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Kaiser's Tengelmann und Edeka Tengelmann wird "definitiv aus dem Markt ausscheiden"

Im Poker um eine Ministererlaubnis für die Übernahme der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann durch Edeka ziehen die Beteiligten alle Register. Nun bahnt sich eine Vorentscheidung in Berlin an.

Kaiser's Tengelmann Filiale Quelle: dpa

In das Ringen um die Übernahme der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann durch Edeka kommt Bewegung. Bereits Ende kommender Woche - spätestens jedoch Anfang August - soll die Monopolkommission ihre Stellungnahme zu den Übernahmeplänen abgeben, erwarten Beteiligte. Die Einschätzung der Kommission gilt als wichtige Vorentscheidung für das finale Votum von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in dem Fall.

Edeka-Chef Markus Mosa und Tengelmann-Patron Karl-Erivan Haub hatten sich mit einem „Antrag auf Ministererlaubnis“ an Gabriel gewendet, nachdem das Bundeskartellamt die Übernahme im Frühjahr untersagt hatte. Per Ministererlaubnis könnte das Veto der Behörde ausgehebelt werden.

Diese Händler dominieren den Lebensmittelhandel
Platz 5: MetroMit weitem Abstand auf die vier Großen folgt die Metro-Gruppe, zu der die Real-Märkte gehören. Auch wenn die Gruppe laut Kartellamt den Anschluss an die Spitzengruppe verliert, liegt sie in ihrer Bedeutung weit vor den regionale Ketten wie Kaisers Tengelmann oder Tegut, Coop oder Globus, die jeweils weniger als drei Prozent Anteil am Markt haben. Umsatz: unter 10 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 5-10 Prozent Verkaufsfläche: 2-3 Millionen Quadratmeter Standorte: 300-400 Quelle: dpa
Platz 4: AldiDie Aldi Gruppe ist mit mehr als 4.000 betriebenen Standorten die führende Discounter-Größe in Deutschland. Bei Handelsmarken nimmt das Unternehmen eine herausragende Stellung ein. Hersteller dieser Produkte sind auf das Unternehmen angewiesen. Umsatz: 15-20 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 3-4 Millionen Quadratmeter Standorte: 4.000-5.000 Quelle: dpa
Platz 3: Rewe/Rewe DortmundZur Gruppe gehört neben den Rewe-Märkten auch der Discounter Penny. Insbesondere bei den Herstellermarken hat Rewe eine starke Position inne. Umsatz: 20-25 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 4-5 Millionen Quadratmeter Standorte: 6.000-7.000 Quelle: dpa
Platz 2: Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland)Die Schwarz Gruppe besteht aus den beiden Stiftungen Kaufland und Lidl, deren Kapital bei der Dachgesellschaft Schwarz Beteiligung GmbH liegt. Zusammen kommen die beiden Ketten auf ganz erhebliche Marktanteile. Umsatz: 25-30 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 20-25 Prozent Verkaufsfläche: 5-6 Millionen Quadratmeter Standorte: 3.500-4.650 Quelle: dpa
Platz 1: Edeka GruppeObwohl die Umsätze von Edeka vorwiegend von den selbständigen Einzelhändlern erzielt werden und zur Gruppe auch der Filialist Netto Marken-Discount gehört, betrachtet das Kartellamt die Gruppe als Ganzes. Besonders Markenhersteller sind auf Edeka aber auch Rewe und die Schwarz-Gruppe angewiesen. Diese Drei werden vom Kartellamt als „Nadelöhr für die deutschlandweite Verbreitung“ von Marken-Produkten bezeichnet und haben besonders viel Macht. Umsatz: Edeka 30-35 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 25-30 Prozent Verkaufsfläche: 9-10 Millionen Quadratmeter Standorte: 11.000–12.000 Quelle: Bundeskartellamt // Bezugsjahr: 2010 Quelle: dpa

In dem 102 Seiten starken Antrag, der der WirtschaftsWoche vorliegt, ziehen Haub und Mosa denn auch alle Register, um Gabriel von den Segnungen des Deals für die Allgemeinheit zu überzeugen.

So könne nur eine Gesamtübernahme die 16.000 Arbeitsplätze sichern, heißt es in dem Papier. Die Alternative sei „ein Marktaustritt mit einer unkoordinierten Abwicklung“. Eine solche „Einzelabwicklung würde mindestens 8000 Arbeitsplätze kosten“ und die Schließung von 250 Filialen bedeuten, weil die Interessenten dann „nur die ’Rosinen’ picken würden“, behaupten Haub und Mosa. Vor allem in Nordrhein-Westfalen drohe ein Aderlass.

In der Folge entstünden einmalige Steuerausfälle von bis zu 250 Millionen Euro sowie „pro Jahr rund 100 Millionen Euro Kosten“ für die öffentliche Hand durch Arbeitslosigkeit und Eingliederungsmaßnahmen.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Wettbewerber bewerten die Ausführungen von Haub und Mosa derweil als „reichlich absurde Horrorszenarien“. Vor allem die Behauptung, es gebe keine Alternativen zum Kauf durch Edeka lassen sie nicht gelten. So hat sich der Kölner Rivale Rewe bereits mehrfach als Käufer der Supermärkten ins Spiel gebracht. Der Schweizer Tegut-Eigner Migros hatte unlängst Interesse an 130 Tengelmann-Geschäften in Bayern bekundet, Coop gilt als Kandidat für den Berliner Raum und auch weiteren Händlern wie dm wird Interesse an Standortpaketen nachgesagt.

Auch das Versprechen, im Fall einer Ministererlaubnis alle Arbeitsplätze zu erhalten, gilt intern wie extern als reichlich wage. Tatsächlich sollen bereits im Vorfeld der Übernahme durch Edeka „24 Filialen aufgrund gravierend hoher Verluste geschlossen werden“, geht aus dem Antrag auf Ministererlaubnis hervor.

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Klar ist, sollten Edeka und Tengelmann mit ihrem Anliegen scheitern, dürfte Kaiser’s Tengelmann zerschlagen werden. Laut dem Antrag hat die Supermarktsparte seit dem Jahr 2000 Verluste von insgesamt rund 532 Millionen Euro angehäuft. 42 Prozent aller Filialen „wirtschafteten im Verlust“, heißt es in dem Papier. Daher stehe fest, dass Kaiser’s Tengelmann „definitiv aus dem Markt ausscheidet“.

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