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Keks-Klau Von Keksen, Schimpansen und George Clooney

Der Keks-Klau beim Bahlsen-Konzern ist vielleicht nur der Anfang. Mit etwas Phantasie sind noch schrägere Aktionen durchgeknallter Aktivisten auf die Wahrzeichen von Unternehmen denkbar. Hauptsache, die Chefs nehmen es mit Humor.

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Anonyme Keks-Guerrillas haben das Wahrzeichen des Gebäckherstellers Bahlsen, ein 100 Jahre alter und 20 Kilogramm schwerer goldfarbener Keks, von der Fassade der Bahlsen-Zentrale in Hannover geklaut. Quelle: dapd

Selbst die gewieftesten Strategen dürften mit einer solchen Attacke nicht gerechnet haben. Kurz nachdem der goldglänzende Keks über dem Eingang der Bahlsen-Zentrale in Hannover verschwunden war, flatterte ein Bekennerschreiben ein – allerdings nicht bei dem bekannten Backwarenhersteller selbst, sondern in der Redaktion der Lokalzeitung.

Deutschlands Schoko-Riesen
Schlager Süsstafel Quelle: dpa
Berggold "Sturm der Liebe" Quelle: Screenshot
Halloren-Kugeln Quelle: dpa
Rübezahl Schokoladen Quelle: Presse
Trumpf: Edle Tropfen Quelle: Screenshot
Moser Roth
Stollwerck-Gruppe: Die Markensammler Quelle: dapd

Das Unternehmen solle Kekse an ein örtliches Kinderkrankenhaus spenden (Vollmilch!), wenn es sein Firmenschild wiedersehen wolle, fordern die ominösen Absender unter dem Pseudonym Krümelmonster. Der schwarze Humor hinter dieser Aktion dürfte Bahlsen-Chef Werner Michael Bahlsen gehörig auf den Keks gehen – das stark strapazierte Wortspiel wird an dieser Stelle übrigens garantiert nicht nochmal verwendet, versprochen.

Was den Unternehmenslenker so nerven dürfte, ist die Tatsache, dass sich die renommierte Marke unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit trefflich öffentlich vorführen lässt. Die anonymen Keks-Guerrillas haben diese Verwundbarkeit offenbar erkannt und geschickt ausgenutzt. Derweil dürften die PR-Strategen bei Bahlsen hektisch in ihren Schubladen wühlen und fleißig Belege dafür heraussuchen, dass der Kekskonzern auch vor der skurrilen Erpressungsaktion bereits aus eigenem Antrieb zahlreiche wohltätige Zwecke gefördert hat.

Die Kollegen in anderen Unternehmen sollten nun genau beobachten, wie Bahlsen auf die unangenehme Situation reagiert, denn man kann nicht ausschließen, ob der Fall schnell Schule macht. Mit etwas Phantasie sind noch deutlich geschmackloserer Satire-Aktionen nach dem Vorbild der Keks-Attacke denkbar. Daher sei Trigema-Eigner Wolfgang Grupp hier schon mal augenzwinkernd empfohlen, seinen berühmten Schimpansen schnellstens unter zu Personenschutz stellen.

