Konsum Das Geschäft mit der Schokolade

Nikoläuse aus Milchschokolade sind zur Weihnachtszeit nach wie vor ein Renner, doch der Trend geht im Schokoladengeschäft Richtung teurer Qualität.  

Dieses Jahr haben 150 Millionen Nikoläuse die deutschen Schokoladenfabriken verlassen. Quelle: dpa

Alle Jahre wieder: unter dem Weihnachtsbaum und in den Geschenksocken, im Nikolausstiefel und in aller Munde – immer wieder freut sich der Mensch auf den gleichen Stoff, ohne den er nur schwer leben kann: Schokolade.

Das Geschäft mit dem Wohlempfinden versetzt auch einen ganzen Zweig der Nahrungsmittelindustrie in regelmäßigen Glücksrausch. Nach Angaben von Caobisco, dem europäischen Verband für Schokolade, Kekse und Feinbäckerei, sind 2000 Unternehmen mit insgesamt 245 000 Mitarbeitern für jährlich 51 Milliarden Euro Umsatz in Europa verantwortlich.

In Deutschland gehören Kraft Foods, Nestlé, Ferrero, Lindt & Sprüngli und Franz Zentis nach einer Studie der Universität Bremen zu den fünf größten Schokoladenherstellern. Der Verkauf von Milkatafeln und -nikoläusen platziert den amerikanischen Lebensmittelkonzern Kraft Foods mit einem Umsatz von 26,2 Milliarden Euro an die Spitze der deutschen kakaoverarbeitenden Industrie.

Was Sie über Kakao wissen müssen
Die Kakaobohne ist der Schlüsselrohstoff für die Herstellung von Schokolade. Deutschland gehört neben den USA und den Niederlanden zu den größten Schokoladenproduzenten der Welt - im Jahr 2009 stellte Deutschland 980.000 Tonnen Schokolade her. Woher kommt der Bohne, die unser Leben versüßt? Wer handelt damit? Wo wird der Rohstoff noch verwendet? Ein Überblick.
Bis aus den Bohnen Schokolade wird, ist es ein langer und komplexer Prozess. Die Bohnen müssen fermentieren, wodurch sie erst ihr Aroma erhalten. Dann müssen die Bohnen getrocknet werden, um transportiert werden zu können. Der Kakaobaum wächst nicht überall - nur entlang des Äquators ermöglichen Klima und Terrain eine artgerechte Züchtung. Quelle: Reuters
Die westafrikanischen Staaten Ghana und Elfenbeinküste (der Hafen San Pedro im Bild) gehören zu den größten Kakao-Exportländern der Welt. Nach Angaben des Bundes Deutscher Süßwaren Industrie (BDSI) lieferte die Elfenbeinküste 2010 ungefähr 146 Tausend Tonnen nach Deutschland. Das waren 44,1 Prozent der 331.866 Tonnen Kakaobohnen, die 2010 in Deutschland verarbeitet wurden. Weltweit sind 30 Entwicklungsländer an der Züchtung und dem Anbau von Kakaobohnen beteiligt. Quelle: REUTERS
Gehandelt wird Kakao an der London International Financial Futures Exchange und der New York Board of Trade (hier im Bild). Im Juli 2010 erreichte der Rohstoff einen Preis von 2732 britischen Pfund pro Tonne. Seit 1977 war Kakao nicht mehr so teuer gewesen. Trotzdem ist der Preis inflationsbereinigt seit den 1970er Jahren stetig gefallen. Damals kostete eine Tonne Kakaobohnen ungefähr 11.000 Euro nach heutigen Währungsmaßstäben.
Anthony Ward wird in der Branche auch
Eine kleiner Geschichtsausflug: Bei den Mayas in Zentralamerika hatte das Schokoladengetränk zu gesellschaftlichen und religiösen Anlässen seinen festen Platz auf dem Getränkemenü. Die Azteken nutzten die Kakaobohne nicht nur als Getränk sondern auch als Medizin und Zahlungsmittel. Als die Spanier die neue Welt entdecken, begriffen sie schnell den Wert der Währung Kakao. Noch heute werden in Zentralamerika Kakaomasse und -bohnen in Reinform verkauft und zum Kochen unterschiedlicher Gerichte verwendet. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Kakaobohne nach Westafrika und in den Rest der Welt exportiert. Bild: Eine Aztekenskulptur hält eine Kakaofrucht in den Händen. Quelle: GNU
Eine Skulptur des Dichtes Goethe Quelle: dpa

Zwar nimmt Milchschokolade nach wie vor einen Großteil der verkauften Schokoladenwaren ein, doch seit einiger Zeit ist ein Trend Richtung hochwertiger Schwarzschokolade und Schokoladenmischungen zu beobachten. Andrea Durry, die Kuratorin des Kölner Schokoladenmuseums, sagt: „Die Leute kaufen zunehmend Schokoladenprodukte, die aus bestimmten Schokoladenplantagen stammen oder mit karamellisierten Früchten gemischt werden.“

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