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Kaufhof wird kanadisch Hudson's Bay schlägt Benko im Bieterrennen

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Die Immobilien haben den größten Wert


Als entsprechend wichtiger Faktor gelten die Immobilien bei der Kaufhof-Übernahme: Für den Kaufpreis wechseln auch die rund 60 Filialen, die  im Besitz von Kaufhof selbst sind, den Eigentümer. Viele der Gebäude stehen in den 1A-Lagen von Innenstädten. Der Großteil der Kaufsumme, heißt es in der Branche, sei für diese Immobilien gezahlt worden. Sie sind gutes Geld wert, selbst wenn der Warenhaushandel keine Zukunft hat.

In der Belegschaft sorgen solche Überlegungen und auch die Entscheidung zu Gunsten von Hudson's Bay für Unruhe. Zwar hat HBC bereits eine vorläufige Jobgarantie für die Mitarbeiter gegeben. Doch trotz der Versprechungen: Wie es auf Dauer mit den Filialen und den Arbeitsplätzen weitergeht, ist ungewiss. Um Kaufhof über Jahre hinweg gewinnorientiert betreiben zu wollen, scheinen Einsparungen unausweichlich.

Niederlage für Benko

Noch am vergangenen Freitag hatte die Gewerkschaft Verdi ein dreiseitiges Schreiben an HBC und Signa geschickt. Darin fordert die Gewerkschaft unter anderem, dass in den nächsten fünf Jahren keine Kaufhof-Warenhäuser geschlossen und keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden.


Ob nun Hudson’s Bay aus Arbeitnehmersicht die richtige Wahl ist, darüber waren sich ihre Vertreter offenbar nicht einig. Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Wochenende unter Berufung auf Insider berichtete, favorisierten die Metro- und Kaufhof-Betriebsräte im Vorfeld HBC als Käufer. Sie sahen in der Warenhaus AG, also dem Zusammenschluss mit dem kriselnden Karstadt-Konzern, wie ihn dessen Eigner René Benko anstrebte, ein Risiko für die Arbeitsplätze bei Kaufhof. Mit Blick auf den angeschlagenen und alleinstehenden Karstadt-Konzern hätten Verdi-Vertreter offenbar lieber die Signa-Holding als Sieger gesehen.

Für den österreichischen Immobilieninvestor Benko ist die Entscheidung eine krachende Niederlage. Mit seiner Signa Holding hatte er sich früh an dem Bieterrennen beteiligt, dessen Ausgang lange ungewiss war. „Neben einem angemessenen Preis und einer soliden Finanzierung“ müsse ein potenzieller Käufer „auch ein schlüssiges Zukunftskonzept vorlegen“, hatte Metro-Chef Olaf Koch im Gespräch mit der WirtschaftsWoche die Bedingungen für einen Kaufhof-Verkauf dargelegt. Das schließe „eine solide Zukunft“ für die Mitarbeiter ein.

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Es bleibt die Konkurrenz zwischen Kaufhof und Karstadt

Zumindest auf den ersten Blick erfüllte Benko die Anforderungen. Er bot etwa die gleiche Kaufsumme und versprach eine Job- und Standortgarantie. Am Ende war das Konzept der Kanadier überzeugender: Zugeständnisse im Bezug auf Mitarbeiter, eine solidere Finanzierungsstruktur und Wachstums- und Investitionspläne hätten mehr überzeugt, heißt es. Bereits 2011 waren Benkos Übernahme-Pläne für Kaufhof gescheitert. Damals trat Metro vom Verkauf zurück, obwohl der Immobilieninvestor angekündigte hatte, 2,4 Milliarden Euro zahlen zu wollen.

Die Vision einer deutschen Warenhaus AG ist damit vom Tisch. Die Verschmelzung von Kaufhof und dem zur Signa Holding gehörenden Karstadt war immer wieder als Rettung für die kriselnde deutsche Warenhausbranche diskutiert worden. So wäre die Möglichkeit entstanden, Doppelstrukturen aufzulösen, Kosten einzusparen und unter anderem das Warenangebot zu koordinieren.

Durch den Einstieg von HBC bleibt die Karstadt-Kaufhof-Konkurrenz mindestens so lange bestehen, bis klar ist, ob sich die Kanadier mit ihrer Premium-Strategie durchsetzen können.

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