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Kaufhof-Karstadt-Fusion Joint Venture erhält 400 Millionen Euro Kapital

Exklusiv
Filialen der Kaufhäuser von Karstadt und Kaufhof Quelle: dpa

Die geplante Kaufhof-Karstadt-Fusion erhält von ihren Eigentümern eine Finanzspritze in Höhe von 400 Millionen Euro. Der Hauptsitz des Joint Venture soll in Köln entstehen.

Die beiden Warenhausketten Galeria Kaufhof und Karstadt erhalten nach dem geplanten Zusammenschluss von ihren Eigentümern eine Bargeldspritze in Höhe von 400 Millionen Euro. Darauf verständigten sich nach Informationen der WirtschaftsWoche die beiden Eigentümer Hudson’s Bay (HBC) und die Signa-Gruppe.

Danach legen beide Eigentümer jeweils 100 Millionen Euro in bar in das neue Unternehmen. Darüber hinaus wird die Signa-Gruppe die Immobilie Carsch-Haus in Düsseldorf und die Kaufhof-Filiale in der Hohen Straße in Köln erwerben. Beide Objekte gehören aktuell einem Konsortium um Kaufhof-Eigentümer HBC. Der Erlös aus dem Geschäft, abzüglich eines Kredits und Zahlungen an Dritte, beläuft sich auf rund 200 Millionen Euro. Dieser Betrag soll ebenfalls dem Joint Venture zu Gute kommen. Das erfuhr die WirtschaftsWoche aus Verhandlungskreisen. Weder HBC noch Signa gaben hierzu eine Stellungnahme ab.

Die Kapitalspritze fällt damit höher aus als zu Beginn der Fusionsverhandlungen angedacht war. Das Joint Venture sollte für mehrere Jahre durchfinanziert werden, heißt es aus dem Kreis der Beteiligten. Ebenfalls einigten sich beide Parteien darauf, dass der Hauptsitz des neuen Unternehmens in Köln sein wird, wo bereits die Kaufhof-Zentrale angesiedelt ist. Nach Informationen der WirtschaftsWoche soll der Zusammenschluss noch in dieser Woche verkündet werden. Danach gehen nicht nur die beiden Warenhausketten zusammen. Karstadt-Eigentümer Signa wird sich auch an rund 60 Kaufhof-Immobilien von HBC beteiligen. Der Kaufpreis hierfür beläuft sich auf rund 900 Millionen Euro. Insgesamt muss Signa mehr als eine Milliarde Euro aufbringen, damit der Deal zustande kommt. 100 Millionen Euro sind davon laut Vereinbarung vorab an HBC zu zahlen. Dieser Betrag soll bereits geflossen sein.

Der Vertrag, der die Fusion final besiegelt, ist noch nicht unterschrieben. In der vergangenen Woche war aber bekannt geworden, dass der Karstadt-Eigentümer, die österreichische Signa-Gruppe von René Benko, und die Kaufhof-Mutter HBC, das noch in dieser Woche nachholen wollen. Damit wird der zweitgrößte Warenhauskonzern in Europa entstehen – nach dem spanischen Unternehmen El Corte Inglés.

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Aufstieg und Niedergang der deutschen Warenhäuser
Georg Wertheim ist Deutschlands Warenhauspionier. Sein erstes Warenhaus eröffnete er 1876 in Stralsund. Für Furore sorgte er aber später mit seinem glanzvollen Neubau an der Leipziger Straße in Berlin, nur wenige Meter vom Potsdamer Platz entfernt. (Bild: Berlin Mitte, Blick auf den Leipziger Platz, Aufnahmedatum: ca. 1935) Quelle: imago
Das neue Format setzte sich schnell durch - die ersten Filialketten entstanden. Rudolph Karstadt eröffnete am 14. Mai 1881 sein „Manufactur-, Confections- und Tuchgeschäft“ in Wismar, aus dem die spätere Karstadt AG hervorging. In Berlin dominierte Wertheim das Geschäft. Den Süden sicherte sich Hertie-Namensgeber Hermann Tietz und im Rheinland legte Leonhard Tietz die Grundlagen für die heutigen Kaufhof-Häuser.  (Bild: Hermann Tietz mit Ehefrau) Quelle: PR
Warenhäuser machten Luxusgüter auch für das Bürgertum bezahlbar. "Die vornehme Dame steht schwesterlich neben der kleinen Choristin, und keine wird vor der anderen bevorzugt", vermerkte das "Berliner Tageblatt" 1907 bei der Eröffnung des KaDeWe. (Bild: Ein vom Kaufhaus des Westens herausgegebenes Foto zeigt die Zigarrenabteilung im KaDeWe in Berlin im Jahr 1928. Die Tabakwaren befinden sich bereits seit der Eröffnung im Erdgeschoss des Kaufhauses.) Quelle: AP
Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs das Geschäft rasant. 1929 eröffnete Karstadt in Berlin-Kreuzberg am Hermannplatz eines der damals größten Warenhäuser der Welt. Auf neun Stockwerken waren anfangs rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt.  (Bild: Karstadt in Berlin, Aufnahmedatum: zwischen 1933 und 1936) Quelle: Getty Images
Da die Familien Wertheim und Tietz Juden waren, regten sich bald antisemitische Stimmen. Warenhäuser wurden als „Bazare“ diffamiert, obwohl dort Festpreise galten. Unter den Nationalsozialisten verschärften sich die Anfeindungen. Georg Wertheim schenkte sein gesamtes Vermögen seiner nicht-jüdischen Ehefrau Ursula. 1937 schrieb er kurz vor seinem 80. Geburtstag in sein Tagebuch: „Austritt aus dem Geschäft. Firma als deutsch erklärt.“ Er selbst hatte da schon Hausverbot. (Bild: Blick auf das Warenhaus Wertheim, Aufnahmedatum: 1935)
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren in den deutschen Städten auch die meisten großen Kaufhäuser zerstört. Als mit dem Wirtschaftswunder ihr Wiederaufbau begann, ging es demonstrativ schlicht und funktional zu. Die von Egon Eiermann entworfene Horten-Kachel oder die weiße Hertie-Metallplatten, sorgten für ein gleichförmiges Erscheinungsbild. Doch dem Warenhauserfolg tat das keinen Abbruch.  (Bild: Fotoausstellung zum Kriegsende auf dem Alexanderplatz, Aufnahmedatum: 2015) Quelle: imago
Der Marktanteil der Warenhäuser stieg in den Wirtschaftswunderjahren auf bis zu 15 Prozent. Karstadt, Kaufhof, Hertie und Horten dominieren die Konsumlandschaft und die deutschen Einkaufsstraßen. (Bild: Galeria Kaufhof in Frankfurt am Main, Aufnahmedatum: 1960) Quelle: Getty Images

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