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Kaiser's Tengelmann Neue Hoffnung für die Supermarktkette

Nach dem Gipfeltreffen zu Kaiser's Tengelmann können die Beschäftigten auf einen Erhalt der Supermarktkette hoffen. Im Streit um die Zukunft der Kette haben die Beteiligten eine Fristverlängerung vereinbart.

Kaiser's Tengelmann Quelle: dpa

Beim Gipfeltreffen zu Kaiser's Tengelmann ist ein Durchbruch erzielt worden, die Beschäftigten können auf einen Erhalt der verlustreichen Supermarktkette setzen. Die Supermarkt-Chefs verständigten sich darauf, dass die Sondererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zur Übernahme der Kette durch Edeka umgesetzt werden solle, teilte Verdi mit.

Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Die Parteien haben sich auf das Ziel verständigt, dass die Ministererlaubnis nach Rücknahme der anhängigen Beschwerden umgesetzt werden kann und bis zum 17. Oktober 2016 eine einvernehmliche Einigung gefunden wird." Neben Verdi-Vertretern nahmen an dem Treffen Edeka-Chef Markus Mosa, Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub, Rewe-Boss Alain Caparros sowie Gerd Köber für Norma und Franz-Friedrich Müller für Markant teil.

Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt. Laut Verdi-Erklärung haben sich die Parteien bis zum 18. Oktober 2016 zu Stillschweigen verpflichtet.

Für Kaiser's Tengelmann wäre es eine Rettung in letzter Sekunde. Eigentümer Karl-Erivan Haub hatte für die Zukunft der Kette mit rund 15.000 Beschäftigten ein Ultimatum bis Freitag um Mitternacht gestellt und mit der Zerschlagung gedroht. Diese Frist ist nun vom Tisch. "Dies ist eine gute Nachricht für alle Beschäftigten", sagte der Kaiser's-Tengelmann-Betriebsratschef in NRW, Rainer Schroers.

Haub will Kaiser's Tengelmann an Edeka verkaufen. Die Transaktion wurde zwar vor zwei Jahren besiegelt, doch die Umsetzung steht durch die Klagen der Konkurrenten auf der Kippe. Das Kartellamt legte sein Veto ein, im März hebelte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel dieses nach langer Prüfung aus. Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hatte die sogenannte Ministererlaubnis dann aber auf Eis gelegt - Rewe, Markant und Norma hatten erfolgreich gegen sie geklagt. Ziehen sie ihre Beschwerden zurück, kann Kaiser's Tengelmann doch noch an Edeka gehen.

Bis zur endgültigen Einigung geht das Bangen für die Mitarbeiter weiter.

Rund 2500 Berliner Beschäftigte der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann hatten sich am Donnerstag auf einer Betriebsversammlung für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze eingesetzt. In einer Resolution, die einstimmig angenommen wurde, forderten sie die Unternehmen Rewe, Markant und Norma auf, ihre Klage gegen die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka zurückzuziehen.

„Es geht hier um Menschen und nicht um kaufmännische Interessen“, sagte der Berliner Betriebsratsvorsitzende Volker Bohne nach dem nicht-öffentlichen Treffen in Berlin-Neukölln. Die Ministererlaubnis für die Übernahme müsse wieder in Kraft gesetzt werden. Gabriel pochte in den damit verbundenen Auflagen unter anderem darauf, dass Edeka mit allen Arbeitnehmern rechtssichere Tarifverträge vereinbart, die über fünf Jahre betriebsbedingte Kündigungen ausschließen.

Kaiser's Tengelmann ist bereit seit Jahren in der Krise. Die Umsätze der Ketten schrumpften, in diesem Geschäftsjahr werde ein "enormer Verlust" anfallen, im kommenden Jahr werde dieser weiter steigen, hatte der Sprecher der Kaiser's-Tengelmann-Geschäftsführung, Raimund Luig, erst am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung in Viersen eingeräumt. Ende 2015 verfügte die Kette noch über 446 Märkte, 133 davon in Berlin, 188 in Bayern und 125 in Nordrhein-Westfalen. Es dürften nun aber weniger sein, denn Vermieter haben Insidern zufolge bei einigen Märkte wegen der unklaren Aussichten die Mietverträge nicht verlängert.

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