Kaufhof Hudson's Bay sorgt für Alarmstimmung

Kaufhof vor dem Umbruch: Die Pläne von Hudson’s Bay Company, dem neuen Eigentümer des Warenhauskonzerns, versetzen Mitarbeiter wie Rivalen in Aufregung.

Nach der bevorstehenden Übernahme der Warenhauskette Kaufhof will der kanadischen Konzern Hudson's Bay offenbar durchgreifen. Quelle: dpa

Das Schreiben aus Wien sorgte für ungläubiges Staunen in der Düsseldorfer Zentrale des Handelskonzerns Metro. Es gehe um das Thema „K2“, ließen die Chefs der österreichischen Signa-Gruppe den Metro-Vorstand am Freitag vergangener Woche wissen. „K2“, so lautete der interne Projektname, unter dem die Parteien vor Monaten über eine Übernahme der Metro-Tochter Kaufhof und den anschließenden Zusammenschluss mit dem Signa-Ableger Karstadt verhandelt hatten.

Doch die Idee war längst vom Tisch – zumindest aus Metro-Sicht. Mitte Juni hatte Konzernchef Olaf Koch den Verkauf von Kaufhof an einen anderen Bieter – den kanadischen Handelsriesen Hudson’s Bay Company (HBC) – verkündet. Doch in ihrer jüngsten Botschaft preschten die Österreicher erneut vor, fabulierten über mögliche Probleme bei der Abwicklung der Transaktion mit HBC und boten Metro die kurzfristige Wiederaufnahme der Kaufhof-Gespräche an.

Galeria Kaufhof im Überblick

Was auch immer sich die Mannschaft um Signa-Anführer René Benko von dem Vorstoß erhofft hat, zu „K2“ wird es auch diesmal nicht kommen: Signa blitzte nach Informationen der WirtschaftsWoche erneut bei Metro ab. Es gebe keinen Grund, die Verkaufsentscheidung zu überdenken, und auch keine Grundlage für weitere Gespräche, lautete die Antwort aus Düsseldorf.

Stattdessen werden Metro und HBC-Großaktionär Richard Baker das Geschäft über insgesamt 2,8 Milliarden Euro am kommenden Mittwoch endgültig unter Dach und Fach bringen. Vom 1. Oktober an übernimmt Baker dann das Oberkommando beim deutschen Traditionshändler. Eine Neuausrichtung beginnt, die nicht nur Kaufhofs Erzrivalen Karstadt in Atem halten dürfte, sondern auch die eigenen Mitarbeiter.

Schon in den vergangenen Wochen tingelten die „Baker Boys“, wie die Abgesandten des neuen Hausherren auf den Fluren der Kölner Hauptverwaltung halb ehrfurchtsvoll, halb spöttisch genannt werden, durch zahlreiche Filialen und stimmten das deutsche Management um Kaufhof-Chef Olivier Van den Bossche auf grundlegende Veränderungen ein. An drei zentralen Stellschrauben setzen sie dabei an:

Das ist die Hudson's Bay Company

  • Sie wollen das Sortiment um Marken erweitern, die sich in nordamerikanischen Geschäften bewährt haben. Vor allem die Schuhabteilungen sowie die Bereiche Kosmetik, Uhren, Schmuck und Handtaschen will Baker auf Vordermann bringen. „Wir sind schon mit vielen Partnern aus unserem weltweiten Lieferantennetzwerk in intensiven Gesprächen, um den Markteintritt in Deutschland zu diskutieren“, sagt er gegenüber der WirtschaftsWoche.
  • Kaufhofs Onlinegeschäft soll massiv ausgebaut werden. 2014 erzielten die Kölner im Netz gut zwei Prozent des Gesamtumsatzes. „In den kommenden Jahren ist ein Onlineanteil von zehn Prozent am Gesamtumsatz drin“, kündigt Van den Bossche an.
  • Das wohl heikelste Projekt: Kaufhof soll mittelfristig zum europäischen Sprungbrett für die HBC-Luxuslinie Saks Fifth Avenue werden, vor allem aber für die Outlet-Marke Saks Off 5th. In ausgewählten Warenhäusern könnten die Ableger dann als Untermieter einziehen.

Bis Saks tatsächlich die Atlantik-Querung wagt, dürften jedoch Monate, wenn nicht Jahre vergehen. Zunächst drängt ohnehin ein anderer Deal auf Bakers Agenda: Er will den Immobilienschatz der Kölner heben.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%