Lieferservice Loop: Die Massenprodukte in der Pfandverpackung kommen
Was haben Beiersdorf, Pepsico, Mondelez, Gilette, Coca-Cola, Unilever, Nestlé, Mars und Procter & Gamble gemeinsam? Na klar, alle stellen so genannte Fast Moving Consumer Goods her, also sich schnell verkaufende Produkte wie Shampoos, Tütensuppen, Katzenfutter, Getränke oder Windeln. Zugleich sind alle diese klangvollen Namen auch Teilnehmer an einem Projekt namens Loop. Loop ist eine E-Commerce-Plattform, auf der Verbraucher Produkte der genannten Unternehmen bestellen können. So weit, so gut – kann man bei Amazon oder Rewe auch.
Der entscheidende Unterschied: Wer bei Loop Deos, Müsli, Zahnbürsten oder Saft bestellt, kann die Verpackungen zurückgeben, beziehungswiese wieder befüllen lassen. Die leeren Behälter aus Hartplastik, Glas, Alu und anderen Materialien werden im Rahmen eines Abo-Modells zu Hause abgeholt, gereinigt und schließlich wieder befüllt, wiederverwendet oder recycelt. Für die Verpackung wird ein Pfand erhoben.
Auf seiner Homepage vergleicht Loop das Konzept mit der Reanimation des Milchmann-Modells.
Loop will Müll vermeiden und seinen Kunden eine umweltfreundliche Lösung für alte Verpackungen anbieten. Dabei setzt das US-Unternehmen auf ein Pfandsystem für die Verpackungen von gewöhnlichen Konsumgütern, wie Spülmittel, Seife oder Deo. Auf der Plattform von Loop können sich die Käufer registrieren und Alltagsprodukte bestellen.
Foto: PresseDie online gekauften Produkte werden dem Kunden per Lieferdienst ins Haus gebracht. Ist das Produkt aufgebraucht, werden die Behälter, auf die der Kunde Pfand zahlt, im Rahmen eines Abo-Modells später wieder abgeholt und wiederverwertet. Das Unternehmen vergleicht das Konzept mit der Reanimation des Milchmann-Modells.
Foto: PresseDie ersten Pilotprojekte des Unternehmens beginnen in diesen Wochen. Im Großraum Paris und in New York können Kunden zuerst mit dem Recyclingsystem beginnen. Dabei haben sie derzeit eine Auswahl aus rund 300 Produkten.
Foto: WirtschaftsWocheHinter Loop steht das US-amerikanische Recyclingunternehmen Terracycle, das auf Mehrwegverpackungen spezialisiert ist. Im Januar stellte dessen Gründer Tom Szaky seine Pfand-Idee beim Weltwirtschaftsforum in Davos vor. Er ist davon überzeugt, dass das Loop-Modell „die Zukunft des Konsums ist.“
Foto: PresseRund 25 internationale Konsumgüterhersteller bieten bereits einige ihrer Produkte in Mehrwegverpackungen bei Loop an.
Foto: PresseSo ist zum Beispiel der Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble mit insgesamt zehn Marken dabei. Dabei verkauft das Unternehmen etwa Shampoo oder Waschmittel über Loop.
Foto: PresseNormalerweise werden Produkte wie Waschmittel in Wegwerfverpackungen verkauft. Der Lieferdienst Loop will das nun mit seinem Pfandservice ändern.
Foto: PresseDie Hersteller versenden dabei ihre Produkte in eigens für Loop entwickelten Verpackungen. In diesem Beispiel kann die Windelbox nach Gebrauch der Windeln wieder mit Loop zurückgeschickt werden.
Foto: PresseDabei setzen nicht alle Unternehmen auf Verpackungen aus Plastik. Einige Produkte werden auch in Edelstahlbehältern oder in Glasflaschen geliefert.
Foto: PresseUnilever gibt an, dass die Verpackungen zum Nachfüllen, die das Unternehmen über Loop verkauft, für mindestens 100 Wiederverwendungen ausgelegt sind.
Foto: PresseGreenpeace begrüßt Initiativen wie Loop. Immer wieder fordern Umweltorganisationen Konsumgüterriesen auf, weniger Verpackungen zu produzieren oder sogar gänzlich zu vermeiden. Im Verhältnis zu den Produktionsmengen der großen Konzerne dürfte der Effekt von Loop allerdings gering sein. Denn viele Hersteller sind mit nur wenigen Produkten dabei. Beiersdorf zum Beispiel verkauft lediglich ein Produkt aus der Nivea-Men-Range bei Loop.
