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Lebensmittelhandel Edeka droht online den Anschluss zu verlieren

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„Edekas Online-Strategie ist bislang ein Trauerspiel“

Während Rewe powert, droht Edeka den Anschluss zu verlieren. „Edekas Online-Strategie ist bislang ein Trauerspiel“, bilanziert Heinemann. Doch woran liegt das? Schließlich ist der Konzern offline die unangefochtene Nummer Eins im deutschen Brot-und-Butter-Business. Zusammen mit dem konzerneigenen Billigheimer Netto Markendiscount betreiben die Hamburger 11.427 Märkte in Deutschland. 51,9 Milliarden Euro Umsatz machen Edeka zum unangefochtenen Marktführer im deutschen Lebensmittelhandel, 369.300 Mitarbeiter zum wohl größten Arbeitgeber des Landes.

Eigentlich müsste auch der Krämerkoloss in der Lage sein, eine bundesweiten Online-Versand für frische Lebensmittel zu betreiben. Tatsächlich jedoch geraten zentrale Zukunftsprojekte immer wieder zum Geduldsspiel bei Edeka. Denn die Machtverhältnisse in dem genossenschaftlich organisierten Konzernverbund, seien sorgsam austariert, erklärt ein früherer Manager. Rund 3800 Kaufleute bilden mit ihren Regionalgesellschaften die eigentlichen Machtzenten der Gruppe – und sind von Online-Konkurrenz – selbst aus dem eigenen Haus – nicht gerade angetan. Vor allem wenn sie auch noch Geld kostet.

Das Management kann zwar argumentieren, hat am Ende aber nicht allzu viele Durchgriffsmöglichkeiten. Die Stärke seiner blau-gelben Rivalen basiere „auf den Kaufleuten und nicht auf dem Management“, beschrieb schon vor zwei Jahren der damalige Rewe-Chef Alain Caparros die komplexen Machtverhältnisse bei Edeka. Am Ende wacht dort jede Region über ihre Kompetenzen, versucht jeder Kaufmann, das Beste für sich herauszuholen – im Zweifel auch in Opposition zu Hamburg.

„Edekas dezentrale Struktur stärkt zwar das Engagement der Kaufleute vor Ort in ihren Läden, sorgt auf nationaler Ebene aber für Reibungsverluste und bremst insbesondere digitale Innovationen aus“, sagt Heinemann. Ähnliche Strukturprobleme hatten einst schon bei MediaSaturn für Probleme im Online-Handel gesorgt. Nur mühsam bekam der Elektronikhändler letztlich die Kurve im E-Commerce. Immerhin, Edekas regionale Zersplitterung erschwert zwar den Aufbau und Betrieb eines nationalen Online-Shops. Einzelne Regionen scheinen aber durchaus gewillt, im Netz künftig stärker zu experimentieren. So hat sich Edeka Rhein-Ruhr am deutschen Ableger des holländischen Online-Players Picnic mit 20 Prozent beteiligt. In Deutschland ist Picnic zwar gerade erst in Neuss bei Düsseldorf gestartet und ansonsten weitgehend unbekannt. Doch in der holländischen Heimat ist das Unternehmen durchaus erfolgreich. Dort fahren die kleinen Lieferwagen des E-Food-Spezialisten bereits in drei Dutzend Städten zur Kundschaft. Davon ist Edeka indes noch weit entfernt.

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