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Kaufhof und Karstadt Glanz und Elend der deutschen Warenhäuser

Die Fusion von Karstadt und Kaufhof ist in greifbarer Nähe. Der Zusammenschluss markiert das Ende einer Ära: Vom glorreichen Erfolg der Einkaufstempel ist wenig geblieben. Ausflug in eine bewegte Historie.

Georg Wertheim ist Deutschlands Warenhauspionier. Sein erstes Warenhaus eröffnete er 1876 in Stralsund. Für Furore sorgte er aber später mit seinem glanzvollen Neubau an der Leipziger Straße in Berlin, nur wenige Meter vom Potsdamer Platz entfernt. (Bild: Berlin Mitte, Blick auf den Leipziger Platz, Aufnahmedatum: ca. 1935) Quelle: imago
Das neue Format setzte sich schnell durch - die ersten Filialketten entstanden. Rudolph Karstadt eröffnete am 14. Mai 1881 sein „Manufactur-, Confections- und Tuchgeschäft“ in Wismar, aus dem die spätere Karstadt AG hervorging. In Berlin dominierte Wertheim das Geschäft. Den Süden sicherte sich Hertie-Namensgeber Hermann Tietz und im Rheinland legte Leonhard Tietz die Grundlagen für die heutigen Kaufhof-Häuser.  (Bild: Hermann Tietz mit Ehefrau) Quelle: PR
Warenhäuser machten Luxusgüter auch für das Bürgertum bezahlbar. "Die vornehme Dame steht schwesterlich neben der kleinen Choristin, und keine wird vor der anderen bevorzugt", vermerkte das "Berliner Tageblatt" 1907 bei der Eröffnung des KaDeWe. (Bild: Ein vom Kaufhaus des Westens herausgegebenes Foto zeigt die Zigarrenabteilung im KaDeWe in Berlin im Jahr 1928. Die Tabakwaren befinden sich bereits seit der Eröffnung im Erdgeschoss des Kaufhauses.) Quelle: AP
Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs das Geschäft rasant. 1929 eröffnete Karstadt in Berlin-Kreuzberg am Hermannplatz eines der damals größten Warenhäuser der Welt. Auf neun Stockwerken waren anfangs rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt.  (Bild: Karstadt in Berlin, Aufnahmedatum: zwischen 1933 und 1936) Quelle: Getty Images
Da die Familien Wertheim und Tietz Juden waren, regten sich bald antisemitische Stimmen. Warenhäuser wurden als „Bazare“ diffamiert, obwohl dort Festpreise galten. Unter den Nationalsozialisten verschärften sich die Anfeindungen. Georg Wertheim schenkte sein gesamtes Vermögen seiner nicht-jüdischen Ehefrau Ursula. 1937 schrieb er kurz vor seinem 80. Geburtstag in sein Tagebuch: „Austritt aus dem Geschäft. Firma als deutsch erklärt.“ Er selbst hatte da schon Hausverbot. (Bild: Blick auf das Warenhaus Wertheim, Aufnahmedatum: 1935)
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren in den deutschen Städten auch die meisten großen Kaufhäuser zerstört. Als mit dem Wirtschaftswunder ihr Wiederaufbau begann, ging es demonstrativ schlicht und funktional zu. Die von Egon Eiermann entworfene Horten-Kachel oder die weiße Hertie-Metallplatten, sorgten für ein gleichförmiges Erscheinungsbild. Doch dem Warenhauserfolg tat das keinen Abbruch.  (Bild: Fotoausstellung zum Kriegsende auf dem Alexanderplatz, Aufnahmedatum: 2015) Quelle: imago
Der Marktanteil der Warenhäuser stieg in den Wirtschaftswunderjahren auf bis zu 15 Prozent. Karstadt, Kaufhof, Hertie und Horten dominieren die Konsumlandschaft und die deutschen Einkaufsstraßen. (Bild: Galeria Kaufhof in Frankfurt am Main, Aufnahmedatum: 1960) Quelle: Getty Images
Der Niedergang des Alles-Unter-einem-Dach-Formats beginnt erst in den achtziger Jahren, als auf der grünen Wiese Einkaufszentren, Fach- und Verbrauchermärkte nach US-Vorbild entstehen. Die Branche gerät unter Konsolidierungsdruck. 1994 geht Kaufhof mit Horten zusammen, Karstadt schluckt die Hertie-Gruppe. Doch die Abwanderung der Kunden kann das nicht aufhalten. (Bild: Karstadt-Filiale in Berlin-Kreuzberg, Aufnahmedatum: 2004) Quelle: imago
Als neben Shoppingcentern und Fachmärkten zusätzlich noch das Internet Kunden kostet, verstärkt sich der wirtschaftliche Druck. Eine Krise jagt die nächste, Stellen werden gestrichen, 2009 muss Karstadt Insolvenz anmelden, wird zwar gerettet und verkauft. Doch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind bis heute nicht überwunden. (Bild: Mahnwache vor Karstadt am Bahnhof München, Aufnahmedatum: 7.6.2009) Quelle: imago
Galeria Kaufhof gelingt es, lange Zeit Kurs zu halten. Das ändert sich erst, nachdem der Eigentümer Metro Kaufhof 2015 an den kanadischen Handelskonzern HBC verkauft. Unter kanadischer Führung geht es rapide bergab. Die goldene Warenhausära ist Geschichte. Quelle: PR
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