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Landwirtschaft Die Schuldfrage im Kampf um die Milch

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Molkereien: „Ungleichgewicht bei Angebot und Nachfrage“


Die Molkereien
Die deutsche Milchindustrie setzt jährlich 26 Milliarden Euro um. Damit ist sie der mit Abstand umsatzstärkste Lebensmittelhersteller in Deutschland. Wolfgang Rommel leitet die deutsche Unternehmenskommunikation des internationalen Molkereikonzerns Arla Foods. Mit 13.000 Milchbauern ist das Unternehmen eine der weltweit größten Molkereigenossenschaften. Das Problem der Überproduktion im Milchbereich sei kein deutsches Problem, sondern ein globales. „Es herrscht ein weltweites Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Das wirkt sich erheblich auf die Preisentwicklung des heimischen Marktes aus“, sagt Rommel.

Ein Ende dieses Ungleichgewichts sieht er nicht, stattdessen rechnet Rommel mit einer weiteren Negativentwicklung des Marktes. „Das Russland-Embargo, die sinkende Kaufkraft Chinas und die Subventionierung von Milchbauern in anderen EU-Ländern wie Irland und den Niederlanden trägt zum Preisverfall bei“. Der sinkende Absatz in arabischen Ländern aufgrund des Ölpreisverfalls, sei ein weiterer Faktor. Das Angebot müsse der Nachfrage angepasst werden.

Anders als die beiden Landwirte nimmt Rommel allerdings auch den Verbraucher in die Verantwortung: „Die Deutschen haben aufgrund ihrer Discounter-Mentalität eine starke Tendenz, bei Lebensmitteln zu sparen“. Da sei der schöne Urlaub wichtiger als ein fairer Milchpreis.

Dass sich Molkereien tatsächlich auf einen steigenden Absatz im Milchmarkt eingestellt hatten, belegt eine Broschüre des Milchindustrie-Verbandes aus dem vergangenen Jahr wieder. Dort heißt es wörtlich: „Profitieren können davon (von der Abschaffung der Milchquote, Anm.d.Red.) besonders Lieferanten exportorientierter Molkereien, da gerade auf dem Weltmarkt die Nachfrage nach Milchprodukten erheblich gestiegen war und auch in Zukunft wieder weiter zunehmen wird“.

 

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    Der Handel
    Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht die weggebrochenen Märkte in Russland und China als Hauptgrund für die Überproduktion. Dadurch seien die Erzeuger nicht zu auskömmlichen Preisen zu entlohnen. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth beteuert allerdings, dass gerade aufgrund dieser Situation keine harten Verhandlungen mit den Molkereien geführt würden.

    Die aktuell fallenden Einkaufspreise seien dementsprechend lediglich die Möglichkeit, die niedrigen Erzeugerpreise auch an den Verbraucher weiterzugeben. Außerdem „stellen wir fest, dass dem Handel im marktwirtschaftlichen System und nach den wettbewerbsrechtlichen Regeln keine anderen Verhaltensweisen möglich sind“. Dennoch verschließe sich der deutsche Lebensmitteleinzelhandel nicht temporären Lösungen und stünde auch der Politik gerne zu Gesprächen zur Verfügung. Wieviel Gewinn pro Liter gemacht werden, konnte der Verband nicht sagen.

    Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

    Preissenkungen wie die von Aldi haben allerdings in der Regel Signalwirkung und Auswirkungen auf den gesamten Handel. Viele Wettbewerber orientieren sich im Preiseinstiegsbereich an der Nummer eins unter den günstigen Anbietern.

    Aldi Nord begründete die Rotstiftaktion mit dem Überangebot auf dem globalen Milchmarkt. Die Molkereien hätten deshalb die Milch billiger angeboten, und es gehöre zu den Grundsätzen der Preispolitik des Unternehmens, günstigere Einkaufspreise an die Verbraucher weiterzugeben. Der Lebensmitteleinzelhandel sei nicht für das aktuelle Überangebot an Rohmilch verantwortlich.

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