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Kristallschmuckhersteller Swarovski ließ offenbar Heimkinder schuften

Schwere Vorwürfe gegen den Glasschmuck-Hersteller Swarovski: Laut einem Bericht setzte er in den 60er Jahren Heimkinder zur Herstellung seiner Waren ein. Diese sollen für "einige Groschen" im Akkord gearbeitet haben.

Swarovski Quelle: dpa

Der österreichische Glasschmuck-Konzern Swarovski sieht sich mit massiven Vorwürfen seine Vergangenheit betreffend konfrontiert. Laut einem Zeitungsbericht soll Swarovski in den 1960er Jahren Heimkinder zu der Herstellung seiner Kristallsteine eingesetzt haben. Wie die österreichische Tageszeitung "Kurier" berichtet, stammten die Kinder aus einer Tiroler Erziehungsanstalt.

15- bis 18-jährige Mädchen hätten täglich zehn Stunden für Swarovski gearbeitet und geschliffene Glaskristalle auf Armbändern befestigt. Die Kinder wurden demnach generell als kaum bezahlte Arbeitskräfte ausgebeutet. Auch Wäsche aus den Kasernen der österreichischen Heere mussten sie waschen und bügeln.

Mehrere ehemalige Heimkinder bestätigten den Bericht. Laut einer ehemaligen Heimbewohnerin sollen es 20 bis 25 Mädchen gewesen sein, die von dem Heim zur Arbeit für Swarovski gezwungen wurden. Das Blatt zitiert eine frühere Heimbewohnerin: "Es war Fließbandarbeit". Von 7 oder 8 Uhr morgens bis 17 oder 18 Uhr abends mussten die Mädchen im Akkord schuften. Viele Kinder hatten wegen der körperlich anstrengenden Arbeit Probleme mit den Handgelenken oder Sehstörungen durch die glitzernden Steinchen.

Maximal „einige Groschen“ hätten sie für ihre Arbeit bekommen - andere Heimbewohnerinnen erinnern sich an gar keine Bezahlung. Sie sei sich sicher, dass Swarovski bezahlt hätte - nur hätten die Mädchen davon nichts gesehen, erzählt eine Frau. Sie glaube, die Leitung des Heimes habe das Geld einbehalten. Auch gab es weder Kranken- noch Sozialversicherung für die Jugendlichen.

Swarovski fand nach Angaben einer Sprecherin in den Firmenarchiven nichts zu dem Thema. Nach mehr als vierzig Jahren gebe es keine Rechnungen oder Aufzeichnungen mehr.

Die Geschehnisse kamen im Rahmen der Aufarbeitung der Geschichte der Erziehungsheime in Österreich ans Licht. Laut dem Bericht des "Kurier" ist das betroffene Erziehungsheim Sankt Martin in Tirol berüchtigt und gilt als "eines der schwärzesten Kapitel der Heimerziehung". Die Zöglinge seien dort wie in einem Gefängnis gehalten worden; die ehemaligen Heimkinder berichten auch von Prügeln, grausamen Bestrafungsmethoden und sogar Vergewaltigungen. Seit 2010 werden für ehemalige Heimbewohner auch Entschädigungen gezahlt.

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