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Künstlerkarrieren Malen und auf den Erfolg hoffen

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Abschied von der Hochschule

Zunächst einmal auf den Sommer. Dann hat Henri Haake sein Studium absolviert an der Berliner Universität der Künste, dann muss er raus aus dem Hochschul-Atelier, das er sich mit sechs Kommilitonen teilt, muss sich seine eigenen Arbeitsräume suchen und sich mit Nebenjobs über Wasser halten, hoffentlich in der Szene, in Galerien oder Museen, nötigenfalls auch kellnern im Café. „Vor dem Können steht das Müssen“, sagt Henri Haake: „Ich erwarte nicht, dass ich sofort meinen Platz finde.“ Netzwerke ausbauen und Öffentlichkeit herstellen, bei Vernissagen präsent sein und den Internet-Auftritt pflegen, sich um Gruppenausstellungen, Stipendien, Preise bewerben und „eine Galerie finden mit Interesse an mir und meinem Werk“ - so in etwa stellt sich der 27-Jährige in den nächsten Jahren sein Leben vor, wenn er nicht gerade malt oder reist.

Zehn Wege zu richtig guten Ideen
„Stellen Sie ein zuvor definiertes Problem einfach auf den Kopf“, rät der Autor Albrecht Kresse, dessen Buch „Edutrainment – besser, schneller, einfacher lernen im Unternehmen“ kürzlich im Gabal-Verlag erschienen ist. Also fragen Sie sich: „Wie machen wir es noch schlimmer?“, denn so ein Perspektivwechsel kann Sie der Lösung ein ganzes Stück näher bringen, weil alle negativen Formulierungen in einem Brainstorming in positive umgewandelt werden. Aus der Kopfstandantwort „Noch mehr Jammern und anklagen!“ wird laut Kresse dann zum Beispiel die neue Kommunikationsregel „Immer sachlich bleiben!“. Quelle: Handelsblatt Online
Ein mutiger Ansatz, mit dem sich laut Kresse die kollektive Intelligenz zugunsten eines Unternehmens anzapfen lässt. Vorausgesetzt es öffnet sich für frische Ideen und Anregungen von außen. Involvieren Sie also Ihre Kunden, externe Entwickler und Experten in den Entstehungsprozess neuer Lösungen. Kresse: „Hierfür eignen sich Communitys und offene Foren im Web“. Eine andere Möglichkeit ist, das Entwicklungsproblem auf der eigenen Webseite zu veröffentlichen und die beste Idee mit einem netten Honorar zu entlohnen. Quelle: Stefano Borghi
So wie einst bei Walt-Disney heißt es bei diesem Trick: Erst träumen, dann kritisieren. Kresse beschreibt den Ablauf in seinem Buch so: „Um ein Problem zu lösen, spielen wir in einer Gruppe drei Rollen durch: Träumer, Realisten und Kritiker. Zuerst lassen wir Ideen sprudeln, dann planen wir die Umsetzung, zuletzt sezieren wir alle Ideen und Pläne im Hinblick auf Chancen und Risiken.“ Der Vorteil bei dieser Methode? Sie kombiniert die Ideenfindung direkt mit einer Machbarkeitsprüfung. Quelle: dpa
Hier eine Methode, für besonders verfahrene Lagen, die durch einen dicken Knoten im Kopf gekennzeichnet sind. Dabei reichen sechs Personen drei Ideen fünfmal weiter, wobei jeder Teilnehmer seine Lösungsvorschläge auf einen Zettel schreibt und ihn nach fünf Minuten an seinen Nachbarn weitergibt. Unter Zeitdruck entstehen schließlich die besten Ideen. Nach einer halben Stunde können Sie die Ergebnisse auswerten. Mit bis zu zwölf Leuten funktioniert dass laut Kresse ziemlich gut – vorausgesetzt die Stoppuhr löst keine Denkblockaden aus. Quelle: Handelsblatt Online
Schreiben Sie die Fragestellung klar formuliert auf ein Blatt Papier und notieren alles, was Ihnen in den Sinn kommt. Dann sortieren Sie die Antworten. Alles, was sich sofort umsetzen lässt, machen Sie innerhalb von 72 Stunden. Für alles andere machen Sie einen Zeitplan. So können Sie zwanzig Ideen produzieren und in drei Tagen eine Menge umsetzen. Kresse: „Diese Technik motiviert zum sofortigen Umsetzen, im Gegensatz zu den anderen ist sie keine Gruppentechnik.“ Quelle: Getty Images
Bei dieser Technik gelangen Sie durch Kombination zur Innovation. Tragen Sie beispielsweise, wenn Sie eine neue Möglichkeit in der Produktentwicklung entdecken möchten, Merkmale und Ausprägungen in eine einfache Tabelle ein. So überblicken Sie alle Lösungsvarianten und können die besten auswählen. Allerdings merkt der Autor Albrecht Kresse an, dass natürlich das entsprechende Fachwissen nötig ist, wenn man die entscheidenden Faktoren bestimmen will. Quelle: Handelsblatt Online
„Perspektivwechsel mit System. Jeder Hut steht für eine Rolle und Sichtweise“, schreibt Kresse. Der weiße für den Analytiker, der rote für den Bauchentscheider, der schwarze für den Kritiker usw. Sie können sich nun die Hüte nacheinander aufsetzen oder die Rollen in der Gruppe verteilen. Kresse: „Jedes Problem lässt sich nun aus mehreren Blickwinkeln betrachten, abseits der üblichen Pfade stoßen wir auf neue Ideen.“ Der großer Vorteil: Konflikte werden bei dieser Methode vermieden, weil jeder die Rolle spielt, die sein Hut vorgibt. Quelle: Handelsblatt Online

