Kaiser's Tengelmann und Edeka Showdown im Eichensaal

In der Übernahmeschlacht um die Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte trafen Gegner und Befürworter einer Ministererlaubnis aufeinander. Wie sich die Beteiligten bisher geschlagen haben.

Showdown im Eichensaal. Quelle: dpa

Gegen 13:35 Uhr wurde es kurz emotional im Eichensaal im Berliner Wirtschaftsministerium. Es falle ihm schwer, nach den Anschlägen von Paris zur Tagesordnung überzugehen, sagt Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub und bittet die rund 150 Juristen und Journalisten, Unternehmenschefs und Ministeriumsmitarbeiter in dem Saal sich kurz zu erheben.

Nach der Unterbrechung legte Haub los – und warb für eine der umstrittensten Übernahmen im deutschen Handel: Die Übernahme der Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte durch Edeka.

Bereits vor Monaten hatte das Bundeskartellamt die Fusion untersagt. Tengelmann und Edeka hatten daraufhin eine Sondergenehmigung bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel beantragt. Am Montag fand im Eichensaal die im Verfahren vorgeschriebene Anhörung statt – das erste öffentliche Aufeinandertreffen der Fusionsbefürworter und -gegner.

Endspurt im Streit um Kaiser's Tengelmann

Dabei beherrschten nicht nur sachliche Argumente die Debatte. Die Protagonisten des Mammutverfahrens agierten höchst unterschiedlich vor der eichengetäfelten Kulisse im Ministerium. Ein Überblick:

Der Zahlenfresser

Den Anfang machte Markus Mosa. Der Edeka-Chef führte trocken durchs Zahlenwerk der Übernahme und betonte einmal mehr sein Mantra: Nur durch den Verkauf der Supermärkte an Edeka könnten alle 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann erhalten werden. Doch zugleich räumte Mosa ein, dass es dabei nur um die Gesamtsumme der Jobs gehe. "Wo Arbeitsplätze an einem Ort wegfallen, wachsen sie an einem anderen zu", so Mosa. Das dürfte die Mitarbeiter in den Filialen, beim Produktionsbetrieb Birkenhof oder in einem Lager, das wohl geschlossen werden soll, allerdings kaum überzeugen.

Die anwesenden Betriebsräte kritisieren die Übernahmepläne denn auch scharf. Zudem stört die Arbeitnehmervertreter die nach der Übernahme geplante Privatisierung von zahlreichen Kaiser's-Tengelmann-Märkten. Immerhin gebe es Transfergesellschaften und Abfindungen sowie Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung, hielt Mosa dagegen.

Der Emotionale

Tengelmann-Patron Haub gab das perfekte Gegenstück zu Mosa ab. Statt nüchtern Zahlen zu referieren, wurde Haub emotional – nicht nur bei seinem Gedenkvorstoß an die Opfer der Anschläge in Paris. Eigentlich schon viel zu lange habe seine Unternehmensgruppe an den defizitären Supermärkten festgehalten, sagte Haub.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Dass er sich für Edeka als Käufer entschieden habe, sei de facto ein letzter Dienst für die Beschäftigten. Schließlich würde allein der Verkauf an Edeka das Gros der Arbeitsplätze sichern. Rewe habe sich bei den Verhandlungen sehr zögerlich verhalten, auch alle andere Angebote würden sich im wesentlichen nur auf Teile der Supermarktsparte beziehen. "Die Rosinenpicker haben sich in Stellung gebracht", warnte Haub.

Der Aufgebrachte

Ein wenig wirkte Rewe-Chef Alain Caparros wie eine französische Ausgabe des US-TV-Strafverteidigers Matlock, der in den Achtzigerjahren Fans von Anwaltsserien begeisterte und zum Showdown im Gerichtssaal regelmäßig neue Beweise präsentierte, die das Bild des Falls komplett drehten.

In Matlock-Manier versuchte auch Caparros die Argumente von Edeka und Haub zu zerpflücken. "Herr Haub hat die Unwahrheit gesagt und ich werde es beweisen", sagte Caparros zum Auftakt. Er bezeichnete schon den Antrag auf Ministererlaubnis als "Erpressungsversuch". Die geplante Übernahme sei eigentlich ein Zerschlagungsversuch, bei dem Filialen, Fleischwerke und Verwaltungseinheiten geschlossen werden sollen. Der Deal, so Caparros, diene nur der Forcierung der Marktmacht von Edeka und der Mehrung des Vermögens von Herrn Haub – das sei aber kein überragendes öffentliches Interesse für die Erteilung einer Ministererlaubnis.

Stattdessen präsentierte Caparros erneut seine eigenen Ideen zur Übernahme von Kaiser's Tengelmann – und forderte Haub auf, diese zu prüfen. Die Gefahr, dass das Kartellamt auch einen Kauf durch Rewe ablehnen würde, hält der Konzernchef offenbar für gering. "Lieber Herr Haub, wir würden alle Kartellrechtsrisiken übernehmen", bot Caparros an.

Der Entscheider

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Die Antwort auf das caparros'sche Plädoyer kam von links. Dort, nahe der Tür, saß Wirtschaftsminister Gabriel, der nur trocken anmerkte: "Das Problem scheint mir zu sein, dass wir hier keine Verkaufsverhandlungen führen." Ähnlich reagierte er auf andere Einwände, die Beteiligte vorbrachten. Ab und an schaltete er sich mit Fragen ein, wurden ihm die nicht ausreichend beantwortet, legte der Minister schon mal pampig nach. "Ist ihre Ablehnung Selbstmord aus Angst vor dem Tod?", fragte Gabriel etwa spitz die Vertreter der Verdi-Seite. Die Antwort von Verdi-Einzelhandelsexpertin Stefanie Nutzenberger fiel ihm anschließend zu schwammig aus.

Formal hat Gabriel die Leitung der öffentlichen Anhörung zwar einem Ministerialdirigenten übertragen, muss am Ende aber die Entscheidung treffen – und die Kritik dafür einstecken. Denn egal wie Gabriel letztlich votiert, Ärger ist ihm gewiss. Zu diametral gehen die Forderungen der Beteiligten auseinander – das zumindest zeigte die öffentliche Anhörung.

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