Karstadt-Krise Reicht Berggruen Karstadt an Benko durch?

Helfersyndrom: Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen soll mit dem österreichischen Immobilieninvestor René Benko über einen Verkauf verhandeln. Dass der Deal zustande kommt, bezweifeln Experten jedoch.

Einzelhandel mutiert zur Krisenbranche
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen:
KarstadtKarstadt-Investor Nicolas Berggruen möchte sich endgültig von den Warenhäusern trennen - das berichtet die Bild-Zeitung. Er verhandele mit der österreichischen Investorengruppe Signa des Unternehmers René Benko. Benko hatte im vergangenen Herbst bereits die drei Premium-Häusern und 28 Sportwarenhäusern der Kette gekauft. Die Berggruen-Holdings ist bisher noch mit einem Anteil von 24,9 Prozent an beiden Geschäftsbereichen beteiligt, außerdem gehören ihr noch die 83 Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Diese könnten nun - so die Bild - für nur einen Euro den Besitzer wechseln. Auch Berggruen hatte seiner Zeit nur einen symbolischen Euro für die marode Warenhaus-Gruppe gezahlt. Erst vor wenigen Tage hatte Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt nach nur wenigen Monaten im Konzern hingeschmissen. Quelle: ddp
KarstadtDer Warenhauskonzern Karstadt will bis Ende 2014 insgesamt 2000 Stellen abbauen. Die Branche leidet unter massiven Überkapazitäten außerdem wandern immer mehr Kunden ins Internet ab. Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden und primär über Frühpensionierungen, Nichtverlängerung von befristeten Verträgen sowie freiwilligen Austritt erfolgen. Die Gewerkschaften werfen Karstadt-Investor Nicolas Berggruen vor, nicht genug zu investieren. Im ersten Halbjahr 2013 hat sich die Lage bei Karstadt abermals verschärft, das Umsatzziel für das Geschäftsjahr wurde bereits um 230 Millionen Euro auf 3,1 Milliarden Euro herunterkorrigiert. Quelle: dpa
Strauss InnovationDie angeschlagene Warenhauskette hat am 22. April mit dem Räumungsverkauf begonnen. Ende März hatte das Unternehmen bekanntgegeben, mehr als jede fünfte der insgesamt 96 Filialen schließen und 200 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Strauss-Läden gibt es in 59 deutschen Städten. Durch ein zügiges Insolvenzverfahren will man die restlichen 1200 Arbeitsplätze erhalten. Der größte Teil der Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, soll die Möglichkeit bekommen, für sechs Monate in eine Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Die Warenhauskette Strauss Innovation hat am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Traditionsversandhändler Neckermann gehörte. Quelle: Screenshot
StrenesseDas Modeunternehmen geht auf Investorensuche. Die Nördlinger Designer hatten am 16. April einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Dabei bleibt der bisherige Vorstand im Amt, der externe Sachwalter wird der Geschäftsführung jedoch zur Seite gestellt. Zusätzlich wurde der Sanierungsexperte Michael Pluta in den Vorstand berufen. Vorstandschef Luca Strehle sagte, der Geschäftsbetrieb gehe uneingeschränkt weiter. „Ich bin immer noch überzeugt, dass wir auf dem absolut richtigen Weg sind. Der jetzige Schritt ist eine Zäsur, um die Sanierung voranzutreiben, ohne den Mühlstein der Altlasten mitschleppen zu müssen.“ Durch die Insolvenz gewinne man enorm an Liquidität. Strenesse gehört seit rund 65 Jahren der Familie Strehle. In den vergangenen Jahren hatte man jedoch mit sinkenden Umsätzen und tiefroten Zahlen zu kämpfen. Erst im Februar stand Strenesse vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Inhaber einer Schuldverschreibung über zwölf Millionen Euro entschieden, dass Strenesse drei Jahre Luft bekommt und das Geld erst 2017 zurückzahlen muss. Strenesse beschäftigt rund 350 Mitarbeiter und unterhält 15 eigene Geschäfte sowie Showrooms in München, Düsseldorf, Mailand, New York und Tokio. Im Geschäftsjahr 2011/2012 betrug der Umsatz des Konzerns 66,5 Millionen Euro. Quelle: Screenshot
Abercrombie & Fitch Der US-Modekette Abercrombie & Fitch bricht das Geschäft immer weiter weg. Der Umsatz fiel im abgelaufenen Quartal um zwölf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar, der Gewinn stürzte sogar um 58 Prozent auf 66,1 Millionen Dollar ab. Abercrombie & Fitch - auf Jugendliche spezialisiert und für seine leicht bekleideten Modelle bekannt - verliert seit längerem Kunden an Konkurrenten wie Zara, Forever 21 oder H&M. Sie wechseln ihre Kollektionen öfter und sind zudem günstiger.  Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Trade und Retail und Leiter des eWeb Research Centers an der Hochschule Niederrhein prognostizierte auf WirtschaftsWoche Online bereits Ende vergangenen Jahres: „Ich glaube nicht, dass es Abercrombie & Fitch noch lange in Deutschland geben wird. Ihr Geschäftsmodell ist zu angreifbar und kippt gerade in den USA, so dass es höchstwahrscheinlich bald zum Rückzug aus Übersee kommt.“ Quelle: REUTERS
Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit ehemals bundesweit 132 Standorten wird zerschlagen. Die Übernahmegespräche mit der Hellweg-Gruppe über die verbliebenen 73 Märkte waren Mitte November gescheitert; Ende November scheiterte dann auch eine Übernahme durch Globus. Am 28. November wurde dann bekannt, dass die Mannheimer Baumarktkette Bauhaus 24 Standorte des insolventen Konkurrenten übernimmt. Damit sollen rund 1300 der noch verbliebenen 3600 Arbeitsplätze abgesichert sein. Max Bahr hatte am 26. Juli 2013 die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragen müssen. Mutterkonzern Praktiker hatte am 11. Juli den Gang zum Insolvenzrichter absolviert. Quelle: dpa

