Lebensmittelpreise Billiger wird’s nicht bei Aldi, Edeka und Co.

Die Preise für landwirtschaftliche Produkte wie Gemüse sind zuletzt auf Erzeugerebene noch einmal stark gestiegen. Das wird sich mit Verzögerung auch in den Supermärkten zeigen.  Quelle: dpa Picture-Alliance

Die Lebensmittelpreise werden weiter steigen. Denn neben dem inflationären Grundrauschen durch höhere Energie- und Logistikkosten treiben Sondereffekte wie Ernteausfälle die Preise für Grundnahrungsmittel.

  • Teilen per:
  • Teilen per:


Der Wochenendeinkauf bei Aldi, Lidl, Edeka und Co. taugt in diesen Tagen zum ökonomischen Anschauungsunterricht. Zumindest, wenn es um das Thema Inflation geht. Wohl nirgendwo sonst in der Wirtschaft sind Preisveränderungen so transparent wie am Supermarktregal. Und allenfalls an Tankstellen gibt es ähnlich viel Ärger, wenn Verbraucher plötzlich mehr bezahlen müssen. Zuletzt gab es reichlich Ärger an Deutschlands Supermarktkassen.

Kartoffeln? 23,8 Prozent teurer. Eier? 16,4 Prozent teurer. Und Brot? Ist 8,1 Prozent teurer als im Vorjahr, zeigt eine Untersuchung der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Die Experten haben die Entwicklung von Verbraucherpreisen für frische Lebensmittel im März analysiert. Ihr Fazit fällt eindeutig aus: „Eine Beruhigung bei den Lebensmittelpreisen ist weiterhin nicht zu sehen.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung in Sachen Inflation kommt Christoph Schmidt, Präsident des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. „In der Tat ist es so, dass Energie- und Lebensmittelpreise besonders betroffen sind“, sagt Schmidt im Podcast „Chefgespräch“ mit WiWo-Chefredakteur Beat Balzli. 

Die Preissprünge ziehen sich bereits quer durch die Frischeabteilungen im Einzelhandel. Kein Wunder: Die Energie- und Logistikkosten sind in den vergangenen Monaten rasant gestiegen. Auch Düngemittel sind deutlich teurer geworden. Schon das erhöht die Produktionskosten vieler Agrarbetriebe. Sie verlangen in der Folge höhere Preise von ihren Kunden, also den Nahrungsmittelunternehmen und dem Handel. Und am Ende reichen auch diese Unternehmen ihre gestiegenen Einkaufskosten weiter – an die Konsumenten.

Besonders teuer wird es, wenn das inflationäre Grundrauschen durch Sondereffekte verstärkt wird. Dabei geht es nicht nur um den Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland, die unmittelbare Folgen für das Angebot an Sonnenblumenöl, Senfsaaten und Weizen haben. Auch Ernteausfälle oder politische Entscheidungen in anderen Weltregionen machen sich bemerkbar.

Dass etwa der Anstieg der Kartoffelpreise derzeit deutlich über der ohnehin beachtlichen Inflationsrate von 7,3 Prozent im März liegt, dürfte vor allem mit wetterbedingten Missernten im vergangenen Jahr zu tun haben. Und höhere Milchpreise sind vermutlich auch eine Folge von einem Gesetz in den Niederlanden, das Milchbauern dort zu mehr Nachhaltigkeit und Tierwohl verpflichtet hat, aber auch dazu beitrug, dass viele Höfe aufgegeben wurden. Die Folge: weniger Angebot und höhere Preise. 



Auch für Rindfleisch und Geflügel müssen Verbraucher inzwischen deutlich mehr bezahlen. So kostete das Kilo Rinderhack aus konventioneller Erzeugung im Preiseinstiegssegment im vergangenen Monat 9,18 Euro statt 7,58 Euro im Vorjahr. Und die 400-Gramm-Packung Hähnchen-Minutenschnitzel verteuerte sich von 3,49 Euro auf 3,99 Euro.

Teureres Futtermittel sowie höhere Produktionskosten hätten im März zu diesen Erhöhungen auf Verbraucherebene geführt, berichten die AMI-Experten. Neben Rindfleisch und Geflügel seien auch die Preise für Eier Ende März gestiegen. Die Zehner-Packung Eier hat sich dadurch für jede Haltungsform um stattliche 30 Cent verteuert.

Und ein Ende der Preissteigerungen für Lebensmittel ist derzeit nicht in Sicht. Diese würden vor allem einkommensschwächere Haushalte belasten, sie „trifft es zweifelsfrei härter als andere“, sagt Schmidt im WirtschaftsWoche-Podcast „Chefgespräch“. Denn Geringverdiener würden einen prozentual höheren Einkommensanteil für Energie und Lebensmittel ausgeben.

Soziale Härten ließen sich teilweise aber durch staatliches Handeln kompensieren. Gezielt etwas für Einkommensschwächere zu tun, sei daher der richtige Weg, argumentiert Schmidt.

Ob das ausreicht? Am Mittwoch veröffentlichte das Statistische Bundesamt die jüngsten Daten zu den Erzeugerpreisen für landwirtschaftliche Produkte. Sie setzen an der ersten Handelsstufe an, umfassen also jene Entgelte ohne Umsatzsteuer, die Landwirte beim Verkauf an Nahrungsmittelhersteller oder Händler erzielen. Demnach verteuerten sich im Februar Agrarprodukte wie Getreide, Kartoffeln und Raps im Vergleich zum Vorjahresmonat um 22,5 Prozent. Getreide war 31,3 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Kartoffeln sogar 87,6 Prozent. Für Milch zahlten die Einkäufer 30,1 Prozent mehr als im Februar 2021.

Rezept zum Reichwerden? Das steckt hinter dem System von Deven Schuller

Ein selbsternannter Finanzexperte will seinen Kunden laut eigener Aussage dabei helfen, finanzielle Freiheit zu erreichen, und pflastert das Internet mit Werbung. Was steckt dahinter? Ein Selbstversuch.

Finanzielle Unabhängigkeit So bauen Sie Ihr Vermögen auf

Finanzielle Unabhängigkeit setzt ein ausreichend großes Vermögen voraus. Wie wird es aufgebaut? Wir stellen die besten Strategien vor.

Leistung Warum Manager es ihren Mitarbeitern nicht zu gemütlich machen sollten

Wenn sich Mitarbeiter sicher fühlen, bringen sie bessere Leistung. Das zumindest ist die Hoffnung. Tatsächlich ist oft das Gegenteil der Fall.

 Weitere Plus-Artikel lesen Sie hier

Zwar wird der Anstieg der Erzeugerpreise nicht eins zu eins an die Verbraucher weitergegeben, zumal Agrarrohstoffe meist nur einen Teil der Gesamtkosten eines Nahrungsmittels ausmachen. Zudem dürfte ein Teil des Anstiegs schon in den März-Erhöhungen der Verbraucherpreise enthalten sein. Dennoch ist der Trend eindeutig: Billiger wird’s in den nächsten Wochen nicht bei Aldi, Edeka und Co.

Hören Sie hier in den Podcast mit Christoph Schmidt

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%