Foto: PresseDie Absicht hinter Loop ist klar: Loop soll Verpackungsmüll vermeiden und Kunden eine umweltfreundliche Lösung für ihre alten Verpackungen anbieten. In diesen Wochen sollen erste Pilotprojekte im Großraum Paris und New York starten. Das Start-Sortiment umfasst rund 300 Produkte von rund zwei Dutzend namhaften Markenherstellern sowie einige Bio-Eigenmarken des französischen Handelsriesen Carrefour. Hinter Loop steckt ein auf Mehrwegverpackungen spezialisiertes US-amerikanisches Recyclingunternehmen namens Terracycle. Aber vor allem dessen Gründer Tom Szaky. Der gebürtige Ungar galt vor 15 Jahren als Shootingstar des Recyclings in den USA. Doch Szaky wollte nicht einfach nur Missstände wie Verpackungsmüllberge minimieren oder optimieren, er wollte sie völlig beseitigen. Sprich: Er wollte Konsum ohne Abfall möglich machen.
Als Szaky noch ein Kleinkind war, wanderten seine Eltern von Ungarn nach Kanada aus. Später studierte er an der US-amerikanischen Universität Princeton Psychologie und Wirtschaft, brach das Studium mit 20 Jahren ab und gründete zehn Jahre später das Start-up Terracycle. Begonnen hatte alles mit Würmern. Szaky verfütterte die Abfälle aus der Uni-Kantine an Würmer, die daraus Dünger machen. Drei Jahre später nahm der Handelsriese Walmart den Naturdünger in sein Sortiment auf. Seit dem geht es für Szaky und Terracycle bergauf. Mittlerweile hat die Firma Zweigstellen in 15 Ländern wie Schweden, Brasilien, Großbritannien und Deutschland.
Doch bloßes Recycling war Szaky irgendwann zu wenig. Er wollte Müll grundsätzlich vermeiden. So tüftelte er an einer Plattform, die Markenkonzernen die Möglichkeit gibt, künftig ohne Verpackungen auszukommen. Im Januar stellte Szaky seine revolutionäre Idee Loop der Öffentlichkeit beim Weltwirtschaftsforum in Davos vor. Das Prinzip dahinter ist einfach: Der Verbraucher registriert sich auf der Loop-Plattform und kauft dort die Produkte. Diese werden ihm dann in eigens entwickelten Verpackungen direkt ins Haus geliefert. Hat der Kunde sein Deo oder sein Speiseeis aufgebraucht, werden die Behälter abgeholt, gereinigt und wiederverwendet. Inzwischen bieten 25 internationale Konsumgüterhersteller einige ihrer Produkte in recycelbaren Mehrwegverpackungen bei Loop an. Tom Szaky ist überzeugt, dass Loop „die Zukunft des Konsums“ ist. „Eine Welt, in der es keine Abfälle mehr gibt“, sei in greifbarer Nähe.
Für die Konzerne ist die Teilnahme bei Loop eine wichtige Strategie im Kampf gegen Verpackungsmüll und für ein grünes Image. Denn viele verkaufte Produkte bedeuten auch viele Plastikverpackungen. Schon seit Jahren fordern Kritiker ein radikales Umdenken. So zählt etwa der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller Nestlé auch zu den größten Plastikverschmutzern. Darauf machte Greenpeace vor Wochen mit einem 20 Meter langen Plastikmonster am Eingang zum Nestlé-Hauptsitz in Vevey aufmerksam. Doch nicht nur Nestlé, die ganze Branche steht am Pranger. Sie spürt nicht nur zunehmendem Druck von Umweltschützern, sondern auch von Öffentlichkeit und Politik. So sagte die EU wegen der zunehmenden Verschmutzung der Meere bereits Wegwerfgegenständen wie Einwegbesteck, Plastiktellern oder Trinkhalmen den Kampf an. Im Dezember wurden daraufhin bestimmte Plastikprodukte verboten.
Immer wieder fordern Umweltorganisation die Konsumgüterriesen auf, weniger Verpackungen zu produzieren oder grundsätzlich zu vermeiden. Initiativen wie Loop seien sehr begrüßenswert, stellt Greenpeace fest. Allerdings biete beispielsweise Nestlé dort bisher nur ein Eis-Produkt an. In der Öffentlichkeit sehen Initiativen wie Loop sicher gut aus, im Verhältnis zu den Produktionsmengen der Konzerne dürfte der Effekt jedoch gering und weitgehend wirkungslos sein. Denn auch die Nestlé-Wettbewerber starten zunächst noch verhalten.
Immerhin: Unilever schickt die Marken Dove, Rexona und Axe in nachfüllbaren Deostick namens „minim“ auf die Plattform. Je nach Verwendung halte das Produkt durchschnittlich einen Monat, wobei die Verpackung für mindestens 100 Wiederverwendungen ausgelegt ist, teilt Unilever mit. Produkt und Verpackung seien von Anfang an so gestaltet, dass sie für den Onlinehandel optimiert und gleichzeitig wiederverwendbar und somit nachhaltig sind. Der US-Konzern Pepsico liefert Orangensaft der Marke Tropicana in Glasflaschen und packt ein Müsli in Edelstahlbehälter. Procter & Gamble ist mit zehn Marken dabei, etwa Shampoo, Waschmittel und sogar einer Zahnbürste, deren Griff haltbarer sein soll und deren Kopf austauschbar ist. Beiersdorf ist dem Vernehmen nach mit einem Produkt aus der Nivea-Men-Range dabei.
