WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kaufhof und Karstadt Was die Warenhäuser retten könnte

Seite 3/3

„Karstadt und Kaufhof waren zu lange mit sich selbst beschäftigt“

Dieses Projekt ist ein wichtiger Teil der Zukunftsstrategie unter dem Arbeitstitel „Die blaue Agenda 2020“ – und deshalb Chefsache. Die neue Chief Operating Officer Claudia Reinery, die Anfang September von der Parfümerie-Kette Douglas zu Karstadt wechselt, soll Fanderl entlasten, damit er sich stärker auf die Digitalstrategie konzentrieren kann. „Ich werde ab September die Digitalisierung von Karstadt noch offensiver vorantreiben und mich noch mehr um neue Partnerschaften und den Ausbau unserer Handelsplattform kümmern“, sagt Fanderl.

Das ist wohl auch dringend nötig. „Bei der Digitalisierung sind Kaufhof und vor allem Karstadt noch nicht weit genug“, stellt Handelsexperte Hauf fest. Zu lange lautete offenbar die Devise „Weiter so“, statt zu schauen, welche neuen Ideen es auch im Ausland gibt. „Karstadt und Kaufhof waren zu lange mit sich selbst beschäftigt und haben sich nicht genug darauf konzentriert, das Kerngeschäft zu stärken und auf die Zukunft auszurichten“, kritisiert auch Joachim Stumpf, Geschäftsführer der Handelsberatung BBE.

Die Studie von Hachmeister + Partner hat beim internationalen Vergleich zwei zentrale Erfolgsfaktoren für das Warenhaus der Zukunft ermittelt: Zum einen muss die Kommunikation mit den Kunden intensiver werden. Zum anderen muss das Einkaufserlebnis in den Filialen verbessert werden.

Als vorbildlich sehen die Experten dabei neben Selfridges die italienische Kette La Rinascente und Nordstrom aus den USA. La Rinascente beispielsweise hat sich profiliert durch einen starken Bezug zur Kunst, veranstaltet Ausstellungen und sponsert große Events. Nordstrom wiederum hat durch eine ausgefeilte Social-Media-Strategie sein Onlinegeschäft gepusht.

Die neueste Idee von Nordstrom ist ein Mode-Geschäft ohne Kleidung. In der Kreuzung aus Bar, Beauty-Salon und Personal-Shopping-Erlebnis in Los Angeles werden die Kunden in Ankleidezimmern von den Mitarbeitern persönlich beraten, unterstützt von einer Styling-App. Während sie dann ein Bier oder einen Kaffee trinken oder sich die Nägel machen lassen, wird ihr Outfit angeliefert. Wenn etwas nicht passt, gibt es auch eine Änderungsschneiderei.

Als einen Weg, neue Kunden anzulocken und gleichzeitig die eigene Verkaufsfläche zu reduzieren, holen sich die deutschen Warenhauskonzerne jetzt attraktive Partner in die Häuser. So startet Karstadt noch dieses Jahr eine Kooperation mit der Kinderkleidermarke Sfera, einer Tochter des spanischen Kaufhausbetreibers El Corte Inglés. Kaufhof hat sich mit dem britischen Klamottenhändler Top Shop und der US-Parfümerie Sephora verbündet und will mit ihnen Shop-in-Shop-Konzepte für zahlreiche Filialen entwickeln.

Experte Stumpf sieht solche Kooperationen durchaus als „Bereicherung und Aufwertung“. Doch das Kernproblem lösten sie nicht: „Damit gelingt nicht der Beweis, dass das Konzept Warenhaus funktioniert.“ Dazu braucht es noch mehr innovative Ideen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%