Es ginge noch schräger als die Keks-Attacke

Aldi verkauft "Paris"-Raketen
Werbe-Patzer vor Silvester: Aldi Süd verkauft ein 105-teiliges Feuerwerks-Paket mit "7 Brilliant-Bomben-Raketen" und "fetzigen Knallfröschen" unter dem Namen "Paris". Viele Kunden sind erzürnt. Zu sehr fühlen sie sich an die zwei Terrorserien in der französischen Hauptstadt erinnert, die in diesem Jahr mehr als 140 Menschen das Leben kosteten. Der Name sei "peinlich" und "geschmacklos", heißt es in den Sozialen Netzwerken. "Das nenn ich nen Totalausfall der Marketingabteilung", schreibt ein Twitter-Nutzer. Discounter Aldi, der auch Feuerwerks-Körper mit Namen wie Kapstadt und "Palermo" im Angebot hat, erklärt den Fauxpas mit den langen Bestell- und Produktionsvorläufen. "Bitte seien Sie versichert, dass es nicht unsere Absicht war, unsere Feuerwerkskörper mit den Anschlägen von Paris in Verbindung zu bringen", antwortet der Discounter verärgerten Facebook-Nutzern. "Unsere Silvesterpakete werden bereits weit im Voraus gekauft und geplant, sodass eine Reaktion auf aktuelle Ereignisse leider nicht möglich ist." Auch andere große Unternehmen haben sich mit Werbe-Schnitzern schon den Unmut ihrer Kunden zugezogen.
Die Modekette Sinn Leffers bot ein Shirt an, auf dem ein sexistischer Spruch prangt: "Twinkle, twinkle, little whore - close your legs, they're not a door". "Blinzel, blinzel, kleine Hure - schließe deine Beine, sie sind keine Tür". Das T-Shirt stammt vom französischen Anbieter Boom Bap, der für provokante Sprüche bekannt ist. In den sozialen Netzwerken entlud sich ein Shitstorm. Mittlerweile hat das Unternehmen reagiert und sich entschuldigt. Die T-Shirts wurden aus dem Sortiment genommen. Insgesamt haben wohl 500 Shirts in 30 Filialen im Regal gelegen - auch beim Mutterunternehmen Wöhrl. Quelle: Screenshot
"Dreifarbige Sklaven-Sandalen" bot die Modekette Zara in ihrem Online-Shop an - und erntete sogleich Protest und Spott. In den sozialen Netzwerken verbreiteten sich schnell Bilder des Angebots. "Die Hakenkreuze waren wohl nicht genug", twitterte etwa Userin Ronja M. Das Unternehmen spricht von einem "Übersetzungsfehler" - worin dieser bestehen soll, wurde allerdings nicht erklärt. Zara nahm die Schuhe inzwischen aus dem Sortiment. Quelle: Screenshot
Auf den Spott musste die Modekette Mango angesichts dieses " Chiffonhemds mit Blitzmuster", wie die Bluse im Prospekt heißt, nicht lange warten. Die Frage "Wehrmacht denn sowas?" scheint nicht ganz unberechtigt, erinnern die "Blitze" doch sehr stark an die Sig-Runen des SS-Emblems. Immerhin hat Mango das Doppel-S vermieden, die Frage nach dem "totalen Look" war dennoch unvermeidlich und auch nicht ganz daneben: Mango selbst bietet auf seiner Website ein Pombipaket mit Hose und Stiefel an – beworben mit dem Spruch "Wollt ihr den Total Look".Bekannt zynisch meldete sich auch der Satiriker und Europaabgeordneter Martin Sonneborn auf Facebook zu Wort: "Wieso hat Mango dieses Modell nur für Damen – es gibt doch auch männliche Nazis…?" Quelle: Screenshot
Damit frau zu Halloween in sexy Kostüme passt, sollte sie Sandwiches der Fast-Food-Kette Subway essen. Mit diesem neuen Werbespot ( hier geht es zum Video auf Youtube) setzte sich die Sandwich-Bude gehörig in die Nesseln. Im Internet hagelt es Kritik an der Botschaft, dass Frauen dünn und aufreizend gekleidet zu sein hätten. Auch die Werbebotschaft, mit den Weißbrot-Sandwiches abnehmen zu können, sorgt für Beschwerden. Quelle: Screenshot
"Butter zum Braten von Schweizern" gibt es dank einer Übersetzungspanne bei der Schweizer Supermarktkette Migros zu kaufen. Auf ihrem Produkt „Schweizer Bratbutter“ heißt es im italienischen Untertitel „Burro per arrostire Svizzeri“. Das bedeutet: „Butter zum Braten von Schweizern“. „Das ist peinlich und unfreiwillig komisch zugleich“, sagte Migros-Sprecherin Martina Bosshard. Es handele sich um einem „blöden Übersetzungsfehler“. Das Produkt sei seit zwei Wochen auf dem Markt, seitdem sei auch der Fehler bekannt. Mitarbeiter im italienischsprachigen Kanton Tessin hätten das Missgeschick beim Auspacken bemerkt. Man habe daraufhin sofort mit der Produktion neuer Packungen begonnen. Weil das Produkt selbst aber einwandfrei sein, verkaufe man zunächst noch die Ware in der alten Verpackung ab. Quelle: Screenshot
Das Verteidigungsministerium hat eine Werbekampagne für Frauen in der Bundeswehr nach einer Panne abgebrochen. Auf der Internetseite war eine Werbung für „Zewa wisch & weg“-Haushaltstücher mit der Unterzeile aufgetaucht: „So vielfältig wie Sie: Individuelle Karrieremöglichkeiten für Frauen bei der Bundeswehr.“ Die Seite war von einer vom Bundesamt für das Personalwesen der Bundeswehr beauftragten Werbeagentur erstellt worden. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums erklärte, dass die Kampagne bis auf weiteres gestoppt wurde. „Sollten sich erste Angaben erhärten, dass ein Programmierfehler der vom Bundesamt beauftragten Agentur Ursache für die irrtümliche Verbreitung des „Zewa-Bildes“ und die sich anschließende rufschädigende Diskussion war, behält sich das Ministerium rechtliche Schritte vor“, erklärte sie. Über den Stopp der Kampagne hatte zuerst der verteidigungspolitische Blog „Augen geradeaus!“ berichtet. Quelle: dpa

Das populäre Firmenmaskottchen soll ja "auch in Zukunft noch" wie gewohnt unmittelbar vor der Tagesschau kundtun können, dass der Baden-Württembergische T-Shirt-Hersteller "auch in Zukunft noch in Deutschland produzieren wird". Sollte der brillentragende tierische Kommunikator in der Hand von Erpressern landen, könnten die ihn schnell zum Überbringer ganz anderer Botschaften instrumentalisieren, etwa um auf die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten in der Textilindustrie aufmerksam zu machen.

Auch dem Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé dürfte es nicht schaden, jetzt sicherheitshalber ab und zu mal ein prüfendes Auge auf seinen berühmtesten Markenbotschafter zu werfen, den US-Schauspieler George Clooney. Der wirbt hartnäckig lächelnd für das Kaffeesystem nespresso, mit dem sich die Kunden aus industriell gestampften Patronen jede erdenkliche und noch so überflüssige Kaffeesorte automatisch in die Tassen laufen lassen können.

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Guerillaaktivisten, die ihre Vorbilder aus Hannover nachahmen wollten, müssten sich allerdings einiges einfallen lassen, um des schwerbewachten Weltstars habhaft zu werden. Doch der Aufwand könnte sich lohnen, denn im Erfolgsfall wäre ihnen sogar noch größere öffentliche Aufmerksamkeit sicher, als sie mit Kekssymbolen oder Schimpansen erreichen könnten. Mit Clooney als Pfand ließen sich historische Forderungen durchsetzen, wie das internationale Verbot nervigen Milchschaums oder überkandidelter Kaffeesorten. Die Welt würde aufatmen.

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