Lebensmittel Oetker auf Magerstufe

Der Umsatz der Lebensmittelsparte wächst 2011 um magere 0,3 Prozent. Ein Grund: Das Geschäft im Ausland schwächelt. Gerade dort will der Mischwarenkonzern seine Investitionen hochfahren.

Oetker: Mageres Wachstum von nur 0,3 Prozent Quelle: dpa

Die schwächelnde Weltwirtschaft und Preissteigerungen bei Rohstoffen haben auch im Lebensmittelgeschäft der Oetker-Gruppe Spuren hinterlassen. Der Umsatz der Konzerntochter Dr. Oetker blieb mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent auf 1,95 Millionen Euro nahezu unverändert, wie das Unternehmen am Dienstag in Bielefeld mitteilte.

Im Ausland gingen die Erlöse von Dr. Oetker gegenüber 2010 um 1,2 Prozent zurück. Ein Problem - der Anteil des Auslandsgeschäfts umfasst 65 Prozent des Gesamtumsatzes. Im Inland fuhr die Sparte dagegen einen Zuwachs von 3,3 Prozent ein. Für das laufende Jahr zeigt sich Dr. Oetker optimistisch. Der bisherige Geschäftsverlauf habe den Erwartungen entsprochen, hieß es.

Das Geschäftsjahr sei geprägt gewesen von Spannungen an den Finanzmärkten und erheblichen Preissteigerungen. Dazu kam der Verkauf der Joghurtsparte Onken, der den Umsatz um rund 56 Millionen Euro gedrückt hat. Mit dem Jahresbeginn 2012 sei man insgesamt zufrieden.

Wie Oetker sein Imperium errichtete
Der Todestag des Firmengründers Dr. August Oetker jährt sich am 10. Januar 2018 zum hundertsten Mal. Am 6. Januar 1862 wird der Bäckersohn August Oetker in Obernkirchen nahe dem ostwestfälischen Minden geboren. Der ehrgeizige Apotheker... Quelle: Oetker KG
... versucht es zuerst in Berlin, bevor er am 1. Januar 1891 die Aschoff'sche Apotheke übernimmt. Quelle: Oetker KG
Oetker entwickelt medizinische Weine oder Fußcreme; der wirtschaftliche Erfolg bleibt aber unter den Erwartungen. Dann experimentiert der Bäckersohn... Quelle: Oetker KG
...in einer vier Quadratmeter kleinen Kammer („meine Geheimbutze“) mit Backpulver. Das hatte zwar schon Justus Liebig erfunden. Man konnte es aber nicht längere Zeit lagern – und einen Beigeschmack hatte es auch. Quelle: Oetker KG
Oetker experimentiert so lange, bis er im Jahr 1893 portioniertes Backpulver in Tütchen auf den Markt bringt. Der Clou daran: Er garantiert, dass es genau die richtige Menge Triebmittel für ein Pfund Mehl war. Quelle: Oetker KG
Für die Qualität sollte der Name Dr. Oetker bürgen. Eine der heute bekanntesten Marken Deutschlands war entstanden.
1899 werden schon zwei Millionen Tütchen „Backin“ hergestellt. Quelle: Oetker KG
Im Mai 1900 zieht das Unternehmen in die Bielefelder Lutterstraße, wo noch heute die Zentrale in mächtigen alten Backsteinbauten sitzt. Neue Produkte wie Vanillin-Zucker, Speisestärke und das Puddingpulver... Quelle: Oetker KG
...bereichern das Sortiment. In den Fabriken lässt August Oetker Losungen anbringen wie „Ein heller Kopf, der Ordnung hält, erspart viel Arbeit, Zeit und Geld“. Quelle: Oetker KG
1916 fällt Augusts Sohn und designierter Nachfolger Rudolf im Ersten Weltkrieg, 1918 stirbt der Firmengründer mit nur 56 Jahren. Seitdem gab es nur fünf Chefs bei Oetker. Seit 2017 führt Albert Christmann als erster firmenfremder Manager den Konzern. Quelle: Oetker KG
Der Familienkonzern ist längst viel mehr als Pudding und Backpulver. 2015 stammte fast jeder zweite Euro des Konzernumsatzes von rund zwölf Milliarden Euro aus dem Reedereigeschäft (Hamburg Süd). 2016 verkaufte Oetker allerdings die Reederei an Maersk. Zweitgrößte Sparte bei Oetker waren bislang die Nahrungsmittel, die ein Viertel des Konzernumsatzes stellten. Quelle: Oetker KG
Drittgrößte Aktivität ist die Radeberger Gruppe, führender Bierhersteller Deutschlands. Dazu kommen Sekt, Wein und Spirituosen der Tochter Henkell, das Bankhaus Lampe und einige Luxushotels. Quelle: Oetker KG
Fotografie von Firmenpatriarch August: Wenn es um die Zukunft der Oetker-Spitze geht, wird das Unternehmen genauso einsilbig wie bei Fragen nach Gewinnen und Verlusten. Aus den drei Ehen von Rudolf-August Oetker (1916 bis 2007) gingen acht Kinder hervor.
Die fünf Ältesten sollen, als im Jahr 2009 an der Konzernspitze der Rückzug von August Oetker anstand – dem gleichnamigen Urenkel des Firmengründers –, den nur wenig jüngeren Richard durchgesetzt haben. Das war gegen den Willen der drei Jüngsten, die für Alfred waren. Quelle: PR
Alfred ist der älteste Sohn von Rudolf-August und dessen dritter Frau, Marianne. Wie sein Vater hat er Bankkaufmann gelernt. Später studierte er Betriebswirtschaft in Passau, promovierte in Leipzig, arbeitete im Marketing des Henkel-Konzerns und als Geschäftsführer für Oetker in Belgien und den Niederlanden. Quelle: dpa
Wie auch immer die Nachfolge geregelt wird, im Vordergrund stehe immer der Grundsatz: „Die Interessen der Unternehmens haben Vorrang vor denen der Familie“, heißt es bei den Oetkers. Und ansonsten: „Kein Kommentar.“ Quelle: dpa

Ab 2014: Mehr Pizzen auf dem amerikanisachen Markt

Auf den nordamerikanischen Markt möchte Dr. Oetker den Platzhirsch Nestle stärker herausfordern. Oetker werde ein neues Werk für Tiefkühlpizzen in Kanada nahe der US-Grenze errichten und von 2014 an Pizzen ausliefern. Wenn das Werk erfolgreich arbeite, solle die Produktion ausgebaut werden, kündigte der zuständige Oetker-Geschäftsführer Martin Reintjes an.

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„Das Potenzial ist riesig - es handelt sich um den größten Markt für Tiefkühlpizzen weltweit“, betonte er. Dr. Oetker ist bereits seit neun Jahren in Kanada aktiv, seit drei Jahren sammelt das Unternehmen Erfahrungen in den USA. Insgesamt wolle Oetker 2012 zwischen 140 und 150 Millionen Euro investieren - deutlich mehr als die rund 94 Millionen Euro aus dem Jahr 2011. Zudem seien auch Zukäufe möglich, wenn sie zum Geschäft passten, sagte Oetker-Chef Richard Oetker.

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