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Lebensmittel Pferdefleisch-Skandal sorgt für Flaute im Kühlregal

Der Skandal um falsch etikettiertes Fleisch hat nach einer GfK-Analyse die deutschen Verbraucher vergrätzt. TK-Lasagne, Cannelloni, Rindergulasch und Ravioli erlebten in den Publikumsgunst einen Gefrierpunkt.

Spuren von Pferdefleisch in Lasagne - den Verbraucher verschlug es nach den Funden in Großbritannien und schließlich auch in Deutschland den Appetit auf Tiefkühlware. Quelle: Reuters

 

Die Reaktion der Verbraucher fiel heftig aus. Als Mitte Februar auch in Deutschland Produkte mit Pferde- statt Rindfleisch auftauchten, ging die Nachfrage schlagartig zurück. In welchem Umfang der Absatz einbrach, zeigt jetzt eine Analyse des Marktforschungsunternehmens GfK. „In den letzten beiden Februarwochen halbierte sich die Nachfrage nach Tiefkühl-Lasagne und Tiefkühl-Cannelloni. Diese Produkte waren am häufigsten mit „PS-getunt” worden“, schreiben die Experten.

Von Pferdelasagne und Ehec-Sprossen
2016: Plastik im SchokomantelAbermillionen Schokoriegel müssen in die Werkstatt – sozusagen. Nachdem eine Kundin in einem Marsriegel auf ein Stück Plastik gebissen hat, hat der Hersteller mit einer gigantischen Rückruf-Aktion begonnen. Sie gilt mittlerweile für alle Staaten der Europäischen Union, mit Ausnahme von Bulgarien und Luxemburg. Betroffen sind Riegel der Marken Mars und Snickers mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum vom 19. Juni 2016 bis 8. Januar 2017 zurück; zudem alle Produkte der Marke Milky Way Minis und Miniatures sowie mehrere Celebrations-Mischungen mit diesem Mindesthaltbarkeitsdatum. Quelle: dpa
2016: Glyphosat und Malz, Gott erhalt'sPro Jahr konsumiert ein Deutscher durchschnittlich 107 Liter Bier. Und damit nicht nur, streng nach dem deutschen Reinheitsgebot, Wasser, Hopfen, Hefe und Malz, sondern auch noch eine gerüttelte Menge Glyphosat – das weltweit meist eingesetzte Pestizid. In deutschen Bieren wurden Mikrogrammwerte deutlich über den Grenzwerten für Trinkwasser gemessen, im krassesten Fall 300-fach über dem Grenzwert. Direkte Gefahr für die Gesundheit besteht allerdings nicht. Quelle: dpa
2014: Dänischer Wurstskandal erreicht DeutschlandIn Dänemark stellte sich 2014 heraus, dass Produkte des Wurstherstellers Jørn A. Rullepølser mit Listerien-Bakterien verseucht waren. Listerien sind für gesunde Menschen in aller Regel ungefährlich, allerdings ein Risiko für immungeschwächte Personen und schwangere Frauen. In Dänemark starben innerhalb von 30 Tagen zwölf Menschen, 15 weitere erkrankten. Der Betrieb wurde geschlossen, die Produkte zurückgerufen. 160 Kilogramm waren auch an einen deutschen Supermarkt in Schleswig-Holstein an der dänischen Grenze gegangen – sie waren bereits verkauft, bevor sie sichergestellt worden konnten. Verbraucher wurden gebeten, die Wurst zu vernichten oder zurückzugeben. Quelle: dpa
2014: Käse mit ColiDas Unternehmen Vallée-Verte rief die zwei Käsesorten „Saint Marcellin“ und „Saint Felicien“ zurück. In den Produkten der französischen Käserei Fromageries L'Etoile wurden Coli-Bakterien nachgewiesen. Diese können innerhalb einer Woche nach Verzehr zu teils blutigem Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen sowie Fieber führen. Gerade bei Kindern besteht außerdem die Gefahr von Nierenkomplikationen. Quelle: dpa
2014: Von wegen Edel-Hähnchen2014 deckte die „Zeit“ auf: Das Neuland-Gütesiegel, gegründet vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem deutschen Tierschutzbund und der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, als ganz besonderes Qualitätssiegel hielt bei Brathühnchen nicht so ganz, was es versprach. Eigentlich sollten Neulandtiere aus Freilandhaltung stammen, gefüttert mit Körnern aus der Region. Tatsächlich stammen in Norddeutschland viele Tiere aus einem ganz gewöhnlichen industriellen Schlachtbetrieb in Niedersachsen. Quelle: dpa
2013: Pferd in der LasagneZusammen mit der Ehec-Epidemie wohl der aufsehenerregendste Lebensmittel-Skandal der vergangenen Jahre: 2013 stellte sich heraus, das Rindfleisch in mehreren Fertiglasagnen aus der Tiefkühlung war eigentlich Pferd. Im Anschluss wurden in Labortests rund 70 Fälle von falsch etikettierten Fertigprodukten nachgewiesen. Die größte Menge an Pferdelasagne gab es in Nordrhein-Westfalen mit 27 Fällen, gefolgt von Hessen (13), Baden-Württemberg (8) und Bayern (8). Weitere betroffene Länder waren Mecklenburg-Vorpommern (5), Brandenburg (4) und Hamburg (2). Quelle: REUTERS
2013: Noch mehr PferdBegonnen hatte der Skandal in Irland und Großbritannien, wo bereits im Januar Hamburger-Frikadellen auftauchten, die Spuren von Pferd enthielten. Bei Hamburgern der Marke Tesco waren es sogar deutlich mehr als nur „Spuren“: Sie bestanden zu 23 Prozent aus Pferdefleisch. Die Tiefkühl-Hackbällchen „Köttbullar“ der Möbelhaus-Kette Ikea in tschechischen Häusern enthielten ebenfalls Pferd und flogen daraufhin aus dem Sortiment – zum Ausgleich landete in schwedischen Tiefkühlregalen Lasagne mit einem Pferdefleischanteil von bis zu 100 Prozent. In ganz Europa wurden schließlich Händler festgenommen, die falsch deklariertes Fleisch verkauften. Quelle: dpa

