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Kuhmilch versus Haferdrink „Milch bleibt unser Kerngeschäft“

Heinrich Gropper ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Privatmolkerei Gropper. Quelle: Presse

Im Frühjahr gründeten Branchenverbände wie die Milchindustrie und der Bauernverband die Initiative Milch GmbH, die das ramponierte Image der Kuhmilch ausmerzen und der Popularität von Pflanzendrinks wie Oatly und Alpro etwas entgegensetzen soll. Heinrich Gropper, Geschäftsführender Gesellschafter der Privatmolkerei Gropper mit einem Umsatz von rund 700 Millionen Euro Umsatz, über Sinn und Zweck der Initiative und wie man die Milchbauern bei Laune hält.

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Heinrich Gropper, 55 Jahre, führt die Molkerei in Bissingen bei Augsburg in dritter Generation. 1993 trat er im Alter von 27 Jahren in die Firmenleitung ein und stellte die ehemals regional agierende Molkerei bundesweit auf. Das bayerisch-schwäbische Familienunternehmen ist spezialisiert auf Eigenmarken für Supermarkt- und Discountketten. Mit rund 800 Mitarbeitern erlöst Gropper einen Umsatz von rund 700 Millionen Euro.   

WirtschaftsWoche: Herr Gropper, unterstützen Sie die im Frühjahr neu gegründete Initiative Milch GmbH?
Heinrich Gropper: Ja, Gropper unterstützt die Initiative Milch, wie viele andere Molkereien auch. Dabei sind die finanziellen Beiträge unterschiedlich hoch und orientieren sich unter anderem an der Größe des Unternehmens und der verarbeiteten Milchmengen. Die Unterstützer engagieren sich also alle fair in Relation zu ihrer Position am Markt.

Sind Sie und Ihre Kollegen aus anderen Unternehmen vorher in die Strategie, die Themen und die Betätigungsfelder der Initiative Milch einbezogen worden?
Die Gründung der Initiative Milch wurde im Vorfeld sowohl auf der Ebene der Branchenverbände als auch auf der Ebene der einzelnen Molkereien intensiv diskutiert. Die Initiatoren sind sich sicher, dass es Zeit ist, eine Plattform für den Austausch über das Kulturgut und Lebensmittel Milch zu schaffen und die Öffentlichkeitsarbeit, Imagepflege und Werbung zum Thema auszubauen. Bevor die Initiative Milch ihre Arbeit aufgenommen hat, wurden die Unterstützer zu den gewünschten Betätigungsfeldern befragt. Zudem soll regelmäßig über geplante Marketing- und Kommunikationsaussagen informiert werden, so dass ein regelmäßiger inhaltlicher Abgleich zwischen der Initiative Milch und den Unterstützern gegeben ist.

Was kann die Initiative mit insgesamt doch überschaubaren finanziellen Mitteln aus Ihrer Sicht bewirken? Werden Social-Media-Spots, Plakate oder Folder die Disruption der Kuhmilch aufhalten können?
Die Nachfrage nach Milchprodukten made in Germany ist national und international stabil – ob konventionell, Bio, GVO-frei – wir liefern es. Aus dieser starken Ausgangssituation der Milch heraus lässt sich eine kommunikative Initiative mit mehreren starken Playern der Branche gut umsetzen. Eben, um die Stärken und Vielseitigkeit der Milch noch stärker herauszustellen, als das einzelne Unternehmen können. Wir unterstützen diese Initiative. Milch ist und bleibt ein extrem wichtiger Bestandteil der Ernährung. Dafür müssen wir alle auch werben.

Auf der einen Seite soll die Kuhmilch beworben werden, auf der anderen Seite produzieren viele Unternehmen – auch Gropper – alles Mögliche in veganen oder vegetarischen Varianten. Wie passt das zusammen?
Unser Ziel ist es, die vielfältigen Geschmäcker zu bedienen und für diese Nachfrage zu produzieren. Die Märkte verändern sich und wir sind schnell, innovationsstark und haben das Know-how, um diese Produkte herzustellen. Mit unserer Tochter Better Plant produzieren wir seit knapp drei Jahren verschiedene vegane Produkte als Eigenmarke für Discountketten. Dabei handelt es sich zum einen um Hafer-, Kokos-Reis- und Mandeldrinks, weiterhin um vegane Kaffeegetränke auf Mandel- und Haferbasis sowie Sojaghurts in Natur und Fruchtvarianten. Der Markt für pflanzliche Produkte ist vorhanden, auf überschaubarem Niveau, aber er wächst. Das liegt neben der zunehmenden Zahl an Veganern auch an dem größer werdenden Kreis der Flexitarier, die bei Milch- und bei pflanzlichen Produkten zugreifen.



Wie viel Umsatz machen Sie denn schon mit den Hafer- oder Sojaprodukten und wo sehen Sie die Erlöse in fünf oder zehn Jahren?
Dazu möchte ich mich als Familienunternehmer nicht konkret äußern. Es ist aber auch heute kaum abzuschätzen, wie sich dieser Markt genau entwickeln wird. Die einzelnen Produktekategorien werden sicher weiter stabil wachsen und es wird neue Produkte geben und andere werden wieder aufgegeben. Gleichzeitig ist und bleibt das Kerngeschäft der Absatz mit Milchprodukten.

Sie bringen als Molkereichef also ständig neue Milchimitate auf den Markt. Wie argumentieren Sie da gegenüber ihren Milchlieferanten, den Landwirten?
Zuerst einmal, indem man klar macht, dass es hier keine Konkurrenz im klassischen Sinne gibt. Wir sind und bleiben eine Molkerei. Und unsere Milchbauern sind und bleiben unsere wichtigsten Partner. Die Milchproduktion und -vermarktung ist unser Kerngeschäft. Wir sind seit Jahren intensiv dabei, mit unseren Milchlieferanten Produkte bereitzustellen, die vom Verbraucher nachgefragt werden und die sich auch für unsere Milchlieferanten auszahlen wie beispielsweise Tierwohl-Milch und Bio-Produkte.

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Aber Ernährungsgewohnheiten wandeln sich, sie werden differenzierter und damit steigt die Nachfrage nach anderen Produkten. Letztlich ist für uns und unsere Partner wichtig, dass wir mit unserem Angebot viele relevante Kundenwünsche bedienen können. Diesen Plan verfolgen wir seit Jahren, z.B. auch mit der Herstellung von Direktsäften, Smoothies oder Kaffeekaltgetränken. Hier haben wir uns auch schon in Teilen auf neue Märkte bewegt. Damit halten wir unsere Molkerei zukunftsfähig. Und das hilft auch unseren Lieferanten.

Mehr zum Thema: Milchersatz aus Hafer, Mandeln oder Erbsen verdrängt die Kuhmilch. Damit es der nicht geht wie dem Diesel in der Autobranche, will die Milchindustrie ihrem Traditionsprodukt ein neues Image verpassen – und rüstet zur Entscheidungsschlacht.

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