Konsumverhalten Wo die Deutschen sparsamer werden – und worauf sie nicht verzichten wollen

Die Google-Suche verrät was die Deutschen in Zeiten der Inflation konsumieren, oder wo sie sparen. Quelle: imago images

Nach Corona sind Energiekrise und Inflation die großen Konsumhemmer. Eine exklusive Analyse der Suchverläufe im Internet zeigt, wo die Deutschen nun bereits sparen und was sie sich auch in der Krise nicht nehmen lassen.

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Während der ersten Corona-Welle wollten die Deutschen vor allem sicherstellen, dass sie auch in Zukunft anständig auf Toilette gehen können: Die Nachfrage nach Toilettenpapier ging durch die Decke. Über zwei Millionen Mal wurde an einem Tag im März 2020 im Internet nach Klopapier gesucht, „das ist 36 Mal mehr als normal“, sagt Jan Schoenmakers, Geschäftsführer der Hase & Igel GmbH mit Sitz in Oldenburg.

Sein Unternehmen ist darauf spezialisiert, Daten beispielsweise zum Suchverhalten im Internet zu erheben und mit Hilfe künstlicher Intelligenz Trends zu identifizieren. Für die WirtschaftsWoche hat sich sein Team damit befasst, was die Bevölkerung in Deutschland gerade besonders interessiert, wo sie sparen und für was sie Geld ausgeben will.

Die Daten-Experten haben hierfür erhoben, wie oft in den vergangenen Monaten via Google nach knapp 300 Begriffen gesucht wurde, die nach den Berechnungen von Hase+Igel typischerweise Schlüsse auf das zukünftige Konsumverhalten ​in den wichtigsten Warengruppen laut Statistischem Bundesamt zulassen. 

Demnach sind die Deutschen schon seit Monaten im Sparmodus. Seit März liegt die Inflationsrate hierzulande bei über sieben, fast schon bei acht, Prozent. Die Preise für Energie sind nach Daten des Statistischen Bundesamts um mehr als 30 Prozent gestiegen, für Nahrungsmittel um rund 15 Prozent. Und der Höhepunkt ist damit womöglich längst nicht erreicht. Im Herbst beziehungsweise Winter könnten die Energiepreise weiter steigen. Das hat bereits zu Veränderungen geführt. Nach den Daten von Hase+Igel  ist beispielsweise die Anzahl der Suchen nach Neu- und Gebrauchtwagen seit dem Frühjahr deutlich zurückgegangen. „Solche Suchen gehen einer Kaufentscheidung voraus, so dass man auf dieser Basis erwiesenermaßen die künftigen Kfz-Zulassungen vorhersagen kann“, sagt Schoenmakers. 

Auf das Auto verzichten wollen viele Deutsche aber noch nicht. Beim Sprit wird offenbar mehr auf den Cent geachtet, um zumindest die Kosten des Autos zu drücken:



Und offenbar lautet der Plan, den alten Wagen länger zu fahren. So wurde beispielsweise ​im August in Deutschland über Google mehr als ​950.000 Mal nach Autoreparaturen beziehungsweise Wartungen gesucht – beinahe doppelt so oft wie ein Jahr zuvor.

Vor allem seit Anfang März zieht die Suche nach Autoreparaturen kräftig an:



In Summe zeigen die Daten von Hase+Igel, dass in Deutschland Investitionen, die gerade unter Umständen nicht zwingend sind, zurückgestellt werden. Das gilt nicht nur für Autos, sondern auch für Renovierungen, Haushaltsgeräte (mit Ausnahme von besonders energiesparenden Kühlschränken), Smartphones oder Versicherungen.

Allerdings kennt die Sparsamkeit auch klare Grenzen – zumindest aktuell noch. „Das Suchverhalten zeigt, dass Viele nach wie vor nicht an ​den Dienstleistungen sparen möchten, auf die sie während der Corona-Krise verzichten mussten“, sagt Schoenmakers. Seit dem Frühjahr wird nach den Daten von Hase+Igel etwa sehr oft nach Restaurants gesucht und auch nach Museen. Gespart wird auch nicht bei der Körperpflege: Die Nachfrage nach Frisören und Nagelstudios ist laut Hase+Igel aktuell mehr als doppelt so hoch wie 2019 – also vor dem ersten Lockdown. 

Auf Güter des täglichen Bedarfs wird aktuell auch eher nicht verzichtet. Ihr Preis spielt aber eine größere Rolle bei der Kaufentscheidung. „Nach Preisvergleichen für Kaffee wird aktuell etwa doppelt so häufig gesucht wie noch vor einem Jahr“, sagt Daten-Experte Schoenmakers. „Deutlich zugenommen haben auch die Suchen nach Sonderangeboten der Supermärkte.“

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Wer selbst beim Kaffee sparen muss, hat offenbar keine Lust mehr. Nach den Daten von Hase+Igel jedenfalls, ist das Interesse an Verhütungsmitteln, Dessous und erotischen Dates seit dem Frühjahr deutlich zurückgegangen, während die Suche nach Psychiatern im selben Zeitraum stark gestiegen ist – übrigens genauso wie die Suche nach Toilettenpapier. 

Lesen Sie auch: Das sind die Preistreiber in deutschen Supermärkten

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