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Kooperation Warum Eurowings doch nicht auf Laudamotion setzt

Die Lufthansa-Billigplattform beendet die Zusammenarbeit mit der Nachfolgegesellschaft der ehemaligen Air Berlin-Tochter Niki. Ende Mai ist Schluss.

Lufthansa: Warum Eurowings doch nicht auf Laudamotion setzt Quelle: dpa

FrankfurtLaudamotion – die mit Vermögenswerten der insolventen Air Berlin-Tochter Niki neu gestartete österreichische Airline – muss sich künftig wohl voll auf den Großaktionär Ryanair verlassen. Nachdem vor kurzem die Thomas-Cook-Tochter Condor die Zusammenarbeit mit Laudamotion aufgekündigt hatte, folgt nun Eurowings.

Die Lufthansa-Billigplattform wird den aktuell bis Mai laufenden Vertrag über das Anmieten von Flugzeugen samt Crews nicht verlängern. Das ist aus Unternehmenskreisen zu hören. Eine offizielle Bestätigung wird noch im Laufe des Freitags erwartet. Auch die „Börsen-Zeitung“ berichtet über das Ende der Kooperation. Die vier Flugzeuge, die Laudamotion samt Mannschaft aktuell für Eurowings fliegt, werden dann ab Mai für Laudamotion selbst fliegen.

Sowohl bei Condor als auch bei Eurowings hat der überraschende Einstieg von Ryanair bei Laudamotion maßgeblich zu dieser Entscheidung beigetragen, ist aus dem Umfeld beider Airlines zu hören. Da ist zum einen das Thema „Marke und Wahrnehmung“. Es sei schwer vorstellbar, dass Passagiere, die zum Beispiel bei Eurowings einen Flug gebucht hätten, am Ende in einem Flugzeug säßen, in dem die Crew durchsage „operated by Ryanair“.

Zwar sei das Anmieten von Flugzeugen samt Crews bei anderen Airlines üblich. Doch vor einer Zusammenarbeit mit dem irischen Billig-Anbieter, der unter anderem wegen seiner harten Arbeitsbedingungen keinen sonderlich guten Ruf genießt, scheuen die meisten etablierten Fluggesellschaften zurück.

Da ist aber auch das Thema Wettbewerb. Ryanair nutzt seine Beteiligung an Laudamotion dazu, um etwa in Düsseldorf groß aufzutreten. Düsseldorf ist der wichtigste Standort für Eurowings. Das Management der Lufthansa-Tochter erwartet hier in den kommenden Monaten einen sehr harten Wettbewerb mit Ryanair. Diesen Rivalen indirekt durch das Anmieten von Gerät und Mannschaft zu stützen, erscheint vor diesem Hintergrund wenig sinnvoll.

Zumal – und das ist ein dritter Grund – beide Partner bei einer engen Kooperation in die Buchungssysteme des jeweils anderen schauen können. Da zu erwarten ist, dass Eurowings die Ryanair-Attacke in Düsseldorf mit entsprechenden Angeboten kontern wird – erste Kampfpreise sind schon zu sehen. Ein tiefer Blick des Konkurrenten in die strategische Planung des Wettbewerbers wäre kontraproduktiv.

Zu all dem gesellt sich die absehbare Entwicklung, dass Laudamotion schon recht bald mehr oder minder komplett in Ryanair aufgehen wird, also ein Ableger der irischen Airline wird. Ryanair will seinen Anteil von aktuell 24,9 Prozent auf 75 Prozent aufstocken, sobald die kartellrechtliche Freigabe vorliegt. Auch stellt die Airline Laudamotion bereits Flugzeuge samt Crews zur Verfügung.

Wie eng Lauadamotion künftig mit Ryanair verbunden sein wird, zeigt sich aber vor allem beim Thema Vertrieb. So hat Laudamotion vor einigen Tagen die eigene Webseite geschlossen und nutzt stattdessen die Ryanair-Seite – nur in den eigenen Farben.

Nicht vom Ende der Kooperation betroffen sind zehn Flugzeuge, die Eurowings an Laudamotion vermietet hat. Dabei bleibt es vorerst wohl. Denn dazu hat die EU-Kommission Lufthansa verpflichtet, nachdem klar war, dass die deutsche Airline die Air Berlin-Tochter Niki aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht übernehmen darf.

Lufthansa hatte sich im festen Glauben an eine Freigabe bereits zahlreiche Flugzeuge von Niki gesichert. Das half der kleineren Ferienfluggesellschaft dabei, die eigene Leasinglast zu senken. Um zu verhindern, dass ein potentieller anderer Käufer von Niki ohne Fluggerät dasteht, hatte die EU aber frühzeitig verfügt, dass Lufthansa die Jets einem potentiellen anderen Käufer von Niki zu „marktüblichen Konditionen“ zur Verfügung stellt.

Dieser Käufer war nach einem wochenlangen Hickhack und einem Streit um die Zuständigkeit der Insolvenzgerichte schließlich der ehemalige Rennfahrer Niki Lauda. Er hatte Niki einst gegründet und wollte sein Unternehmen retten. Doch so recht scheint nicht gelungen zu sein. Aus Laudamotion wird langsam aber sicher Ryanair.

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