Karstadt-Eigner Benko gegen Hudson's Bay Die bedeutenden Spielzüge im Kaufhaus-Poker

Neue Partnerschaften, große Versprechungen und Geraune im Hintergrund - der Bieterstreit zwischen René Benkos Signa und der Hudson's Bay Company geht in die heiße Phase. Eine Übersicht über den Stand im Warenhaus-Poker.

Ein Hinweisschild

"Rich history, bright future", tönten die Manager von Hudson's Bay am Dienstagabend auf der Hauptversammlung des kanadischen Handelskonzerns. Die Vergangenheit des Unternehmens sei stolz, große Erfolge aber stünden noch bevor. Eine Ansage, die wohl auch in Richtung Deutschland geht. Denn auch wenn Hudson's Bay seine Pläne noch immer nicht offen legt, das Interesse am Erwerb von Kaufhof scheint hoch.

Kampflos wird René Benko, einziger Kontrahent im Bieter-Streit, den Kanadiern das Feld nicht überlassen. Er spielt Karten aus, an die nur wenige gedacht hatten - und holt sich durch eine Partnerschaft mit La Rinascente aus Italien und der thailändischen Central Group auch neue Handelsexpertise an Bord. Ein Überblick über die entscheidenden Winkelzügen und wichtigen Momente im Kaufhaus-Poker.

Worum geht es?

Schon seit Jahren steht Galeria Kaufhof zum Verkauf. Während sich in der Vergangenheit jedoch kein Bieter fand, der bereit oder in der Lage war, einen Preis von mehr als zwei Milliarden Euro für die Warenhaustochter des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro zu bezahlen, buhlen jetzt gleich zwei Kandidaten um die 130 Kaufhof-Standorte mit mehr als 21.000 Beschäftigten.

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Wer sind die Interessenten?

Zum einen hat der kanadische Handelsriese Hudson's Bay Company (HBC) seinen Hut in den Ring geworfen. Hudson's Bay betreibt in seinem Heimatmarkt Kanada unter anderem 90 Warenhäuser. Zudem gehört die US-Kette Saks Fifth Avenue zu HBC. Der Konzern ist eines der ältesten Unternehmen der Welt. Die Unternehmenshistorie reicht bis ins Jahr 1670 zurück, als HBC das Monopol über den kanadischen Pelzhandel übertragen wurde.

Der zweite Bieter ist die österreichische Signa-Gruppe des Investors René Benko. Signas Geschichte ist nur rund 15 Jahre alt - dafür aber nicht minder schillernd. Benkos Truppe managt nach eigenen Angaben ein Immobilienvermögen von rund sechs Milliarden Euro. Nebenher ist Signa über die Handelssparte Signa Retail im Warenhausgeschäft aktiv. Im Sommer 2014 übernahm Benko das operative Geschäft des kriselnden Kaufhof-Konkurrenten Karstadt.

Wie viel bieten Signa und Hudson’s Bay?

Signa: 2,9 Milliarden Euro wollen die Österreicher für Kaufhof auf den Tisch legen - Immobilien inklusive. Ein stolzer Preis – aber schon 2011 war der österreichische Investor bereit, für die Warenhauskette 2,4 Milliarden Euro zu zahlen. Damals platzte der Deal – auch weil Olaf Koch, Chef der Kaufhof-Mutter Metro, Benkos Finanzierung zu fragil erschien. Jetzt stehen die Chancen offenbar besser: HypoVereinsbank und Citi stehen für die Finanzierung gerade.

HBC: Beim Preis dürften die Rivalen auf Augenhöhe sein. Das heißt, viel weniger als drei Milliarden Euro wird auch die Hudson's Bay Company nicht bieten. Dass man sich bei dem Verkauf nicht mit Peanuts abgeben wird, hatte die Metro zuvor deutlich gemacht. HBC kommt bei der Finanzierung der derzeit niedrige Euro-Kurs zugute.

Was haben Benko und HBC mit Kaufhof vor?

Signa: Entscheiden sich die Kaufhof-Eigentümer für die Österreicher, wird wohl das Konzept der viel beschriebenen „Deutschen Warenhaus AG“ Wirklichkeit – also ein Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt. Durch die Zusammenlegung von Karstadt und Kaufhof entstünde ein Kaufhaus-Riese mit zunächst 219 Warenhäusern und 38.000 Mitarbeitern. Dem Vernehmen nach soll im Benko-Modell die bisherige Kaufhof-Geschäftsführung an Bord bleiben. Karstadt könnte als Tochtergesellschaft an Kaufhof angedockt werden. Beide Marken sollen dabei aber erhalten bleiben.

HBC: Bekommt Hudson's Bay den Zuschlag, würde vor allem  das Online-Geschäft ausgebaut und besser mit den Filialen verzahnt werden. Auf 15 bis 20 Prozent könnte der E-Commerce-Anteil nach oben schnellen. Die Marke soll HBC im Nordamerika-Geschäft bereits erreicht haben. Zudem könnte Kaufhof zur Basis für eine weitere Expansion von HBC in Europa werden, möglicherweise auch durch weitere Übernahmen. Auch in der HBC-Variante soll die bisherige Kaufhof-Führung im Amt bleiben.

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