaffee und beliefert inzwischen deutsche Supermarkketten wie Edeka. Dafür holte Ahlers nicht nur die Röstereien nach Afrika, sondern fast alle Teile inklusive der Verpackungsmaschinen. Derzeit stellt Solino mit gut 30 Tonnen nur einen Bruchteil des gut 200.000 Tonnen starken Kaffee-Exports des Landes. Aber das Unternehmen sichert mehr als 1000 Jobs im Land. Würde der gesamte Kaffee Äthiopiens so verarbeitet, könnten es laut Ahlers bis zu 300.000 neue Stellen sein – mehr als die heutige Entwicklungshilfe schafft.

Der Schritt würde aber vor allem Europa treffen. Denn derzeit findet der wichtigste Schritt der Kaffee-Verarbeitung, die Röstung, vor allem in Deutschland, der Schweiz und Italien statt. So wird jede fünfte weltweit aufgebrühte Bohne in Deutschland veredelt. Und darauf müsste die heimische Wirtschaft dann als Entwicklungshilfe verzichten.

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