WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Karstadt-Chef Jennings "Das Weihnachtsgeschäft ist wie Erntezeit"

Der Karstadt-Chef Andrew Jenning erwartet ein gutes Weihnachtsgeschäft und ein schwieriges Jahr 2012.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Karstadt-Chef Andrew Jennings Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Jennings, haben Sie Ihre Weihnachtsgeschenke schon gekauft?

Jennings: Selbstverständlich. Ich habe schon im Oktober mit den ersten Einkäufen begonnen und auch in unseren Häusern tolle Geschenkideen entdeckt.

Was steht dieses Jahr auf den Wunschlisten Ihrer Kunden ganz oben?

Es ist noch ein bisschen zu früh, um zu sagen, was in diesem Jahr die Bestseller sein werden. Karstadt ist beispielsweise einer der größten Spielwarenanbieter, das wird sich sicher auch in der Kundennachfrage niederschlagen. Wir sind auch im Parfüm- und Kosmetikbereich sehr, sehr stark und haben ein tolles Uhren- und Schmuckangebot. Gerade bei den schönen Dingen des Lebens erwarten wir zu Weihnachten eine hohe Nachfrage.

Dann rechnen Sie mit einem guten Weihnachtsgeschäft?

Wir sind zuversichtlich für das Weihnachtsgeschäft. Es ist so etwas wie Erntezeit für all die Arbeit, die wir im Vorfeld geleistet haben.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub warnt angesichts der europäischen Schuldenkrise bereits vor einer zunehmenden Unsicherheit unter den Verbrauchern. Spüren Sie davon etwas?

Schon in den vergangenen Jahren zeichnete sich der Trend ab, dass viele Kunden ihre Weihnachtseinkäufe immer weiter nach hinten verschieben. Ob das mit der Finanzkrise zusammenhängt, lässt sich aber nur schwer sagen. Das ist das 40. Weihnachtsfest, dass ich als Handelsmanager miterlebe, und in all den Jahren gab es noch nie ein wirklich mageres Fest. Wir sind sehr optimistisch.

Wirkt sich die europäische Finanz- und Schuldenkrise auf Ihr Geschäft aus?

Jede Branche, jedes Unternehmen ist von der aktuellen Finanzkrise auf die eine oder andere Art betroffen. Aber wir wachsen stärker als der Markt. Die Weltwirtschaft ist angespannt, und 2012 wird ein herausforderndes Jahr, auf das wir uns sehr gut vorbereitet haben. Wir werden noch wettbewerbsfähiger werden, wir werden mehr innovative Produkte anbieten, die es bei unseren Wettbewerbern nicht gibt, und wir werden noch stärker darauf achten, dass Preis und Leistung stimmen. Wir tun alles, um den Kunden zu begeistern. Dafür haben wir unser Strategieprogramm „Karstadt 2015“ gestartet.

Was verbirgt sich dahinter?

Es gibt vier Schlüsselbegriffe, die unsere Strategie umreißen: Modernisierung, Differenzierung, Schärfung des Profils und Vereinfachung unserer Prozesse und Strukturen.

Von Modernisierung ist in etlichen Häusern noch nicht viel zu sehen.

Wir haben bisher 22 unserer 120 Waren- und Sporthäuser auf Vordermann gebracht. Der Prozess geht sukzessive weiter. Wir haben ein Investitionsbudget » » von rund 400 Millionen Euro in den kommenden Jahren für Umbauten und Renovierungen. Modernisierung gilt aber nicht nur für die Häuser, sondern auch für unsere Sortimente. Wir bringen jetzt Ware von frischen Designern in die Geschäfte, damit schärfen wir unser Profil. Zugleich überarbeiten wir das komplette Sortiment und nehmen andere Marken raus. Damit sorgen wir für Vereinfachung. Die Schlüsselbegriffe unser Strategie Karstadt 2015 greifen also ineinander.

Offensive der Offenheit

Karstadt-Filiale München Quelle: dapd

Sie stehen seit einem Jahr an der Spitze von Karstadt. Sind Sie mit dem Restrukturierungsprozess zufrieden?

Ich bin niemals zufrieden. Wir müssen die Messlatte immer ein Stück höher legen. Veränderung ist für mich keine Option, sondern die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben. Aber tatsächlich haben wir in den vergangenen Monaten gewaltige Veränderungen zum Positiven erzielt. Von den Umbauten und Modernisierungen der Häuser und Sortimente bis zum Online-Geschäft, wir haben mehr Glaubwürdigkeit ins Geschäft gebracht, eine stärkere Leistungsorientierung und mehr Spaß. Und: Wir legen sehr viel Wert auf Kommunikation. Nicht nur anlässlich der Vorstellung von Karstadt 2015. Wir haben zum Beispiel die Kommunikation mit den Mitarbeitern und unseren Lieferanten stark ausgebaut.

