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Konzern steigt bei Yfood einFolgt der nächste Shitstorm für Nestlé?

Yfood ist die Lieblingstrinknahrung der deutschen Influencer und finanziert sich unter anderem durch Investments von Frank Thelen. Nun soll Nestlé in das Start-up investieren – die Kritik lässt nicht auf sich warten.Jacqueline Goebel 28.02.2023 - 18:59 Uhr

Nestlé, seines Zeichens der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt, steigt bei Yfood ein.

Foto: Presse

Wenn es so etwas gibt wie ein Lieblingsgetränk der deutschen Youtube-Stars, dann ist – oder vielmehr war – das Yfood. Das Münchner Start-up stellt seit 2017 Trinknahrung her. Das Unternehmen sponserte etwa die zweite Staffel der Youtube-Show „7 vs. Wild“, bei der sich sieben Influencer sieben Tage lang auf einer einsamen Insel in Panama aussetzen ließen. Bis zu sieben Millionen Mal wurden die Folgen abgerufen, bei der die ausgeschiedenen Kandidaten beim Verlassen der Insel als erste Mahlzeit eine Flasche von Yfood in die Hand gedrückt bekamen.

Mit den guten Beziehungen zwischen Yfood und der Youtube-Szene könnte es bald vorbei sein. Der Grund: Der Lebensmittelkonzern Nestlé will sich an der Yfood Labs GmbH beteiligen. „Verbrauchertrends zeigen, dass Snacks und Getränke für unterwegs auf dem Vormarsch sind“, erklärte Nestlé gegenüber der „Lebensmittel Zeitung“. Yfood will mit Hilfe des Nestlé-Investments seine Internationalisierung vorantreiben. Das in München ansässige Start-up wolle strategisch und operativ unabhängig bleiben, heißt es. Wie viel Nestlé für die Anteile zahlt, ist nicht bekannt.

Bei den ehemaligen Kooperationspartnern der Trinknahrung stößt das auf Kritik. „Bin selbst schon seit Anfang des Jahres kein Yfood-Partner mehr und damit bleibt das auch in Zukunft so“, twitterte etwa der Influencer und Gamer Simon Unge, der bei Youtube 3,75 Millionen Abonnenten hat. „Finde trotzdem sehr schade in wie viele Bereiche Nestlé seine Finger steckt.“

Nestlé ist der größte Lebensmittelproduzent der Welt, der Schweizer Konzern machte im vergangenen Jahr rund 95 Milliarden Euro Umsatz.

Zu Nestlé gehören etwa Marken wie Kitkat, Maggie oder Nespresso.

Der jüngste Nestlé-Neuzugang ist Yfood: Der Lebensmittelgigant erwarb Ende Februar 2023 eine Minderheitsbeteiligung an Yfood Labs. Die beiden Gründer halten laut dem Unternehmen unverändert die Mehrheit aller Unternehmensanteile. Von dem Nestlé-Investment verspricht sich das mittelständische Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern eine beschleunigte Internationalisierung.

Foto: Presse

Das Gewürzunternehmen Ankerkraut wurde durch die Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ bekannt, Juror Frank Thelen investierte. Der Investor trat seine Anteile im Frühjahr 2022 an Nestlé ab.

Foto: Hersteller

Mit Ankerkraut erweiterte Nestlé, dem auch Maggi gehört, sein Geschäft mit Gewürzen. Das schmeckt nicht jedem. Egal ob Twitter, Facebook oder Instagram – in den Sozialen Medien lehnte eine große Mehrheit den Deal ab. Kein Wunder: Der Nestlé-Konzern steht seit Jahren in der Kritik. Viele werfen ihm vor, mit seinen Produkten Profit auf Kosten der Ärmsten zu machen. Dabei wären viele Kunden wohl überrascht, wenn sie wüssten, was alles zum Portfolio des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns zählt.

Foto: imago images

2018 verleibte sich Nestlé das Geschäft mit Starbucks-Kaffeeprodukten ein, die außerhalb der Cafés zum Beispiel in Supermärkten unter dem Starbucks-Logo vertrieben werden.

