Kaiser's Tengelmann Supermärkte sind Klotz am Bein

Die Tengelmann-Übernahme ist zum öffentlichen Scharmützel geworden. Die Jahreszahlen geraten dabei fast zu Nebensache. Dort stehen bei den Supermärkten aber rote Zahlen – die vor allem Kik und Obi ausgleichen konnten.

Karl-Erivan Haub, Tengelmann Quelle: dpa

Pünktlich zur heutigen Tengelmann-Pressekonferenz mit Vorlage der Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr hatte Rewe-Chef Alain Caparros ganzseitige Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen schalten lassen und die Politik von Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kritisiert.

Das Bundeskartellamt hatte Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka Anfang April die Übernahme von rund 450 Filialen des Konkurrenten Kaiser's Tengelmann untersagt. Die Wettbewerbsbehörde befürchtet bei einem Zusammenschluss Preiserhöhungen und weniger Wettbewerb. Edeka hat daraufhin einen Antrag auf Ministerentscheid gestellt. Mit der Begründung, nur eine Übernahme durch Edeka könne die Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann sichern.

Diese Händler dominieren den Lebensmittelhandel
Platz 5: MetroMit weitem Abstand auf die vier Großen folgt die Metro-Gruppe, zu der die Real-Märkte gehören. Auch wenn die Gruppe laut Kartellamt den Anschluss an die Spitzengruppe verliert, liegt sie in ihrer Bedeutung weit vor den regionale Ketten wie Kaisers Tengelmann oder Tegut, Coop oder Globus, die jeweils weniger als drei Prozent Anteil am Markt haben. Umsatz: unter 10 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 5-10 Prozent Verkaufsfläche: 2-3 Millionen Quadratmeter Standorte: 300-400 Quelle: dpa
Platz 4: AldiDie Aldi Gruppe ist mit mehr als 4.000 betriebenen Standorten die führende Discounter-Größe in Deutschland. Bei Handelsmarken nimmt das Unternehmen eine herausragende Stellung ein. Hersteller dieser Produkte sind auf das Unternehmen angewiesen. Umsatz: 15-20 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 3-4 Millionen Quadratmeter Standorte: 4.000-5.000 Quelle: dpa
Platz 3: Rewe/Rewe DortmundZur Gruppe gehört neben den Rewe-Märkten auch der Discounter Penny. Insbesondere bei den Herstellermarken hat Rewe eine starke Position inne. Umsatz: 20-25 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 4-5 Millionen Quadratmeter Standorte: 6.000-7.000 Quelle: dpa
Platz 2: Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland)Die Schwarz Gruppe besteht aus den beiden Stiftungen Kaufland und Lidl, deren Kapital bei der Dachgesellschaft Schwarz Beteiligung GmbH liegt. Zusammen kommen die beiden Ketten auf ganz erhebliche Marktanteile. Umsatz: 25-30 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 20-25 Prozent Verkaufsfläche: 5-6 Millionen Quadratmeter Standorte: 3.500-4.650 Quelle: dpa
Platz 1: Edeka GruppeObwohl die Umsätze von Edeka vorwiegend von den selbständigen Einzelhändlern erzielt werden und zur Gruppe auch der Filialist Netto Marken-Discount gehört, betrachtet das Kartellamt die Gruppe als Ganzes. Besonders Markenhersteller sind auf Edeka aber auch Rewe und die Schwarz-Gruppe angewiesen. Diese Drei werden vom Kartellamt als „Nadelöhr für die deutschlandweite Verbreitung“ von Marken-Produkten bezeichnet und haben besonders viel Macht. Umsatz: Edeka 30-35 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 25-30 Prozent Verkaufsfläche: 9-10 Millionen Quadratmeter Standorte: 11.000–12.000 Quelle: Bundeskartellamt // Bezugsjahr: 2010 Quelle: dpa

Unter der Überschrift „Liebe Freunde des Handels“ bezeichnet Rewe diese Behauptung der beiden Konkurrenten nun als „falsches Spiel auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann“. Es gebe sehr wohl andere Alternativen, um den Erhalt der Arbeitsplätze zu garantieren. Das Kölner Unternehmen bringt sich stattdessen selbst ins Spiel: Eine Übernahme der Kaiser's-Tengelmann-Märkte durch Rewe sei „kartellrechtlich machbar“ und würde sogar zu einer „Stärkung des Wettbewerbs im deutschen Lebensmittelhandel“ führen. Zudem biete man den Angestellten bessere Perspektiven als die Konkurrenz.

Haub warnt vor einer Zerschlagnugn von Kaiser's Tengelmann

Die Anzeige schließt mit einem offenen Brief an den Eigentümer von Kaiser's Tengelmann, Karl-Erivan Haub. Dort heißt es, man stehe jederzeit und ohne weitere Verzögerung zum Gespräch bereit. Unterschrieben ist der Brief von Rewe-Chef Alain Caparros sowie seinen Vorstandskollegen und dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Andreas Ratzmann. Ein Rewe-Sprecher erklärte, man wolle so die breite Öffentlichkeit in eigenen Worten über die Positionen der Rewe Group im Fusionsverfahren informieren.

Haub warnt für den Fall eines Scheiterns der Übernahme durch Edeka vor einer Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann. 8500 Menschen könnten dadurch ohne Not ihre Arbeitsplätze verlieren, sagte Haub bei der Bilanzvorlage in Mülheim. Sollte ein Ministerentscheid negativ beschieden werden, schloss Haub weitere Rechtswege. „Ich glaube nicht, dass wir einen dreijährigen Rechtsprozess durchhalten können.“  Der Tengelmann-Chef bezifferte die in den vergangenen 15 Jahren durch die Supermarktkette aufgelaufenen Verluste bei dem Familienunternehmen auf mehr als 500 Millionen Euro.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Vor dem Hintergrund der öffentlichen Scharmützel geriet die Vorstellung der Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr bei der Tengelmann-Gruppe fast zur Nebensache.  

2014 sei laut Haub insgesamt zufriedenstellend ausgefallen. Dafür sorgten vor allem der Textildiscounter KiK und die Baumarktkette Obi, die beide auch vom hervorragenden Saisongeschäft im Frühjahr profitiert hätten. „Aber auch unsere Beteiligungen TEDi und Netto sowie unser Immobiliengeschäft haben zu diesem positiven Ergebnis beigetragen,“ sagt der Tengelmann-Chef.

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