Karstadts verzweifelter Versuch Warum K Town scheitern musste

Mit dem Jugendableger K Town wollte Karstadt hip und cool werden. Jetzt wird das Experiment eingestampft. Das Ende ist der Anfang von Karstadts Neuorientierung.

Die Hauptdarsteller in der Kaufhaus-Soap
Karl-Gerhard Eick Quelle: dpa
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René Benko Quelle: dpa

Die Krisenmanager bei Karstadt haben Fakten geschaffen: Sechs Häuser werden dicht gemacht, offenbar binnen Jahresfrist. Neben zwei klassischen Kaufhäusern werden auch zwei Schnäppchencenter geschlossen – und der junge Ableger K Town wird komplett eingestampft.

Es ist das Ende von Karstadts Versuch, jugendlicher zu wirken. Und das bezeichnende Aus einer gescheiterten Strategie. Denn Karstadt schließt in diesem ersten Schritt nur die ganz krassen Problemfälle. Die, bei denen der Konzern einfach aus den Mietverträgen kommt und für die es gar keine Hoffnung mehr gibt. Abgestorbene Extremitäten an einem kranken Körper.

So zumindest fällt das Urteil des neuen Karstadt-Chefs aus. "Diese Häuser stecken nachhaltig in den roten Zahlen, und es gibt nach unserer Analyse keine Möglichkeit, dies zu drehen", sagt Stephan Fanderl im Interview mit dem "Handelsblatt". Über den jungen Ableger der Warenhauskette urteilt er: Das Konzept K Town habe sich einfach "nicht durchgesetzt".

Karstadts Krisen-Chronik


Dabei war K Town mit großen Zielen gestartet. "Mit unserem trendigen und Lifestyle-orientierten Konzept K Town sprechen wir einen ganz neuen, modernen Kunden mit einem sehr jungen Lebensstil an", hieß es hoffnungsfroh in Pressemitteilungen aus dem Jahr 2012.

Der erste K-Town-Store wurde im September 2011 in Göttingen eröffnet. Das Ambiente hat Industriehallen-Charakter und wirkt moderner als das biedere Karstadt-Kaufhaus: TV-Bildschirme, Lichtinstallationen, Lounge-Atmosphäre. Der Warenfokus lag von Beginn an auf jungen Marken: Desigual, Mavi, Blend, Superdry. 2012 folgte das zweite Geschäft in Köln - im Erdgeschoss der dortigen Karstadt-Filiale.

Die PR-Abteilung feierte den Schritt als Start der "Expansion von K Town". Es sei "Zeit, unser Pilotprojekt auszurollen". Doch Köln bleibt die einzige und letzte Neueröffnung. Die Kunden- und Umsatzzahlen erfüllten offenbar nie die Erwartungen. Das Management scheute den Schritt, das Experiment auszuweiten.

Der Versuch, mit K Town etwas völlig neues auf die Beine zu stellen, scheiterte. Für Experten keine Überraschung. "Das war gewollt und nicht gekonnt", sagt Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. "Jennings, der gescheiterte Ex-Chef, hat es nicht geschafft, Waren in der Auswahl, der Qualität und dem Preis anzubieten, wie die Kunden es wollten."


Für das Ende von K Town sei aber nicht allein die Idee dahinter verantwortlich, glaubt Gerd Hessert, der an der Universität Leipzig Handelsmanagement lehrt und lange vor Berggruen selbst Karstadt-Manager war. "Ganz offensichtlich wurde das Angebot nicht sonderlich positiv aufgenommen. Aber es gibt K Town auch nur an zwei Standorten. Da lässt sich nicht sicher sagen, ob nicht andere Faktoren für die Probleme verantwortlich waren." Um den möglichen Erfolg einzuschätzen, hätte das Konzept in größerem Stil erprobt werden müssen.

Dass das Experiment K Town nun zu Ende geht, sei kein Wunder, glaubt Hessert. "Einzelkonzepte ergeben in einer Sanierungsphase gar keinen Sinn", sagt der Handelsexperte. "Es ist die richtige Entscheidung, sich auf den Kern der Warenhauskette und die Grundsanierung zu konzentrieren. In dieser Phase muss der Konzern nicht noch Ballast mitschleppen."

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