Nach und nach verlängerte sich die Liste, der mit Pferd versetzen Produkte. Rindergulasch und Ravioli waren betroffen und damit die Dosen-Fertiggerichte. Entsprechend ging der Absatz von Fertiggerichten in der Dose laut GfK in der achten Kalenderwoche um 46,5 Prozent in der neunten Kalenderwoche gar um 56,9 Prozent zurück.

„Der Aufstieg der immer beliebteren Tiefkühl-Fertiggerichte ist erst einmal gestoppt, ein kräftiges Wachstum ist in ein zum Teil noch kräftigeres Minus umgeschlagen“, konstatieren die Forscher. Es bleibe aber abzuwarten, ob sich der Trend in den Märzwochen fortsetzt.

In Arbeit
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Daten zu einer möglichen Ursache der mittlerweile fast regelmäßig auftretenden Lebensmittelskandale liefern die GfK-Forscher in ihrer Untersuchung gleich mit: die vergleichsweise geringe Ausgabebereitschaft vieler Konsumenten für Lebensmittel. So würden die deutschen Verbraucher nicht ganz zwanzig Prozent ihrer gesamten Konsumausgaben für Nahrungs- und Genussmittel sowie für Getränke ausgeben. Das ist gerade einmal jeder fünfte Euro.

Einen weit größeren Teil verschlingen Haus und Wohnung sowie deren Einrichtung. „Im Vergleich mit den anderen europäischen Ländern sind in Deutschland somit die Ausgaben für die Ernährung am geringsten“, bilanzieren die GfK-Experten.  Im EU-Durchschnitt würden sie um rund ein Fünftel höher liegen als in Deutschland. Zwar seien auch hierzulande die Ernährungsausgaben in den letzten Jahren gestiegen. „Das zeugt aber nicht unbedingt von höherer Wertschätzung für die Nahrungsmittel. Die Ursache dafür sind wohl eher die gestiegenen Rohstoffpreise“, heißt es in der Analyse.

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