Limonaden sind alles Coca-Colas Geschäft mit dem Zucker

Die Zahlen zeigen: Getränkehersteller Coca-Cola verdient vor allem an seinen zuckerhaltigen Getränken. Quelle: imago

Im „Coca-Cola-Report“ stellt Foodwatch den US-Konzern an den Zucker-Pranger. Der kontert, man investiere in Alternativen. Doch die Zahlen zeigen, wie stark Coca-Cola noch immer vom Verlangen nach Zucker profitiert.

Die Deutschen lieben Süßes. Dass Zucker vor allem ungesund ist, wissen sie. Trotzdem verzichten die meisten nur ungern darauf. Zuckerhaltiges Essen und Trinken ist für viele elementar. Und davon leben Konzerne wie Storck, Haribo oder auch Coca-Cola.
Wie sehr Zucker das Geschäft beflügelt, zeigt der Foodwatch-Report über den US-Getränkekonzern sehr beispielhaft. Von nichts profitiert der Branchenprimus so sehr wie von der Liebe der Menschen zu Zuckerhaltigem.

Allein 2016 wurden in der Bundesrepublik laut der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreier Getränke (wafg) mehr als zehn Milliarden Liter Erfrischungsgetränke, sprich Limonaden, Fruchtsaftgetränke, Wasser mit Aromen und Schorlen, produziert. Coca-Cola als Marktführer im Erfrischungsgetränke-Segment macht einen großen Teil davon aus. Laut einer Statistik des Marktforschungsinstituts Dr. Kelch Getränke-Info im Auftrag der Lebensmittelzeitung aus dem Juli 2017 kam der US-Konzern mit mehr als 3,8 Milliarden Litern 2016 in Deutschland auf einen Marktanteil von 36 Prozent – damit verkaufte Coca-Cola so viele Erfrischungsgetränke wie der Zweit-, Dritt- und Viertplatzierte zusammen (siehe Grafik).

Weltweit wird Coca-Colas Marktanteil bei den Erfrischungsgetränken vom Marktforschungsinstitut Trefis auf rund 24 Prozent geschätzt.

Absatz der führenden Hersteller von Erfrischungsgetränken in Deutschland im Jahr 2016 (in Millionen Liter). Quelle: Getränke-Info GBR / C. Hohmann Quelle: Statista

Und wie wichtig besonders der Zuckergetränke-Markt für Coca-Cola ist, zeigt sich in den unternehmenseigenen Zahlen. Die „Erfrischungsgetränke mit Zucker“ entsprechen laut Coca-Cola fast 65 Prozent des Absatzvolumens. Zero- und Light-Produkte kommen lediglich auf 18,9 Prozent und Coca-Colas Wassermarken Appolinaris und Vio machen gerade einmal 10,6 Prozent des Volumens aus. Damit sind die Zuckerbomben auch die großen Umsatztreiber in Deutschland. „Es ist kein Zufall, dass Unternehmen wie Coca-Cola vorrangig ‚Erfrischungsgetränke‘ verkaufen. Im Vergleich zu gesunden Getränken wie Mineralwasser sind diese weitaus profitabler“, schlussfolgert Foodwatch in seinem Report.

Es sind allerdings nicht die reinen Verkaufszahlen, die die zuckerhaltigen Getränke so entscheidend wichtig für die Jahresbilanz machen. Die Profitmarge ist sehr hoch. Aus dem Jahresbericht des US-Konzerns geht hervor, dass die Bruttomarge 2016 bei 60,7 und 2017 sogar bei 62,6 Prozent lag. Bedeutet im Umkehrschluss: Coca-Cola muss nicht einmal 40 Prozent seines Getränke-Umsatzes für Herstellungskosten, Marketing, Personal und Co. ausgeben. „Zuckergetränke sind ein sehr einträgliches Geschäft“, kommentiert Foodwatch zieht einen Vergleich zu anderen Branchen: „Wer in der Automobilindustrie eine Bruttomarge von knapp 18 Prozent erzielt, zählt schon zu den Besten in der Branche. Selbst in der Chemiebranche liegen die Bruttomargen im Schnitt bei 28 Prozent.“

Ein Grund für die hohe Marge: Den Getränkeherstellern spielend die günstigen Rohstoffpreise in die Hände. Der Zuckerpreis ist in den vergangenen Jahren deutlich gefallen. Kostete ein Kilo raffinierter Zucker 2010 noch rund 1,20 Euro, so liegt er derzeit bei rund 0,30 Euro pro Kilo. Sprich: Bei einem Zuckeranteil von zehn Prozent kostet der Zucker für einen Liter fertiger Limo nur wenige Cent – der Verkaufspreis liegt hingegen meist über einem Euro.

Nichtsdestotrotz musste auch der Getränkeriese in den vergangenen Jahren Federn lassen. Die anhaltende Diskussion um ungesunden Zuckerkonsum und ein gesellschaftlicher Trend zu mehr Gesundheit und Fitness ist nicht gänzlich an Coca-Cola vorbeigegangen. Zwar trinken die Menschen weltweit noch immer gerne Coca-Cola, Sprite und Co., allerdings reduzierter. Erst im Februar vermeldete die Wirtschaftsgemeinschaft Alkoholfreier Getränke für Deutschland einen rückläufigen Trend beim Gesamtkonsum zuckerhaltiger Limonaden. Demnach ging der Pro-Kopf-Verbrauch von 64,5 Liter im Jahr 2016 auf 60,3 Liter im vergangenen Jahr zurück. Weltweit sieht es ähnlich aus. Und das spiegelt sich durchaus auch in den Gewinnen wieder: Nahm Coca-Cola 2014 noch 46 Milliarden US-Dollar ein, waren es 2015 noch 44,5 Milliarden und 2016 noch 42 Milliarden US-Dollar. Ganz konkret büßte der US-Konzern beim Gewinn ein: Von 2010 bis 2016 ging der um 45 Prozent zurück.

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