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Lebensmittel Oetker schwächelt auch im Ausland

Empfindliche Geldbußen für mutmaßlich verbotene Preisabsprachen beim Bier, interne Streitereien im Familienclan und bei Lebensmitteln kommt das Geschäft weder im In- noch im Ausland in Fahrt.

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Damit verdient die Oetker-Gruppe am meisten
Schild der Privatbank Bankhaus Lampe Quelle: dpa
Flasche Henkell Brut Quelle: PR
Radeberger-Flaschen Quelle: dpa
Dr.-Oetker-Gelierzucker Quelle: obs Dr. August Oetker Nahrungsmittel Kg
Schiff der Reederei Hamburg Süd Quelle: dpa

Auch wenn Konzernchef Richard Oetker sich durchaus zufrieden mit Umsatz und Ertrag des vergangenen Geschäftsjahres in der Lebensmittelsparte Dr. Oetker zeigt:  Wachstumschancen sieht er vor allem im Ausland. Im Inland sorgten Innovationen im Bereich Tiefkühlkost lediglich für Impulse. Der Nahrungsmittelsparte Dr. Oetker ist ein Teil der Oetker-Gruppe, zu der unter anderem noch Getränkemarken (Radeberger-Bier, Henkell-Sekt), Reedereien (Hamburg Süd), das Bankhaus Lampe und mehrere kleinere Unternehmen wie eine Luxushotelkette gehören.

Insgesamt legte der Hersteller von Pudding, Pizza, Müsli und Backzutaten für das vergangene Geschäftsjahr 2013 eine gemischte Bilanz vor. Der Umsatz stieg um 2,3 Prozent auf 2,13 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte Dr. Oetker den Umsatz um sieben Prozent steigern können. Organisch seien die Erlöse 2013 jedoch um fast fünf Prozent gewachsen, teilte das Unternehmen mit. Und zwar je zur Hälfte durch Preissteigerungen und mehr Verkäufe. Ein Teil des Zuwachses sei aber durch Währungseffekte zunichte gemacht worden.

Im Inland krabbelte der Umsatz um 2,4 Prozent auf 706 Millionen Euro, im Ausland erhöhte er sich um 2,2 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Hier habe das kurs- und akquisitionsbereinigte Wachstum 4,6 Prozent betragen. Schon im vergangenen Jahr hatte das Familienunternehmen aus Bielefeld den Umsatz auf dem deutschen Markt nur um knapp zwei Prozent steigern können. Seinerzeit hatte aber das Wachstum im Ausland bei über 10 Prozent gelegen. Der Anteil des Auslandsumsatzes liegt bei 67 Prozent. Guten Erlösen in Italien, Frankreich und den USA hätte etwa die schwierige Lage auf dem argentinischen Markt für Tiefkühlpizza gegenüber gestanden. Die Landesgesellschaft Argentinien sei verkauft worden.

In Deutschland wuchs der Umsatz um 2,4 Prozent. Erfolgreich sei vor allem der neue Pizzaburger. Seit der Einführung im Oktober 2013 habe der bereits drei Prozent Anteil am bundesweiten Markt mit Tiefkühlpizzen erreicht. Der wird auf rund eine Milliarde Euro im Jahr geschätzt.

Zuversicht für die kommenden Monate

Wie Oetker sein Imperium errichtete
Der Todestag des Firmengründers Dr. August Oetker jährt sich am 10. Januar 2018 zum hundertsten Mal. Am 6. Januar 1862 wird der Bäckersohn August Oetker in Obernkirchen nahe dem ostwestfälischen Minden geboren. Der ehrgeizige Apotheker... Quelle: Oetker KG
... versucht es zuerst in Berlin, bevor er am 1. Januar 1891 die Aschoff'sche Apotheke übernimmt. Quelle: Oetker KG
Oetker entwickelt medizinische Weine oder Fußcreme; der wirtschaftliche Erfolg bleibt aber unter den Erwartungen. Dann experimentiert der Bäckersohn... Quelle: Oetker KG
...in einer vier Quadratmeter kleinen Kammer („meine Geheimbutze“) mit Backpulver. Das hatte zwar schon Justus Liebig erfunden. Man konnte es aber nicht längere Zeit lagern – und einen Beigeschmack hatte es auch. Quelle: Oetker KG
Oetker experimentiert so lange, bis er im Jahr 1893 portioniertes Backpulver in Tütchen auf den Markt bringt. Der Clou daran: Er garantiert, dass es genau die richtige Menge Triebmittel für ein Pfund Mehl war. Quelle: Oetker KG
Für die Qualität sollte der Name Dr. Oetker bürgen. Eine der heute bekanntesten Marken Deutschlands war entstanden.
1899 werden schon zwei Millionen Tütchen „Backin“ hergestellt. Quelle: Oetker KG

Mit 145 Millionen Euro lag das Investitionsvolumen deutlich über dem Vorjahreswert von 109 Millionen Euro. In Deutschland wurden 40 Millionen Euro investiert, im Ausland 105 Millionen Euro. Wie im Vorjahr lagen die Schwerpunkte der Investitionstätigkeit auf dem Ausbau der Produktionsstätten und der Erweiterung der Distributionsstrukturen.

Die Anzahl der Beschäftigten stieg im Jahr 2013 um 1,8 Prozent auf 10.343 Mitarbeiter. Davon waren 4.314 Mitarbeiter in Deutschland und 6.029 Mitarbeiter im Ausland beschäftigt.

Die ersten drei Monate des Geschäftsjahres 2014 seien für Dr. Oetker gut verlaufen, teilt das Unternehmen mit. Trotz andauerndem Preisdruck auf den Rohstoffmärkten und weltwirtschaftlichen Schwankungen blicke das Unternehmen durchaus zuversichtlich auf die kommenden Monate. Neben dem weiteren Ausbau der strategischen Sortimente in allen Ländern werden auch im laufenden Jahr weitere Expansionsmöglichkeiten in ausländische Märkte geprüft.

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Zu Berichten über Auseinandersetzungen in der Eigentümerfamilie sagte Oetker: „Ja, es gab und gibt unterschiedliche Sichtweisen und kontroverse Diskussionen unter den Gesellschaftern.“ Die habe es aber immer gegeben und hätten keine Auswirkungen auf das Tagesgeschäft. Zu der Kartellstrafe in Millionenhöhe gegen die Oetker-Tochter Radeberger wollte sich Oetker nicht äußern.

Die Radeberger Gruppe, Biermarktführer in Deutschland, hat den Vorwurf der Preisabsprache zurückgewiesen und Widerspruch eingelegt.

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