Bei dem maladen Warenhauskonzern Karstadt geht es derzeit Schlag auf Schlag: Anfang der Woche quittierte die erst seit wenigen Monaten amtierende Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt den Dienst und zeigte damit, wie ernst die Lage bei dem Essener Unternehmen ist. Jetzt soll Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen mit dem österreichischen Immobilienunternehmer René Benko über den Verkauf des Unternehmens verhandeln, meldet die "Bild". Allein, Handelsexperten halten die Nachricht für alles andere als eine Sensation und geben keine Entwarnung für die Beschäftigten.

Benkos Unternehmen Signa hatte bereits im Herbst 2013 75 Prozent der Anteile an den Premium- und Sport-Warenhäusern von Karstadt übernommen - darunter das Berliner KaDeWe. Der auf Immobiliengeschäfte spezialisierten Finanzgruppe gehören zudem etliche Karstadt-Warenhausimmobilien. Bekannt ist schon seit Monaten, dass Signa und der israelische Diamantenmilliardär Beny Steinmetz über die Option verfügen, von Berggruen auch die Mehrheit am Kerngeschäft für einen Euro zu übernehmen.

"Doch warum sollten die Investoren diese Option ziehen?", fragte die WirtschaftsWoche bereits Anfang Dezember 2013.

Karstadts Krisen-Chronik

Denn der vermeintlich niedrige Kaufpreis von einem Euro ist in Wahrheit eine optische Täuschung: Die Modernisierungs- und Sanierungskosten für die sieche Kette dürften sich auf dreistellige Millionenbeträge summieren. Und seit 2013 hat sich die Lage kaum verbessert, die Bereitschaft zuzuschlagen dürfte auf Benkos Seite daher eher noch gesunken als gestiegen sein, heißt es in der Branche.

"Es gibt für Herrn Benko keinen Grund, ausgerechnet jetzt das operative Geschäft von Karstadt zu übernehmen", sagt etwa der Osnabrücker Handels- und Marketingfachmann Jakob Ruprecht. "Er stünde vor dem gleichen Problemen wie Investor Berggruen: Hoher Investitionsbedarf, extreme Reputationsrisiken und geringe Handlungsspielräume", so Ruprecht.

Berggruen hatte den Karstadt-Konzern im Juni 2010 selbst für den Symbolpreis von einem Euro übernommen und Investitionen versprochen. Tatsächlich soll Berggruen jedoch kaum eigene Mittel in das Unternehmen gesteckt haben. Die klassischen Warenhäuser werden nach früheren Angaben von Aufsichtsratschef Stephan Fanderl auch in diesem Jahr keinen Gewinn erwirtschaften. "Bei Karstadt sind die Immobilien interessant, operativ ist nur noch wenig Fleisch am Knochen", sagt Handelsexperte Ruprecht dazu.

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Vor allem im Modebereich würden die Konzepte fehlen, gelte das Unternehmen als zu austauschbar: "Wie soll ausgerechnet Karstadt als Kauf- und Warenhaus gegen H&M, Forever21, Desigual oder Superdry bestehen?", fragt Ruprecht.

Für Benko und seine Signa könnte das klassische Warenhausgeschäft von Karstadt daher allenfalls aus zwei Gründen interessant sein: Zum einen, wenn Berggruen den Kauf mit einer Millionen-Mitgift alimentiert. Zum anderen, wenn er eine Möglichkeit sieht, Karstadt über kurz oder lang mit dem Erzrivalen Kaufhof zu fusionieren. Dazu passt, dass Benko einst auch Favorit für den Kauf der Metro-Tochter Kaufhof war.

Die Idee einer Deutschen Warenhaus AG, eines Zusammenschlusses von Karstadt und Kaufhof, geistert allerdings schon seit Jahren durch die Branche. Auf Metro-Seite hält sich die Begeisterung für den Ansatz derzeit ohnehin in engen Grenzen. Metro-Chef Olaf Koch hatte jüngst bereits abgewunken - eine Kaufhaus-Allianz mit dem zu Metro gehörenden Kaufhof werde es nicht geben.

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