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Die vom Bäckermeister Ernst Wagner gegründete Tiefkühlmarke etwa übernahm Nestlé im Jahr 2000 vollständig. Seitdem heißt das als Wagner Tiefkühlprodukte GmbH im Jahr 1969 gegründete Unternehmen Nestlé Wagner GmbH und ist vor Dr. Oetker Marktführer bei Tiefkühlpizza.

Foto: imago images

Bei vielen Süßigkeiten wie Kitkat, Smarties oder Lion ist das Nestlé-Logo prominent über dem Produktnamen platziert. Zu den Nestlé-Süßigkeitenmarken gehört auch die Minzschokolade After Eight. 1988 hat Nestlé die Markenrechte des britischen Erfinders, einer Firma namens Rowntree, gekauft. Auch Kitkat oder Smarties stammen übrigens aus dieser 1862 gegründeten Schokoladenfabrik.

Foto: imago images

Die Getränkemarke Sanpellegrino gehört ebenfalls dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern. Dazu gehören neben der Wassermarke auch die bunten italienischen Limonaden.

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Nestlé macht auch bei den boomenden Veggie-Produkten mit – und das schon ganz schön lange. Die Marke Garden Gourmet gibt es seit 2007. Unter ihr verkauft der Konzern vegane Alternativen zu Thunfisch, Hack oder Hähnchen-Nuggets.

Foto: Hersteller

Wer eine der Buitoni-Pastasoßen in den Einkaufwagen steckt, erhält ein weiteres Produkt aus dem Hause Nestlé.

Foto: imago images

Bereits 1908 brachte der Unternehmer Fritz Thomi Schaad einen industriell gefertigten Senf in der Schweiz auf den Markt. Später verpackte er erstmals Senf in Tuben. Seit 1971 gehört die Marke Thomy, die längst auch bei Mayonnaise mitmischt, dem Nestlé-Konzern.

Foto: imago images

In den Regalen mit Tiernahrung steht Nestlé mit einigen Marken ebenfalls an prominenter Stelle. So gehört beispielsweise das Felix-Katzenfutter zur Markenwelt. Sein Tierfutter bündelt Nestlé unter der Marke Purina.

Foto: imago images

Im vergangenen Jahr hatte Nestlé die deutsche Gewürzmarke Ankerkraut übernommen, die zum Beispiel durch die TV-Sendung „Höhle der Löwen“ bekannt geworden war. Auch das löste in den sozialen Medien laute Kritik aus, Kooperationspartner gingen auf Distanz.

Lesen Sie auch: Nestlés Übernahme versetzt Ankerkraut einen deutlichen Dämpfer

Auch Yfood war 2018 in einer Folge der „Höhle der Löwen“ zu sehen. Frank Thelen, der auch bei Ankerkaut beteiligt war, investierte damals über seine Beteiligungsfirma Freigeist 200.000 Euro in Yfood.

Auf Anfrage der WirtschaftsWoche bestätigte Freigeist, dass Nestlé mit einer Minderheitsbeteiligung bei Yfood eingestiegen sei. „Entsprechende Zulassungsanträge wurden bei den zuständigen Behörden eingereicht. Die Genehmigungen stehen noch aus“, verkündete der Yfood-Investor Freigeist. Auf die Frage, ob Nestlé die Freigeist-Anteile übernommen habe, wollte sich die Firma nicht äußern.

Yfood bewirbt seine Drinks als vollwertigen Ersatz für eine Mahlzeit, eine „gesunde Fast-Food-Alternative“. Die Münchner haben damit durchaus Erfolg. Laut Berichten der „Lebensmittel Zeitung“ hat Yfood seinen Umsatz im vergangenen Jahr auf 120 Millionen Euro verdoppelt und war damit in Deutschland Marktführer für Flüssignahrung.

Lesen Sie auch das Interview mit Yfood-Gründer Noel Bollmann: „Wir haben die Chance, das nächste Red Bull aufzubauen“

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