Kaufhof wird kanadisch Hudson's Bay schlägt Benko im Bieterrennen

Erdbeben in der Warenhauswelt: Der Metro-Konzern verkauft Kaufhof an die Hudson's Bay Company. Damit schlagen die Kanadier René Benko, müssen aber jetzt beweisen, dass sie den schwierigen deutschen Markt in den Griff bekommen.

Das Logo der Warenhaus-Kette Galeria Kaufhof Quelle: dpa

Die Entscheidung ist gefallen: Kaufhof geht an die Hudson's Bay Company (HBC). Die Kanadier sind bereit, für die Warenhauskette mit rund 130 Standorten in Deutschland und Belgien und mehr als 21.000 Beschäftigten 2,8 Milliarden Euro an die Metro Gruppe zu zahlen. Die Entscheidung hatte sich in den vergangenen Tagen angedeutet. Gegenüber der WirtschaftsWoche hatten Insider erklärt, die Kanadier seien die Favoriten.

"HBC hat nicht nur das beste Angebot für eine sichere Zukunft von Galeria Kaufhof unterbreitet, sondern auch eine werthaltige Offerte für unsere Anteilseigner vorgelegt", erklärte Metro-Chef Koch. Richard Baker, Chef der Hudson's Bay Company, zeigte sich überzeugt, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. "Es ist das richtige Investment zum richtigen Zeitpunkt", sagte der 49-Jährige.

Das ist die Hudson's Bay Company


Ob der kanadische Sieger im Warenhaus-Poker, HBC, nun tatsächlich zum großen Gewinner wird, ist ungewiss. Zwar hat Kaufhof in den vergangenen Jahren anders als Konkurrent Karstadt Gewinne erwirtschaftet. Doch die Ergebnisse waren allenfalls solide.

Der Metro-Konzern hatte immer wieder betont, Kaufhof passe nicht mehr ins eigene Portfolio. Entsprechend gering war das Interesse, sich über Gebühr mit dem Warenhaus zu befassen. Metro hielt Kaufhof auf Kurs und über Wasser, große Investitionen in die Modernisierung oder gar in eine Neuausrichtung der Warenhauskette blieben aus.

Dabei sind die Probleme offensichtlich: Die Konkurrenz durch den Onlinehandel setzt den Warenhäusern massiv zu. In vielen Klein- und Mittelstädten funktioniert das Konzept der Warenhäuser, Produkte alle Kategorien unter einem Dach zu verkaufen, nicht mehr. Handelsexperten gehen von einem Filialsterben in den kommenden Jahren aus. Karstadt, das von der Entwicklung wesentlich stärker getroffen wurde, hatte zuletzt schon deutliche Einschnitte an Standort- und Stellenzahlen vorgenommen.

Die Hudson's Bay Company, nach eigenen Angaben Nordamerikas ältestes Unternehmen, betritt mit dem Kaufhof-Deal absolutes Neuland: Es ist der erste Schritt des Konzerns nach Europa. Wie die Kanadier die Herausforderungen auf dem deutschen Markt bewältigen wollen, ist nur in Grundzügen klar.

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Wie es aus unternehmensnahen Kreisen heißt, wollen die Kanadier das Warenhausgeschäft auf edel trimmen. Geld soll in die Optik und Ausstattung der Geschäfte gesteckt, Präsentations- und Verkaufsflächen aufgewertet werden. In den USA hat Hudson’s Bay damit nach der Übernahme der Edelwarenhauskette Saks Fifth Avenue bereits Erfahrungen sammeln können.

Damit würde sich auch das Warenangebot ändern - hin zu höherpreisigen Artikeln und Kleidung. Unter anderem wird spekuliert, dass die Nobelmarke Saks nach Deutschland gebracht werden könnte - als Ergänzung, ohne Kaufhof als Kernmarke abzulösen.

Hudson's Bay will E-Commerce bei Kaufhof ausbauen

Einen deutlichen Ausbau dürfte das Online-Geschäft von Kaufhof erfahren. Wie Insider berichten, will die Kette stark in den Ausbau des Online-Handels investieren und ihn besser mit den Filialen verzahnen. Liegt der E-Commerce-Anteil derzeit noch deutlich im einstelligen Bereich, soll er demnach unter Kontrolle von Hudson’s Bay auf 15 bis 20 Prozent ausgebaut werden. Die Marke soll der Konzern im Nordamerika-Geschäft bereits erreicht haben.

Erwartet wird, dass Kaufhof für die Hudson’s Bay nur ein erster Anlauf ist, um in Europa Fuß zu fassen. Die deutsche Warenhauskette könnte die Basis für die Expansion auf dem Kontinent sein, möglicherweise auch durch weitere Übernahmen. Ohne Namen zu nennen bekräftigte HBC-Eigentümer Richard Baker am Rande der Hauptversammlung in der vergangenen Woche die Wachstumspläne im Ausland. HBC sei auf der Suche nach Objekten, die die Chance für Synergieeffekte bieten oder die über ein großes und wertvolles Immobilienportfolio verfügen.

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