Dann können Sie uns im Zuge Ihrer neuen Offenheit ja verraten, wie sich Karstadts Umsätze 2011 entwickelt haben.

Wir sind eine private Gesellschaft und veröffentlichen keine Geschäftszahlen. Nur so viel: Wir sind auf einem sehr guten Weg.

Das haben Ihre Vorgänger auch gesagt und scheiterten. Wo ist der Unterschied?

Bei Karstadt waren zu lange Zeit keine echten Händler in den entscheidenden Funktionen. Wenn man kein Händler ist, versteht man nicht, dass der Kunde die wichtigste Person ist. Das darf kein Lippenbekenntnis sein. Das müssen Sie leben. Wir werden die Kunden durch die richtigen Services und Produkte an uns binden und ihnen Hilfe anbieten, wenn sie mit einem Wunsch oder einem Problem zu uns kommen. Nur so stellt man sicher, dass die Kunden auch wiederkommen.

Wie bringen Sie diese Erkenntnis in die Filialen?

Durch Flexibilisierung der Arbeitszeiten, durch ein Incentivierungsprogramm, das wir als Vorreiter im Handel seit September umgesetzt haben, und durch Vereinfachung der Prozesse. Um zum Beispiel den Verwaltungsaufwand in den Filialen deutlich zu reduzieren, haben wir ein eigenes Programm gestartet. Wir nennen es bewusst „Liberate“. Und es gibt ein Bündel an weiteren Maßnahmen. Kürzlich haben wir zum Beispiel intern die Filialen mit den besten Weihnachtsdekorationen ausgewählt. Dazu haben sich alle Führungskräfte mehrere Tage lang alle Filialen angeschaut, Warenpräsentationen und Schaufensterarrangements verglichen. Gewonnen haben das Haus in Leipzig, die Filiale in der Berliner Müllerstraße und unser Standort in Bayreuth. So etwas motiviert alle Beteiligten. Und jetzt, in der Vorweihnachtszeit, helfen rund 500 Mitarbeiter aus der Hauptverwaltung in den Filialen aus – wohlgemerkt freiwillig und mit Freude. Es ist Jahre her, seit das bei Karstadt gemacht wurde.

Der Kunde soll König bleiben

Karstadt und Kaufhof Quelle: dapd

Was steht 2012 auf Ihrer Agenda?

Drei Dinge: umsetzen, umsetzen, umsetzen.

Soll heißen?

Wir müssen unsere Strategie mit Leben füllen und anwenden. Früher waren die Karstadt-Büros voll mit den Plänen von Unternehmensberatern. Nur umgesetzt wurde davon wenig. Das ändert sich gerade. Ich stehe für konsequente Umsetzung.

Welche Expansionspläne haben Sie für das kommende Jahr?

2012 stehen zwei bis drei Neueröffnungen an, voraussichtlich ein Warenhaus und zwei Sporthäuser. Schließungen sind nicht vorgesehen. Es ist ganz einfach: Der Kunde entscheidet letztlich über unseren Erfolg.

Ihre Strategie heißt Karstadt 2015. Lässt Ihnen Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen bis dahin überhaupt Zeit. Es gibt Zweifel, dass er dauerhaft an Karstadt beteiligt bleibt.

Herr Berggruen ist ein Investor, der sehr langfristig agiert. Er kam her, um Karstadt, eine echte Markenikone, zu retten, und ein Grund, warum ich ihm zugesagt habe, war seine langfristige Ausrichtung. Er engagiert und interessiert sich stark für Karstadt und ist begeistert von der Marke.

Berggruen will auch Ihren Wettbewerber Kaufhof kaufen. Was halten Sie von einer Fusion zwischen Karstadt und Kaufhof?

Ich konzentriere mich voll auf Karstadt, Karstadt und nochmals Karstadt. Ich bin als CEO für Karstadt zuständig, und meine Aufgabe ist es, dieses Unternehmen voranzubringen. Deshalb kann ich mich dazu nicht äußern. Herr Berggruen ist ein hervorragender Unternehmer. Er wird das tun, was er für richtig hält.

Wer ist Ihr Vorbild im Handel?

International gibt es einige ausgezeichnete Warenhausbetreiber, an denen wir uns orientieren, Selfridges in London zum Beispiel. Die waren vor einigen Jahren eine etwas angestaubte Marke, sind inzwischen aber wieder hip und cool.

Ist das Ihr Ziel? Cooles Karstadt – damit vergraulen Sie doch Ihre Stammkunden.

Im Gegenteil: Egal, in welchem Alter Sie sind, Sie wollen in einem modernen Haus, „voller Leben“, und nicht in einem gewöhnlichen Geschäft einkaufen. Modernität ist für uns eine Frage des Lebensstils, nicht des Alters.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%