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Logistik-Offensive Amazon macht DHL-Packstationen Konkurrenz

New York, Seattle, London: Der Online-Händler macht seinem Unmut mit der Postzustellung Luft und baut in immer mehr Metropolen eigene Packstationen auf. Doch in Deutschland hängen die Trauben sehr hoch.

Mit seinen „Amazon Delivery Lockers“ könnte der Online-Händler den DHL-Packstationen Konkurrenz machen. (Foto: Amazon)

DüsseldorfWenn zwei sich streiten, freut sich meistens am Ende der Dritte. Dabei ist es eigentlich gar kein wirklicher Streit, um den es hier bei der Deutschen Post und dem E-Commerce-Riesen Amazon geht. Zumindest noch nicht. Der Dritte ist – um das vorweg zu nehmen – das kleine österreichische Familienunternehmen Keba. Seit Jahren rüstet die Firma die Post-Tochter DHL mit Packstationen aus; rund 2.500 sind es inzwischen im gesamten Bundesgebiet. Nun kann Keba auf weitere lukrative Aufträge hoffen – diesmal aber nicht von der Post, sondern vom weltgrößten Online-Händler Amazon.

Weil der US-Händler unzufrieden mit der Postzustellung von Paketen ist, testet er seit geraumer Zeit einen eigenen Vertriebsweg: Paketstationen zum Selbst-Abholen. Wie das „Wall Street Journal“ schreibt, soll so auch sichergestellt werden, dass keine Warenlieferungen mehr durch Diebstahl verloren gehen.

In Amerika wurden die sogenannten „Amazon Delivery Lockers“ in populären Läden der Supermarktkette 7-Eleven aufgestellt, die 24 Stunden lang geöffnet sind. Außerdem kooperiert Amazon mit der Drogeriekette Rite-Aid und der Metzgereikette Gristedes. Auch in London stehen inzwischen die Geräte an öffentlichen Plätzen und in Einkaufszentren – und es kommen ständig neue dazu.

Der „Financial Times Deutschland“ sagte ein Vertrauter des Unternehmens, dass einem Aufbau der Stationen in Deutschland nichts im Wege stehe. „Generell ist es unser Ziel, unseren Kunden die Zustellung von Paketen so einfach und bequem wie möglich zu gestalten - und Amazon Lockers ist einer der verschiedenen Wege, die wir zur Erreichung dieses Ziels verfolgen“, sagt eine Amazon-Sprecherin Handelsblatt-Online. Nur zu zukünftigen Plänen mag sie keine Auskunft geben. „Ich bitte um Ihr Verständnis.“

Für die Deutsche Post würde eine Ausweitung auf Deutschland bedeuten, dass sie ausgerechnet von einem ihrer prestigeträchtigsten Auftraggeber Konkurrenz bekommt. Seit mehr als einem Jahrzehnt verdiente der Bonner Konzern nicht schlecht an Amazon, der seiner Kundschaft bislang in den meisten Ländern für bestimmte Produkte einen kostenlosen Postversand anbietet. Durch den Boom im Online-Versandhandel ist das Paketgeschäft zu einem Milliardenmarkt angeschwollen, um den mehrere Anbieter kämpfen, die täglich zigtausende Paketboten an die Haustüren schicken. Allein die Post-Tochter DHL transportiert pro Werktag rund drei Millionen Paketsendungen. Über 60.000 Zusteller sind für die Auslieferung von Paketen und Päckchen im Einsatz.


Entwickelt sich Amazon zum Rundumlogistiker?

Doch was für die Amazon-Kunden attraktiv ist, schmälert den Gewinn des Online-Giganten, da er selbst auf jeden Fall den Transport mit der Post oder UPS bezahlen muss. Dazu kommen Extragebühren, damit die Amazon-Pakete auch in Wohngebieten ausgeliefert werden. Eigene Paketstationen direkt zu beliefern, dürfte wohl deutlich die Versandkosten senken. Neben mehreren Lagerplätzen pro Land oder Region könnte sich die Logistik der Auslieferung zentralisieren lassen. Außerdem würden die Locker es Amazon ermöglichen, nicht nur schnell und sicher, sondern auch zu einem garantierten Zeitpunkt zu liefern; etwas, das bislang über die Lieferung mit den Paketdiensten von DHL oder UPS nur bedingt zu beeinflussen ist.

