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Kölsch und Kostüme Das Geschäft mit dem Karneval

Köln: Karnevalisten freuen sich auf den Rosenmontagszug. Quelle: dpa

Während auf der Straße die Kamellen fliegen, klingeln drinnen die Kassen. Für die Karnevalshochburgen ist die fünfte Jahreszeit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – solange nur die gute Laune ansteckt.

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Paletten mit Glitzerschminke, Kleiderstangen voller bunter Kostüme, Luftballons, Girlanden und neuerdings auch Pinkelbeutel. Schon lange bevor die ersten Mottowagen durch die Straßen rollen, ist der Karneval in den Geschäften der Hochburgen mehr als präsent. Bekleidungsketten, Drogeriemärkte und etliche andere Läden können sich darauf verlassen: Die jecke Kundschaft kommt.

Im Einzelhandel rechnet man laut Handelsverband mit 360 Millionen Euro zusätzlichem Umsatz durch die Karnevalstage. Mehr als ein Drittel der Verbraucher (38 Prozent) gab dem Verband zufolge in einer Umfrage sogar an, mehr ausgeben zu wollen als im Vorjahr.

Spätestens ab Weiberfastnacht sind die Einzelhändler nicht mehr die einzigen, für die das Karnevalstreiben eine Goldgrube ist. Hotelbetreiber in Köln, Düsseldorf oder Mainz können sich sicher sein, ihre Betten belegen zu können. Kneipen und Restaurants freuen sich über so viel Zulauf, dass es oft schwierig ist, überhaupt Platz zu finden.

Viele Feiernde sind bereit, dafür immer mehr Geld auszugeben. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) aus dem vergangenen Jahr stiegen die Karnevalsumsätze allein in Köln binnen zehn Jahren um 29 Prozent auf knapp 600 Millionen Euro. Knapp die Hälfte dieses Anstiegs ist inflationsbedingt. Besonders stark wuchsen die Umsätze bei den Kostümen um etwa 41 Prozent auf 110 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

„Es ist ein tolles Jahr für uns“, sagt der Geschäftsführer vom Kostüm-Großbetrieb Deiters, Björn Lindert. Auch die Angst vor dem grassierenden Coronavirus scheint die Lust am Feiern und damit auch die Konsumfreude bislang nicht zu trüben. „Genauso wie Leute noch ins Kino oder ins Stadion gehen, feiern sie auch noch zum Karneval.“ Das liege vor allem daran, dass es in Deutschland keine akute Ansteckungsgefahr gebe, meint auch Jochen Schönfelder von der Boston Consulting Group, der mit einem „überschaubaren Einfluss“ der Epidemie auf die Session rechnet. „Sollten in den kommenden Tagen neue Fälle in Deutschland auftreten, kann sich dieses Bild aber sicherlich ändern.“

Und wie steht es um das Thema Nachhaltigkeit, das spätestens seit den regelmäßigen Fridays-for-Future-Protesten weit nach oben auf die gesellschaftliche Agenda gerückt ist? Im Karneval scheint es eher eine nachrangige Rolle zu spielen. Schönfelder sieht zwar einen „anhaltenden Trend zu selbst gemachten Kostümen und zum verstärkten Recycling von Kostümen aus den vergangenen Sessionen“. Kostümverkäufer Lindert merkt aber auch an, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Kostümen kaum da sei: „Kostüme nur aus Baumwolle und natürlichen Materialien will der Kunde dann auch nicht bezahlen.“

Während mit Kostümen und Kölsch vermutlich schon so lange Geld verdient wird, wie es den Karneval gibt, finden manche Händler auch noch bislang unbesetzte Nischen: Mehrere Hersteller bieten sogenannte Pinkelbeutel à 900 Milliliter, die als „Notfalltoilette“ in den tollen Tagen verwendet werden können. „Karneval kommt, Pipi auch!“, warnt neuerdings ein Schild in einem Kölner Supermarkt.

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