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Lego Erfolg in Stein gemeißelt

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Alles richtig gemacht

Klötzchen, aus denen Kinderträume gebaut werden
Es sind noch einmal 18 Legosteine mehr geworden: 2007, beim 75-jährigen Jubiläum des dänischen Spielzeugherstellers, besaß jeder Mensch im Durchschnitt 62 Legosteine. Zum 80-jährigen Jubiläum sind es schon 80 Legosteine. Jeder Mensch in jedem Alter auf der ganzen Welt wohlgemerkt besitzt statistisch gesehenen so viel Legosteine - die kleinen bunten Kunststoffquader sind längst nicht mehr nur ein Kinderspiel, sondern werden auch von Erwachsenen wieder für sich entdeckt. Quelle: Lego
Die Geschichte des nach Umsatz heute drittgrößten Spielzeugherstellers der Welt ist die Geschichte eines einfachen Tischlers, der sich auch von Widrigkeiten des Lebens nicht vom Kurs abbringen ließ. Ole Kirk Christiansen kam 1891 in der damals bitterarmen Region Jütland zur Welt. 1916 machte er sich als Schreiner und Tischler selbstständig, 1924 brannte seine erste Werkstatt mitsamt seinem Haus ab, nachdem zwei seiner vier Söhne mit Feuer gespielt hatten. Quelle: Lego
Christiansen baute acht Jahre später eine neue Werkstatt auf und gründete am 10. August 1932 in Billund seine Fertigung von Bügelbrettern, Stühlen und Holzspielzeug. Die Umstände für die Geburtsstunde des Unternehmens hätten nicht ungünstiger sein können: Nur gut einen Monat danach starb Christiansens Frau, obendrein brach die Weltwirtschaftskrise ein. Doch der Tischler zeigte sich zäh. Er holte seinen gerade zwölf Jahre alten Sohn Godtfred Kirk in die Firma. Zwei Jahre später erfand er den heutigen Namen. Es ist eine Kurzform von Leg godt, was übersetzt Spiel gut heißt. Quelle: Lego
Der alte Christiansen legte die Basis des Unternehmens, sein junger Sohn war der begnadte Tüftler für die Weiterentwicklung. 1935 entwickelt Lego das erste Konstruktionsspielzeug, bald hing das Familienmotto „Nur das Beste ist gut genug“ auf einem Holzschild in der Werkstatt. Den Durchbruch schaffte die Familie mit der Abkehr vom bisherigen Material Holz. Direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs schaffte Lego als erste Firma in Dänemark eine Kunststoff-Spritzgussmaschine an und begann mit dem Material zu experimentieren. Quelle: Lego
Zu den ersten durch die Maschine möglich gewordenen Neuerfindungen gehörten die so bezeichneten sich „automatisch verbindenden Steine“, ein Vorläufer der heutigen Legosteine. Sie hatten vier und acht Noppen und wurden nur in Dänemark angeboten. 1954 lernte Godtfred Kirk bei einer Schiffsreise nach Großbritannien einen Einkäufer kennen, der der Meinung war, dass es Spielzeug an System fehlt. Es wurde ein wegweisendes Gespräch: Der nun voll in die Unternehmensführung integrierte Junior entwickelte die Idee für das Lego-System. Quelle: Lego
1955 gab es im Lego System 28 verschiedene Baukästen. Als Christiansen diese auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorstellte, gab es allerdings ein vernichtendes Echo. Für den deutschen Markt sei Lego vollkommen ungeeignet. Dennoch setzte Lego voll auf Expansionskurs und gründete 1956 seine erste Auslandsfiliale in Hohenwestedt in Schleswig-Holstein. Quelle: Lego
Technisch wurde das Jahr 1958 das entscheidende: Denn bislang hielten die Ur-Legosteine nur mäßig zusammen. Doch in diesem Jahr patentierte Lego die Fortentwicklung der Steine, die seitdem außer Noppen an der Oberseite auch Röhren in der Unterseite haben und stabil zusammenhalten. Quelle: Lego

Erbauen, einreißen, wieder erschaffen, sich wandeln. Ein bisschen erinnert der Legofilm auch an die eigene Firmengeschichte. Vor gut zehn Jahren ging das Familienunternehmen fast in die Pleite. Weil die Patente für den berühmten Baustein ausliefen und Billiganbieter nachzogen, brauchte Lego eine neue Strategie. Die Firma wagte sich auf neue Märkte: Kinderkleidung, Freizeitparks, Computerspiele. Für die aufwendige Entwicklung von Videospielen gab Lego viel Geld aus. Die Freizeitparks verwaltete das Unternehmen selbst. Doch das ging schief.

Lego suchte 2004 eine neue Führung. Einen kreativen Kopf, der Lego wieder aufbauen konnte. Es kam der damals 35-jährige ehemalige McKinsey-Berater Jørgen Vig Knudstorp. Seine Erfolgsstrategie: Er führt das Lizenzsystem ein. So kann alles, was nicht mit der direkten Produktion der Lego-Steine zu tun hat, wie etwa die Videospiele und Freizeitparks, ausgelagert werden. Für den aktuellen Film und das Videospiel arbeitet Lego mit der US-Filmgesellschaft Warner Bros. zusammen.

Statt also selbst teure Entwicklungskosten zu tragen, lässt Lego entwickeln. Wie viel von dem an den Kinokassen eingespielten Geld letztendlich an Lego zurückfliest, dazu hält sich Lego bedeckt. Gleichzeitig erwirbt Lego Lizenzen für bekannte Figuren aus Film und Fernsehen. Die Star-Wars-Linie etwa ist eine der erfolgreichsten.

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Lego muss auf den rückläufigen Markt mit klassischem Kinderspielzeug reagieren. Weil in Deutschland weniger Kinder geboren werden, schrumpft die Lego-Kundschaft stetig. Hinzu kommt, dass Kinder immer schneller erwachsen werden, und immer früher zum digitalen Spielzeug greifen, wie Computerspielen, iPads und Playstation.

Mit der Produktlinie Lego Technik hat Lego bereits erfolgreich die Zielgruppe der Jugendlichen und Erwachsenen fürs Tüfteln begeistert. Nun auch die Erwachsenen mit Videospielen abzuholen, ist laut einer Sprecherin von Lego zwar derzeit nicht geplant. Wenn es gut gemacht ist, könnte es aber der nächste richtige Schritt sein, sagt Pirck.

Pirck glaubt, Lego mache derzeit alles richtig. Dennoch warnt er Lego, sich mit immer neuen Produkten zu weit von der klassischen Lego-Baukunst zu entfernen. Denn der klassische Lego-Stein sei immer noch die Basis für den Erfolg aller neuen Produkte.

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