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Konflikt mit Gewerkschaft Kleingewerkschaft bremst Metro-Tochter Real aus

Die Kleingewerkschaft DHV könnte den Ausstieg der Supermarktkette Real aus dem Flächentarif verhindern. Für Metro wäre das ein Problem.

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Metro-Tochter Real: Kleingewerkschaft DHV bremst Tarifpläne aus Quelle: dpa

Düsseldorf Die Metro ist mit ihrem Versuch, für die angeschlagene Supermarktkette Real einen neuen Tarifvertrag außerhalb des Flächentarifs abzuschließen, vorerst gescheitert. Sie hatte gehofft, mit der Gewerkschaft DHV, mit der sie bisher schon einen Tarifvertrag für die Tochter Metro Services hat, auch einen solchen Vertrag für Real abzuschließen. Doch der DHV hat der Metro jetzt die Vertragsbeziehung gekündigt, wie die Gewerkschaft dem Handelsblatt bestätigte.

Metro hatte nach langen vergeblichen Verhandlungen mit einem Knall die Gespräche mit der Gewerkschaft Verdi beendet. Das Unternehmen hatte einen eigenen Tarifvertrag gefordert, der deutlich geringere Personalkosten vorsehen sollte. Das Argument des Managements: Real zahle bis zu 30 Prozent höhere Gehälter als viele Konkurrenten, die nicht mehr im Flächentarif seien. Dies sei auf Dauer nicht durchzuhalten.

Metro wollte für den Ausstieg aus dem Flächentarif einen Kunstgriff nutzen: So verlässt Real den Arbeitgeberverband HDE, der Verdi als exklusiven Tarifpartner hat. Zugleich sollen die Real-Mitarbeiter auf das Unternehmen Metro Services übertragen werden, das bereits einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft DHV abgeschlossen hat.

Der Aufsichtsrat hat dies bereits beschlossen. Wirksam wird das aber erst mit der Eintragung im Handelsregister, die in den kommenden Monaten erfolgen soll. Vom Warenhausbetreiber Real bliebe dann nicht mehr als ein Firmenmantel übrig.

Doch der DHV wurde von diesem Plan genauso überrascht wie die Öffentlichkeit, wie Henning Röders, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft, dem Handelsblatt sagte. Bisher habe es auch keine Verhandlungen mit Real gegeben, nur unverbindliche Gespräche zum Kennenlernen. Die Pläne, mit Real zum DHV zu wechseln, seien nicht mit der Gewerkschaft abgesprochen gewesen. „Wir unterstützen Pläne zur Tarifflucht nicht“, betonte Röders.

Als Begründung für die Kündigung der Vertragsbeziehung mit der Metro Services GmbH nennt Röders einen „Wegfall der Geschäftsgrundlage“. Der Hintergrund: Der DHV hat mit der Metro Services nur einen Tarifvertrag für etwa 600 Mitarbeiter abgeschlossen.

Nun kämen auf einen Schlag mehr als 30000 Real-Mitarbeiter dazu. Außerdem ist die Arbeitnehmervertretung wegen der bisherigen Tarifpartnerschaft von Verdi dominiert, DHV hat dort bisher kaum Gewicht und deshalb keine Verankerung bei den Mitarbeitern.

Außerdem ist immer noch nicht abschließend geklärt, ob der DHV überhaupt tariffähig ist. Mehrere Gewerkschaften, darunter Verdi, haben vor dem Bundesarbeitsgericht betragt, die DHV für tarifunfähig zu erklären. Sie werfen ihr „Gefälligkeitstarifverträge“ vor. Das Verfahren ist für den 26. Juni angesetzt. „Sollte das Bundesarbeitsgericht am 26. Juni feststellen, dass der DHV gar nicht tariffähig ist, gilt für die Beschäftigten der Metro-Services GmbH überhaupt kein Tarifvertrag mehr“, warnte Verdi-Verhandlungsführerin Silke Zimmer.

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