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Kaufangebot von Liberty Steel IG-Metall-Vorstand Kerner fordert Staatseinstieg bei Thyssenkrupp

Exklusiv
Jürgen Kerner, IG-Metall Vorstandsmitglied und Thyssenkrupp-Vize-Aufsichtsrat, hält das Übernahmeangebot von Liberty Steel an Thyssenkrupp Steel für hilfreich. Quelle: IG Metall

IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner fordert eine rasche Entscheidung darüber, wie es mit der Stahlsparte von Thyssenkrupp weitergeht. Die Offerte von Liberty Steel sei hilfreich als Druckmittel für eine Staatsbeteiligung.

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Jürgen Kerner, IG-Metall Vorstandsmitglied und Thyssenkrupp-Vize-Aufsichtsrat, hält das Übernahmeangebot des britischen Wettbewerbers Liberty Steel an Thyssenkrupp Steel für hilfreich, weil es den Druck auf den Bund und das Land erhöhe, zu entscheiden, ob sie sich bei Thyssenkrupp Steel finanziell engagieren wollten oder nicht. „Wir brauchen eine Entscheidung noch in diesem Jahr, wie es weitergehen soll mit dem Stahl bei Thyssenkrupp“, sagte Kerner der WirtschaftsWoche.

Nach dem Angebot laute die Frage: Engagiere sich der Staat zuerst bei Thyssenkrupp oder gehen Bund und Land den anderen Weg, so Kerner gegenüber der WirtschaftsWoche. Ein Wettbewerber übernehme das Geschäft, der aber auch nicht ohne Staatshilfe das Ruder bei Thyssenkrupp Steel rumreißen könne. Kerner halte Letzteres für ungeschickt. „Wer zahlt, sitzt im Fahrersitz und kann bestimmen, was mit den Steuergeldern passiert. Diesen Hebel sollte sich das Land oder der Bund nicht aus der Hand nehmen lassen. Auch Liberty Steel wird nicht ohne Staatshilfe auskommen.“

Grüner Stahl sei nur mit staatlicher Unterstützung realisierbar. „Aus heutiger Sicht sehe ich für Thyssenkrupp Steel keine andere Lösung als einen zeitlich begrenzten Einstieg des Staates oder des Landes.“ Dieser könne nur eine Brücke sein, bis sich das Stahlgeschäft erhole. „Aus dieser gestärkten Position kann dann ein Partner gesucht werden. Deshalb halte ich einen Verkauf der Stahlsparte zum jetzigen Zeitpunkt an einen Wettbewerber für nicht richtig.“ Zumal Liberty Steel die erste und wichtigste Frage nicht beantwortet habe. „Ist Liberty Steel bereit, Cash in Thyssenkrupp zu investieren? Mit einem Eigentümerwechsel ändert sich gar nichts. Thyssenkrupp Steel hat massive Finanzprobleme.“

Am Ende sei Kerner egal, wer das Geld mitbringe, solange eine solide Finanzierung und ein nachhaltiges industrielles Konzept stehe. „Aber ich weiß auch: Den Märchenprinzen in der Industrie gibt es nicht, der Thyssenkrupp Steel rettet. Wir sollten deshalb das Pferd nicht von hinten aufzäumen und glauben, wenn Liberty Steel nur Zugeständnisse der Arbeitnehmer erfüllt, dann läuft das.“  Das sei nicht der Fall. „Zugeständnisse an Standorte und Mitarbeiter machen nur Sinn, wenn das finanzielle und wirtschaftliche Konzept, das Liberty Steel für Thyssenkrupp hat, sich trägt. Und das ist noch völlig unklar“, so Kerner.

Mehr zum Thema: Sanjeev Gupta hat in den vergangenen Jahren in zahlreiche Metall-, Energie- und Bergbauunternehmen investiert. Jetzt möchte er die Stahlsparte von Thyssenkrupp.

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