Kreativer Zuschnitt Wie Strenesse aus der Krise kommen will

Für das insolvente Modeunternehmen Strenesse zeichnet sich jetzt ein Rettungsplan ab. Dafür muss sich bei dem Modehersteller einiges ändern.

Rosarote Zeiten. Strenesse-Chef Strehle (rechts) hofft, dass Insolvenzexperte Pluta der Modemarke zu schwarzen Zahlen verhilft

Seine Kleiderordnung hat Michael Pluta noch nicht an den neuen Job angepasst. In ein Traditionssakko gewandet, schreitet der Ulmer Insolvenzexperte durch den Düsseldorfer Showroom des Modeunternehmens Strenesse. An seiner Seite im blauen, eng geschnittenen Anzug Unternehmenschef Luca Strehle, der auf die modischen Finessen der neuen Kollektion verweist. „Bislang hatte ich noch keine Zeit, mich in Strenesse einzukleiden“, sagt Jurist Pluta fast entschuldigend. Dass er in den kommenden Wochen viel Gelegenheit zum Shoppen bekommt, darf bezweifelt werden.

Zwar steuert offiziell nach wie vor Strehle das Unternehmen, nachdem er Mitte April einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt hat. Doch mindestens genauso wichtig ist Pluta, der als Restrukturierungsvorstand die Rettungsmission überwacht und das operative Kommando großteils übernommen hat. An seinem Ruf als Spezialist für heikle Fälle dürfte es denn auch liegen, dass die Überlebenschancen von Strenesse steigen.

Pluta wurde unter anderem als Insolvenzverwalter des Modellbahnbauers Märklin bekannt. Er gilt in der Sanierungsszene nicht als Fan des vom Strenesse-Management gewählten neuen Instruments der Insolvenz in Eigenverwaltung. Dass Pluta den Job dennoch übernahm, wurde als Hoffnungszeichen gewertet. Nun muss der Sanierer liefern – der Kern seines Rettungsplans zeichnet sich bereits ab.

Wissenswertes über Strenesse

Auf 17 bis 18 Millionen Euro belaufen sich die Forderungen gegenüber dem Unternehmen aus dem bayrischen Nördlingen. Dazu zählt eine Zwölf-Millionen-Euro-Anleihe, deren Rückzahlung Strehle Ende Februar um drei Jahre nach hinten verschieben konnte. Das Unternehmen erlangte durch Designerin Gabriele Strehle Weltruhm und machte einst einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2013/14, das im Juni endet, schreibt Strenesse ein Minus von rund acht Millionen Euro.

Outletshops drücken die Marge

Hauptgrund für die desolate Lage: „Wir hatten mit Strenesse Blue und Gabriele Strehle zwei Kollektionen mit zwei Prozessen und zwei Designern und haben keine Synergien gehoben“, sagt Strehle. „Der erste Schritt war die Konsolidierung dieser zwei Prozesse. Wir sind bei Händlern nur noch auf einer Fläche vertreten und können jetzt Kostenvorteile heben.“ Auch der Vertrieb über viele Outletshops, der zu knapp 22 Prozent zum Umsatz beitrug, drückte auf die Marge.

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