Natürlich sei auch er, wie jeder junge Künstler, auf der Suche nach dem Simsalabim für seinen Erfolg. Natürlich habe auch er schon mal von der Anerkennung eines Daniel Richter, von der Karriere eines Peter Doig geträumt. Doch natürlich wisse auch er, wie jeder junge Künstler, dass man von Glück und Zufall begünstigt sein und einen guten Zeitpunkt für seine ersten Werkschauen erwischen muss, dass es die richtigen Galeristen und Sammler braucht, die einen entdecken und fördern - und dass man sich den Erfolg vor allem im Atelier erarbeiten muss. Es sei „extrem hart“, sich „in der Hierarchie hochzuarbeiten“, sagt Haake und: „Das einzige, was man wirklich beeinflussen kann, sind die eigene Ernsthaftigkeit und der eigene Fleiß.“
Und so hat Henri Haake beschlossen, sich „jetzt bloß nicht unter Zeitdruck zu setzen“, sich noch Jahre der Entwicklung zu gönnen - ausgerechnet er, der Frühreife. Die Großeltern Antiquitätenhändler, der Vater Architekt, die Mutter Restauratorin… - Haake zeichnete viel als Jugendlicher, wurde von einer kanadischen Künstlerin unterrichtet, hatte schon mit 19 seine erste Einzelausstellung in Lübeck, seiner Heimatstadt: „Goodbye“ hieß es damals, bevor er sich an der UdK bewarb mit seiner Mappe, natürlich zur Prüfung geladen und aufgenommen wurde, natürlich in der Klasse seiner Wahl studieren konnte und 2015 den Knispel-Preis des Absolventenjahrgangs gewann. Nun also die ersten Schritte der Selbständigkeit: Marktwert definieren, Bilder verkaufen, Oevre aufbauen, Serien herstellen, Galeristen finden, Ausstellungen bestücken - keine leichte Aufgabe. Die Preispolitik ist noch das Einfachste: Studenten berechnen die Summe aus Leinwandhöhe und -Breite in Zentimetern mal 4, 6, 8, je nach Semester, als „Meisterschüler“ 10, zuweilen 12.

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Doch wie geht es dann weiter? Warum sollte Haake es nicht gleich mit doppelten so hohen Preisen versuchen? Bisher hat er den Erlös für seine Bilder, etwa bei den jährlichen UDK-Rundgängen, komplett eingestrichen. Lässt er seine Bilder erst einmal von einer Galerie verkaufen, muss er sich mit der Hälfte zufrieden geben. Andererseits gewinnt er erst an der Seite eines Galeristen Gewicht, Publizität und Präsenz. Doch was, wenn er einen Überraschungserfolg landet, wenn sich die Bilder gut verkaufen und der Galerist für eine Messe schnell 20 neue Arbeiten verlangt: „Bin ich schon bereit dafür? Kann ich Qualität und Quantität liefern? Will ich überhaupt in eine Situation kommen, in der ich aufgefordert bin, kreativ zu sein?“
Anna Bittersohl hat auf diese Fragen schon Antworten gefunden: Sie ist bereit. Beliefert vier Galerien mit überragender Qualität. Und vermag „die Arbeit hier drinnen, im Atelier“ von der „Welt da draußen, vom Markt“ zu trennen. Bittersohl ist vor acht Jahren in Nürnberg zur Meisterschülerin gekürt worden. Sie war Assistentin ihres Professors Ralph Fleck, hat allerlei Preise und Stipendien gewonnen, ihre Arbeiten bereits in Venedig, Sankt Petersburg, Zürich, Berlin und Stuttgart gezeigt und kann seit zwei Jahren von ihrer Kunst leben, wie man sagt, ihr Atelier bezahlen, ihre Malutensilien und ihre Wohnung, ab und zu mit Freunden was essen oder ins Kino gehen. Bittersohl kennt die Fragen, das Drängen, den Druck der Käufer und Kunden: Ihre Landschaften haben sich doch bestens verkauft… Haben Sie nicht noch so ein ähnliches Bild mit einer Heiligenfigur?… Allein beeindrucken lässt sie sich davon nicht. „Finge ich wirklich an, solchen Gedanken nachzugeben“, sagt sie, „würde sich wahrscheinlich alles ändern - und nicht zum Guten.“

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