Sowohl optisch als auch technisch erinnern Amazons Locker an die Packstationen von DHL. Wer den Service nutzen will, bekommt einen persönlichen Code, mit dem er neben dem Wocheneinkauf auch gleich seine Amazon-Pakete aus dem Schließfach abholen kann. Wie beim Konkurrenzangebot der Post-Tochter auch, stehen Schließfächer in verschiedenen Größen zur Verfügung, navigiert wird über das Tastenfeld eines Computer-Terminals.

Dass sich der Einzelhändler Amazon nun aber zum Rundumlogistiker entwickelt, der in der Lage ist, zu Rivalen wie DHL, UPS oder Fedex aufzuschließen, glauben Branchenexperten nicht. Wachstumschancen bieten sich wohl eher in anderen Ländern. Außerhalb von Deutschland sind in Europa erst 500 Packstationen aufgebaut. Vor allem in China könnten die Locker laut Forrester-Reserach-Analyst Brian Walker funktionieren. Dort haben viele Menschen keine eigene Adresse, an die sie sich Pakete schicken lassen könnten.

„Speziell für den deutschen Markt gilt außerdem, dass schon mehrere Alternativen für den Kunden geschaffen wurden und das Serviceniveau schon erfreulich hoch ist“, sagt Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels, zu Handelsblatt-Online. „Neben den Schließfächern stellen auch Servicepunkte in Geschäften eine Alternative zur klassischen Zustellung für die Kunden dar“. Auch in Zukunft sei Amazon auf die Auslieferer angewiesen, denn vor allem auf der letzten Meile mangele es an den nötigen Ressourcen. Ganz ohne DHL oder Hermes wird es wohl ohnehin nicht gehen, denn irgendwie muss die Ware aus Amazons riesigen Logistikzentren ja zu den Packstationen gebracht werden.

Auch die Post glaubt hierzulande nicht an einen Vormarsch: „In Deutschland haben wir mit unseren Packstationen in den letzten zehn Jahren das einzige flächendeckende Automaten-Netz aufgebaut, mit dem Kunden rund um die Uhr Pakete versenden und empfangen können. Amazon und seine Kunden zählen zu den intensivsten Nutzern dieses Netzwerks. Uns sind keine Pläne bekannt, dass die Tests in den USA auf Deutschland ausgeweitet werden sollen.“, so ein Sprecher.


Post testet eigene Paketboxen

Selbst wenn die Locker nach Deutschland kommen sollten, dürften die Trauben für Amazon einfach zu hoch hängen. Denn auch die Post ist inzwischen einen Schritt weiter und testet seit einiger Zeit eigene Paketbriefkästen. Rund 1.000 Stück seien inzwischen in einem Testgebiet nahe Bonn installiert.

Dabei geht es darum, mit dem Paket in Ein- und Zweifamilienhäusern eine Zustellung zu schaffen, „die zu 100 Prozent im ersten Anlauf klappt“, sagte Brief-Vorstand Jürgen Gerdes vor kurzem im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Vor allem bei Lebensmittellieferungen sei das wichtig. „Wir haben Kästen entwickelt, in die Pakete hineinpassen. Die gibt es in klein, mittel und groß. Der Kunde hat einen Schlüssel, der Zusteller auch.“

Die Reaktion der Kunden in dem Testgebiet sei „sehr positiv“. Ziel sei es, nicht nur Pakete zu empfangen, sondern dort auch abgehende Pakete hineinzustellen. „Dann bieten wir den kompletten Service an der Haustür.“ Wer die Kosten der Kästen trägt, ist noch nicht entschieden. „Wenn wir die Prozesse geklärt haben, können wir uns darüber unterhalten, was es kostet und wer es bezahlt.“

Derweil hofft in der österreichischen Landeshauptstadt Linz der Automatisierungsspezialist Keba „dass es zu Gesprächen kommen wird.“ Der letzte große Auftrag kam vor fünf Jahren, als die Deutsche Post auf einen Schlag 1500 Packstationen kaufte – für schätzungsweise je 20.000 Euro. Das war der Größte Deal in der Geschichte von Keba. Aus Sicht der Oberösterreicher spricht einiges dafür, dass auch Amazon auf ihre Technik setzen wird.

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