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Korruptionsvorwürfe Die dubiosen Tricks bei Media Markt

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Die eingeschränkte Wahl des Kunden

Das Sortiment von bis zu 100.000 Artikeln pro Filiale von Flachbildfernsehern über Waschmaschinen bis zu Druckerpapier lockt Kundschaft an. Geworben wird mit dem Kultslogan

Tatsächlich konzentrierten sich die Wettbewerbsbehörden stets auf die Industrie – zumindest bis heute.

Neongrün strahlt die Werbung, die Farbe markiert das Revier von mobilcom-debitel. Das Unternehmen verkauft Handyverträge von Telekom, Vodafone und E-Plus. Mitarbeiter tänzeln um zwei Stehpulte, auf denen Flyer für die „Top-Aktion“ werben: Das Smartphone Samsung Galaxy für „1 Euro“ – in Verbindung mit einem Vertrag im Telekom-Netz.

Die in den Märkten zur Schau gestellte Handyvielfalt täuscht darüber hinweg, dass der Kunde nicht wirklich die Wahl hat. Als Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz entscheidet die in Hamburg ansässige Freenet AG darüber, welche Tarife von mobilcom-debitel im Media Markt zum symbolischen Euro im Paket mit einem Handy angeboten werden. Die drei Mobilfunker Telekom, Vodafone und E-Plus verkaufen nur über Freenet in Media-Saturn-Märkten. Dieses Exklusivrecht hatte bereits Freenet-Vorgänger Debitel vor dem Start der ersten Mobilfunknetze Anfang der Neunzigerjahre mit MediaMarkt und Saturn ausgehandelt.

Totale Abhängigkeit

Wie überlebenswichtig MSH für Debitel und später Freenet war, zeigte sich im Juni 2006, als plötzlich der Verlust dieses exklusiven Vertriebskanals drohte. Ingolstadt hatte den Vertrag zum Ende des Jahres gekündigt, um mit Telekom & Co. direkt ins Geschäft zu kommen.

Das Imperium von Amazon
Viel Geld in der KasseIn den ersten sechs Monaten 2013 setzte Amazon 31 Milliarden US-Dollar um - gut fünf Milliarden mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon blieben 75 Millionen Dollar Gewinn hängen (2012: 137 Millionen). 2012 setzte Amazon gut 61 Milliarden US-Dollar um (Vorjahr: 48 Milliarden), machte aber einen Nettoverlust von rund 30 Millionen US-Dollar (Vorjahr: 631 Millionen Gewinn). Ein Überblick über Teile des Amazon-Imperiums... Quelle: dpa
Investitionen ins eigene UnternehmenMal als Nebengeschäft begonnen, ist der Buchhändler mittlerweile auch ein Riese im Cloud-Computing. Dabei vermietet Amazon Speicherkapazitäten seiner Großrechenanlagen, etwa eine halbe Milliarde Dollar pro Jahr bringt das nach einer Berechnung der Schweizer Investmentbank UBS. Und das Geschäft wächst rasant: Bis 2014 sollen sich die Einnahmen verfünffachen. Auch der hauseigene E-Reader Kindle liegt dem Unternehmen am Herzen. Mittlerweile wurden hier die Preise drastisch reduziert. Im Spätsommer 2011 begann Amazon mit der neuesten Version seines E-Readers einen Angriff auf den Branchenprimus Apple und präsentierte mit seinem Kindle Fire einen würdigen iPad-Herausforderer. Aber auch größere und kleinere Onlinehandelsplattformen verleibt sich Amazon gerne ein, so gerade aktuell den Filmaboservice Lovefilm… Quelle: AP
LovefilmDVDs kommen per Post ins Haus, mit dem „Lovefilm“-Player kann der Nutzer aber die aktuellen Hollywood-Streifen auch direkt auf seinem Rechner anschauen. Amazon hält schon länger eine Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen und wickelt seinen eigenen Film-Abo-Service direkt über Lovefilm ab. Simon Calver, Chief Executive von LOVEFiLM International, lobt die Übernahmepläne bei der Bekanntgabe am 20. Januar 2011. "Mit Amazons voller Unterstützung können wir entscheidende Verbesserungen für unsere Mitglieder in Europa umsetzen", hofft er. Fremd ist Amazon das Geschäft mit Filmen nicht… Quelle: Screenshot
IMDb… Amazon hatte 2008 sein Filmverleihgeschäft in Deutschland und Großbritannien mit Lovefilm zusammengelegt und war mit 42 Prozent größter Einzelaktionär geworden. Bereits 1998 verleibte sich Amazon die "Internet Movie Database" (IMDb) ein, die selbst zu diesem Zeitpunkt in ihren Ursprüngen bereits acht Jahre alt war, für das Internet also so etwas wie die Rolle des Urgroßvaters vom Web 2.0 spielt. IMB ist eine der größten Datenbanken über Filme, Fernsehserien, Videoproduktionen und Videospiele sowie über Personen, die daran mitgewirkt haben. Gerade im Kalenderjahr 2010 investierte Amazon wieder kräftig in Webunternehmen… Quelle: Screenshot
WootEinen gewissen Verkaufsdruck erzeugen will die E-Commerce-Plattform Woot. Nutzer bekommen nicht angezeigt, wie viele Bestände des nur einen Tag gültigen Angebots vorhanden sind. Der Preis ist niedrig, die Produkte stehen im Wettbewerb zu den Angeboten von Amazon.Woot verkauft auf dem amerikanischen Markt – und Mitte 2010 langte Amazon für einen unbekannten Preis zu. Quelle: Screenshot
BuyVIPNur ein paar Monate später, im Oktober 2010, griff sich Amazon ein weiteres Webunternehmen. BuyVIP ist eine geschlossene Shopping-Community. Die Mitglieder haben die Möglichkeit, auf persönliche Einladung an limitierten Verkaufskampagnen teilzunehmen. In diesen Kampagnen werden ausgewählte Produkte beliebter und bekannter Marken aus dem Lifestyle- und Fashion-Bereich angeboten. Entsprechend leer kommt die Startseite daher; ein bisschen Animation von neuer Mode und ein Anmeldeformular. 70 Millionen Euro blätterte Amazon dafür auf den Tisch – nachdem der Marktführer Vente-Privée mehrfach abgewunken hatte. Quelle: Screenshot
Diapers und SoapAmazon ist ein riesiger Onlinehändler, doch in bestimmten Nischen hat die Konkurrenz die Nase vorn. So wurde Diapers zum größten Versandhändler von Babywindeln. Ein lukratives Geschäft - Amzon blätterte im November 2010 mehr als eine halbe Milliarde Dollar auf den Tisch um Quidsi zu übernehmen. Das amerikanische Unternehmen Quidsi betreibt diapers.com, sowie den Drogeriespezialisten soap.com. 545 Millionen Dollar sind zwar nicht von Pappe, aber einmal bezahlte Amazon sogar noch deutlich mehr für eine Onlinehandelsplattform… Quelle: Screenshot

