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Konsumgüter Schuldenkrise vermasselt das Geschäft

Die Berichtssaison der Konsumgüterriesen läuft auf Hochtouren. Doch egal ob Reckitt Benckiser oder Unilever, Danone oder Nestlé: Die Geschäfte in den reifen Märkten Westeuropas stagnieren.

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Ein Regal mit Danone-Produkten Quelle: Reuters

Der Reigen der Bilanzveröffentlichungen läuft auf vollen Touren. Vergangene Woche legten die niederländisch-britischen Konsumgüter- und Lebensmittelkonzerne Unilever und Reckitt-Benckiser ihre Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vor. Am Mittwoch folgt der französische Milchriese Danone, einen Tag später berichtet der Schweizer Lebensmittelmulti Nestlé.

Auch Danone und Nestlé dürften ähnlich wie Unilever und Reckitt-Benckiser ihr Konzernwachstum aus den Schwellenregionen Asiens und Südamerikas saugen – während sich das Quartett auf den reifen Märkten in Westeuropa und Nordamerika mit Stagnation, bestenfalls minimalem Wachstum zufrieden geben muss.  

So legte der Unilever-Umsatz in Westeuropa im vergangenen Jahr nur um mickrige zwei Prozent auf  rund 12 Milliarden Euro zu, während er in Asien und Afrika um fast sechs auf 19 Milliarden Euro kletterte.  Auch steigende Rohstoffkosten belasteten weiter, wenn auch weniger als im vergangenen Jahr, sagte Unilever-Chef Paul Polman.

Die Konsumgüterkonzerne kämpfen seit dem vergangenen Jahr mit stark steigenden beziehungsweise schwankenden Rohstoffpreisen und versuchen, diese durch Preiserhöhungen an die Kunden weiterzureichen.

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    Kunden achten mehr auf Preise, als auf die Marke

    In Westeuropa stünden Unilever harte Zeiten bevor, erklärte der Hersteller von Knorr-Suppen, Dove-Cremes und Becel-Margarine. Viele Verbraucher in den Euro-Schuldenstaaten achten angesichts der rigorosen Sparpakete ihrer Regierungen stärker auf den Preis als auf die Marke. Procter & Gamble (Pampers, Ariel) büßte Umsatz ein, weil Wettbewerber bei Preiserhöhungen nicht nachzogen.

    Ähnlich zeigt sich die Lage beim niederländisch-britischen Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser. Der Hersteller von Marken wie Calgon, Cillit Bang oder Sagrotan trägt dem rasanten Wachstum in den Schwellenmärkten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas nun sogar mit einem Umbau der weltweiten Organisationsstruktur Rechnung.

    Der neue Vorstandschef, der Inder Rakesh Kapoor, der im September vergangenen Jahres den langjährigen Vorstandschef Bart Becht abgelöst hatte, plant künftig mit drei neuen Marktregionen:  Dabei werden Nordamerika, bislang  mit Australien gebündelt, und Europa zusammengefasst. Die neu zusammen gezimmerte Region nennt sich  fortan ENA.

    Wachsende Bedeutung der Schwellenländer

    Die Nestlé-Zentrale Quelle: dpa/dpaweb

    Ferner werden Lateinamerika, Nordasien, Süd- und Südostasien und Australien/Neuseeland zur Region LAPAC sowie Russland und die GUS-Staaten, der Mittlere Osten, Nordafrika, die Türkei sowie Afrika/Sub-Sahara zur Region RUMEA. Die Neuordnung signalisiert die wachsende Bedeutung der Schwellenmärkte für Reckitt Benckiser.

    Bei den Zahlen des  in Paris beheimateten Lebensmittelmultis Danone (Activia, Volvic), die am Mittwoch vorgelegt werden, dürfte vor allem die Sparte Milchprodukte kritisch beäugt werden. Danone  musste  im vergangenen Jahr Rückschläge bei wichtigen Joghurtmarken hinnehmen, dürfte aber vor allem wegen der Erholung im Russlandgeschäft 2012 wieder besser abschneiden.

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      In Deutschland musste der Joghurt-Marktführer herbe Rückschläge bei seinen Megasellern Acitivia, Actimel und Danacol verkraften. Der  mit großem Werbe-Tamtam Ende 2010 an den Start gebrachte angebliche Cholesterinsenker Danacol geriet sogar zum Megaflopp in den Regalen deutscher Supermarktketten.

      Einen Tag nach den Franzosen, am Donnerstag, veröffentlicht der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé seine 2011er-Bilanz.

      Nestlé hat Vorteile

      Dabei werden die Anleger ihr Augenmerk vor allem auf die Entwicklung der Preise und Mengen legen, erwarten die Analysten der Bank Vontobel. Einen Vorgeschmack darauf gebe das Resultat des Konkurrenten Unilever. Im Vergleich habe Nestlé bessere Möglichkeiten, die höheren Kosten auf die Verkaufspreise umzulegen. Erwartet wird, dass Nestlé einen Umsatz von 83,5 Milliarden Franken, etwa 70 Milliarden Euro, erwirtschaftet.

      Handel



      Experten der Credit Suisse hatten die Aktien von Nestle vor Zahlen auf "Neutral" mit einem Kursziel von 58 Franken belassen. Er erwarte ein robustes Wachstum im vierten Quartal, schrieb Analyst Alex Molloy in einer aktuellen Studie. Die von Konkurrenten bereits vorgelegten Zahlen ließen jedoch ein schwieriges Umfeld in den Industrieländern erwarten. In den Schwellenländern seien die Märkte stärker, auch wenn sich der Absatz dort verlangsame.

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