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Kampagne des Technikriesen Media Markt macht zu

Media Markt schließt! Heute letzte Chance! Worte, die groß auf der Internetseite des Technikriesen zu sehen sind. Alle Märkte und der Onlineshop sind am 2. und 3. Oktober geschlossen. Was dahinter steckt.

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Die Tricks von Media Markt
Illustration Media Markt Quelle: Illustration: Torsten Wolber
Illustration Regalplatz für hochauflösende Fernsehgeräte Media Markt Quelle: Illustration: Torsten Wolber
Illustration Werbelogos von Top-Elektronikmarken an den Wänden Media Markt Quelle: Illustration: Torsten Wolber
Illustration Internet-Ecke Media Markt Quelle: Illustration: Torsten Wolber
Illustration Promotioninsel für Mobilfunk Media Markt Quelle: Illustration: Torsten Wolber
Illustration Lockangebote Media Markt Quelle: Illustration: Torsten Wolber
Illustration Trittspuren auf dem Fußboden Media Markt Quelle: Illustration: Torsten Wolber

Nein, Media Markt ist nicht pleite und wird auch nicht schließen - zumindest nicht auf Dauer. Denn was sich anhört wie eine Insolvenzverlautbarung, ist lediglich eine Werbekampagne. Dem Konzern geht es gut. 2012 setzte das Unternehmen 21 Milliarden Euro um. Mittlerweile gibt es von dem 1979 gegründeten Unternehmen bundesweit 255 Märkte mit mehr als 12.000 Mitarbeitern. Mittlerweile hat Media Markt bis nach Asien expandiert und sich wieder zurückgezogen. 2010 wurde in Shanghai der erste Laden eröffnet, bis 2012 waren es sechs Stück. Nun will sich das Unternehmen wieder zurückziehen, weil der notwendige Kapitalbedarf fehlt.

Die Media-Markt-Filialen und der Online-Shop schließen tatsächlich am 2. und 3. Oktober – aber nur für diese zwei Tage. Grund ist die jährliche Inventur und die Umstellung auf das Herbst-Sortiment. Am 4. Oktober öffnen alle Läden wieder wie gewohnt mit "zahlreichen Produktneuheiten zu besonders attraktiven Preisen," wie Media Markt mitteilt. Geworben wird dabei vor allem mit Rabatten auf Kameras, Tablet-PCs, Waschmaschinen oder Kochtöpfen. Zuvor fand sechs Tage lang in allen Mediamärkten und dem Online-Shop ein großer Ausverkauf statt.

Media Markt fällt immer mit ungewöhnlichen Kampagnen auf: „Ich bin doch nicht blöd.“ - ein Spruch mit dem man schlaue Werbung macht. Doch ist es schlau vom eigenen Ende zu sprechen. Gegenüber "Focus Online" sagte der Marketing-Experte, Maximilian Wagner von der Ludwig-Maximilian-Universität in München, dass die Werbung bei vielen Menschen einen "Aha-Effekt" auslöst. Und sie sich automatisch fragen würden, wieso den eine Ende bei Mediamarkt bevorsteht. Schnell wird aber deutlich, dass Media Markt dennoch seinem Image treu bleibt: „Das besteht nun mal darin, seine Kunde aufs Korn zu nehmen“, so Wagner. „Die Kette ruft sich mit der Aktion in Erinnerung, so dass deutsche Konsumenten schmunzeln müssen und denken: Ach ja, bei Media Markt war ich schon lange nicht mehr. Da muss ich mal wieder hin gehen," sagte er auf Focus Online.

Investitionen in Werbung

Wo Media Markt teurer ist
Digitalkamera Samsung PL210 Quelle: Presse
Festplattenrekorder Humax iCord Cable Media Markt: 379 Euro Günstiger Online-Anbieter: 322,66 Euro (Willisat) Preisunterschied in Prozent: 14,9 Quelle: Screenshot
Fernseher Toshiba 37SL833G Media Markt: 499 Euro Günstiger Online-Anbieter: 435 Euro (Völkner) Preisunterschied in Prozent: 12,8 Quelle: Pressebild
Smartphone LG P990 Optimus Speed Media Markt: 329 Euro Günstiger Online-Anbieter: 302 Euro (Notebooksbilliger.de) Preisunterschied in Prozent: 8,1 Quelle: Screenshot
Computer HP Pavilion p6-2037de Quelle: Screenshot
Samsung S22A300B Quelle: Presse
Waschmaschine Siemens WM 14 S 750 Quelle: Presse

Laut Media Markt kennen 96 Prozent aller Deutschen den Slogan und bringen ihn auch mit dem Branchenriesen in Verbindung. Hinter der Kampagne steckt die Werbeagentur Ogilvy & Mather, dessen Chef Thomas Strerath gilt Branchenkennern als derzeit erfolgreichster Werber des Landes gilt.

Denn unter seiner Führung betreut Deutschlands fünftgrößte Agenturgruppe, die wie ihre New Yorker Mutter zum Londoner Werberiesen WPP gehört, 200 Kunden wie Coca-Cola, Deutsche Bahn und Media Markt, beschäftigt fast 700 Leute und setzt geschätzte 75 Millionen Euro im Jahr um. Ogilvy-Köpfe sitzen an der Spitze des Agentur-Verbandes GWA und des Kreativen-Clubs ADC. Gleichzeitig hat Ogilvy einen Generationswechsel bewältigt und mit bislang 45 neuen Etats 2012 so viele neue Kunden gewonnen wie kaum ein Wettbewerber. Die Media-Saturn-Holding ist bekannt dafür, viel Geld in die Werbung zu stecken: 500 Millionen Euro sollen es 2007 gewesen sein, 2010 sogar 580 Millionen Euro.

Handel



Das Unternehmen will auffallen und sich zu einer Marke mit Erkennungswert machen. "Durch Polarisierung eine Sogwirkung entwickeln", heißt es aus dem Unternehmen. Deshalb ist der Slogan und auch das Logo in fast allen Ländern gleich. Und es sollen auch insbesondere junge Menschen angesprochen werden, deshalb wird die Werbekampagne auch von Aktionen auf Social Media-Kanälen wie Facebook und Twitter begleitet.

Ungewöhnliche Werbekampagnen sind bei Media Markt also an der Tagesordnung. Erinnert sei an die 19 Prozent Rabatt, was mit einem Verzicht auf die Mehrwertsteuer gleichgesetzt werden kann, sowie das Torwandschießen, bei dem man seinen kompletten Einkauf gewinnen konnte, sofern man den Ball richtig ins Loch setzte. Aber manche Werbeaktionen gehen eben auch daneben.

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