Für den Debitel-Eigner Permira, einen Londoner Finanzinvestor, wäre die Vertragskündigung ein Desaster gewesen – und der Plan, Debitel mit einer Wachstumsstory für einen Börsengang oder einen Verkauf hübsch zu machen, Makulatur. Mehr als ein Drittel, in manchen Jahren sogar 40 Prozent des Debitel-Umsatzes stammte aus den Verkäufen im Media Markt und bei Saturn. „Ohne den Vertrag wäre Debitel höchstens noch die Hälfte wert gewesen“, sagt ein Debitel-Manager. „Das konnte Permira nicht zulassen.“

Der Super-Bonus

Die MSH-Verhandlungsführer erkannten Permiras Notlage und rangen Debitel eine ungewöhnliche und nach Ansicht von Kartellrechtlern bedenkliche Erfolgsbeteiligung ab. Beim Showdown für eine Vertragsverlängerung um weitere drei Jahre boten Debitel/Permira zuerst eine höhere jährliche Fix-Zahlung in dreistelliger Millionenhöhe an. Doch das reichte nicht. Erst nachdem eine verdeckte Erfolgsbeteiligung vereinbart wurde, die beide Seiten als geheime Zusatzklausel in das Vertragswerk aufnahmen und die einen weiteren Bonus in Millionenhöhe bei einem späteren Verkauf von Debitel in Aussicht stellte, wurde die Zusammenarbeit fortgesetzt.

In der Geheimklausel sicherte Permira MSH zu, dass sie mit einem zweistelligen Prozentsatz an der bis zum Verkaufstag von Debitel erzielten Steigerung des operativen Gewinns und damit an der Wertsteigerung teilhat – ein Super-Bonus. Über diese Konstruktion bekam MSH quasi den Status eines stillen Gesellschafters und hatte nun ein starkes Interesse, den operativen Gewinn und den Unternehmenswert von Debitel durch hohe Verkäufe von Smartphones und Mobilfunkverträgen zu steigern.

Interne Statistiken zeigen, wie sich die Sondervereinbarung auf die Absätze auswirkte. Während die Verkäufe beim direkten Konkurrenten O2, der als einziger Mobilfunker mit eigenen Verkaufsständen bei Media Markt und Saturn vertreten ist, langsam zurückgingen, legte Debitel stetig zu. Besonders weit lagen die Verkaufszahlen im vierten Quartal 2007 auseinander. Während Debitel „voll auf die Tube drückte“, wie Insider formulieren, brach O2 ein.

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